Der Luxus
steigt
Die Werte
sinken
Die Ungerechtigkeit
schreit
Die Welt
ist am stinken.
Das Magazin für Eigenart
Der Luxus
steigt
Die Werte
sinken
Die Ungerechtigkeit
schreit
Die Welt
ist am stinken.
Wie raumgreifend kann Luxus sein?
Wenn man nur begrenzte Mittel zur Verfügung hat,
Seine Familie ernährt,
Vielleicht einmal im Jahr in Urlaub fährt,
Seine Rechnungen bezahlt, pünktlich,
Wenn man versucht,
Den gesellschaftlichen Regeln zu folgen,
Sauber zu bleiben,
Dann ist Luxus anders definiert als
Für diejenigen, Die Luxus täglich haben,
Die ein Luxusleben führen,
Die den Luxus nicht mehr als Luxus empfinden,
Sondern als Normalität.
Ist dann noch Luxus
Luxus?
Wie hoch ist die
Fallhöhe?
Diese Geschichte ist mit Fett geschrieben. Sie handelt von Vergänglichkeit und zersetzt sich mit der Zeit von selbst. Ich bin ein Stück Fett. Ich mache Dinge die ein Stück Fett tut. Faul in der Ecke sitzen und verranzen. Ich hinterlasse Fettflecken wo hin ich auch gehe. Ich schäme mich kein Meter weit für meine Existenz. Ich bin keine Kunst, ich kann weg. Ich bin manchmal traurig, dass nicht mehr aus mir geworden ist. Vorallem wenn die Leute kommentieren: Schaut euch mal dieses eklige Stück Fett an. Aber was soll’s traurig hin; traurig her. Es ändert nichts an meinem innersten Sein. Ich werde verranzen. Einfach so. Das ist unser Schicksal in der Fett-Familie. Man könnte sagen es ist uns in die Wiege gelegt. Nichts bleibt für immer und so weiter und so weiter. Tschüss, tschau und gute Nacht!
White Paintings
von Rauschenberg
7 weiße Leinwände
und keine Farbe
Nur Weiß
Das im Tageslicht
unterschiedlich wirkt
Mit den Schatten
von den Besuchern.
Nam June Paik (1974)
Buddha,
der sich selbst sieht
Vor
dem Fernseher
Videoinstallation
Ein Kreislauf
der nicht aufhört
Im Spiegel
Im Fernseher
Du selbst.
im Augenblick zählt das Licht, die Sekunden
verlangsamen sich auf dem Flächenquadrat
in einem Raum zu dem Raum voller Größe
den deine Augen schlussendlich erfassen
hier rückt das Bild von dir selbst in das nächste
gekritzelte Stück deiner Schaffenskraft
wo deine Sonne kein Licht mehr benötigt
bist du bereits bei dir selbst und ganz nackt
für das gefrorene Meer, das von außen
setzt du den Fluss in Natté weiter ab
und mischst den Malstift zum Grau dieser Wüste
die uns umringt, jetzt wirkst du sentimental
und klopfst an die Tür, der Tür deines Herzens
mit dem du fliegst, wenn du losgelöst bist
Musikstück
in 3 Sätzen
Avantgarde
4 Minuten
und 33 Sekunden
Kein einziger Ton
Nur Stille
Im schalldichten Raum,
die zufälligen Geräusche
Das Publikum,
das sich selbst hört
Stille,
die spricht.
Fluxus war weniger eine Stilrichtung als ein radikales Konzept von Kunst, das in den frühen 1960er-Jahren die Trennung zwischen Kunst und Leben auflösen wollte: Alles konnte Kunst sein, jeder konnte Künstler sein – und entscheidend war nicht das Werk, sondern die Handlung, das Momenthafte, gar das Flüchtige. Statt Gemälden oder Skulpturen schuf man Aktionen, kurze Performances, sogenannte „Events“, oft mit banalen Objekten, oft mit ironischer Geste – antikommerziell, antielitär und zudem antiautoritär. Interdisziplinär und intermedial verband Fluxus Musik, Theater, Sprache, Objektkunst und Alltagshandlungen, wobei nicht das Ergebnis, sondern der Prozess – das Tun selbst – zum zentralen Ausdruck wurde. Bedeutend war nicht das Artefakt, sondern das Ereignis.
So sehr sich Fluxus gegen den etablierten Kunstbetrieb richtete, so sehr war es doch auf ihn angewiesen – zumindest als Resonanzraum. Denn die 1960er-Jahre waren geprägt von wachsender Institutionalisierung des Kulturellen: Theaterhäuser, Museen, Filmarchive und Kunsthochschulen entwickelten sich zu Hütern des Kanons, zum Speicher gesellschaftlicher Selbstbeschreibung. Fluxus versuchte, diese Räume zu unterwandern – durch absurde Aktionen in Konzerthallen, durch ironisierte Vorlesungen an Universitäten, durch das bewusste Spiel mit bürgerlichen Erwartungshaltungen. Dennoch: Auch der Protest braucht eine Bühne, um überhaupt gehört zu werden – und selbst Subversion braucht gelegentlich einen Türöffner in Form von Aufführung, Buch oder Film. Fluxus wirkte im Kontrast zur Institution – aber eben nicht außerhalb von ihr.
Der größte Widerspruch von Fluxus liegt in der Tatsache, dass es zwar das Flüchtige, das Unwiederholbare, das Momenthafte zum eigentlichen Gehalt erklärte – und sich dennoch von Beginn an selbst dokumentierte: in Partituren, Fotografien, Filmen, Kassetten, Boxen und Flyern. George Maciunas, der organisatorische Kopf der Bewegung, war nicht nur Anti-Institutionalist, sondern auch ein genialer Archivar. Man könnte sagen: Fluxus wusste um seine eigene Vergänglichkeit – und sicherte sie gleichzeitig ab, um überhaupt Wirkung entfalten zu können. Vielleicht konnte Fluxus nur so radikal ephemer sein, weil es die Möglichkeit der Erinnerung einkalkulierte. Denn was vergeht, ohne dokumentiert zu werden, vergeht auch ohne Spuren – und nichts widerspricht dem Kunstsystem mehr, als spurlos zu sein.
(dt. Stierkampf von Navas del Madrano)
der rote Mond auf deinen leisen Lippen
ist eine Sonne bruchscharf schräg am Fell
du hast mich ausgeweidet, leergetrunken
im ersten Akt der Szene wunder Punkt
Beton gerührt und Kreide ausgegossen
mit Öl gemischt und schwarzem Brückenteer
der auseinanderbrach als wir Staub schluckten
im roten Regen alter Winterschwäche
jetzt taut man auf und schwitzt schweißbadend Lunge
im Happening Electric De‘-coll/age
der Adler fliegt die Sense | Katastrophe
Raum contra Müll und Schnee, der leider fehlt
um eine Abfahrt in das Licht zu wagen:
mors certa, Tod an einem Nachmittag…
Flu wie fluide Mauern, die durchbrechen
den Stadtpark in zwei Hälften: Raum und Zeit
das Wachstum in den Mittelpunkt zu rücken
ich denke an Natur und fühl mich frei
den Baum als erstes in mein Herz zu schließen
klopft tropfend Regen durch den Blätterwald
und Wundersamen: Worte, die mir fehlen!
wenn alles Naturell natürlich bleibt
es war einmal ein Flügel, der jetzt kracht
bis er die Flügel FLUXUS wiederfindet
Ton wird geschliffen, bis dort nichts mehr ist
als Staub, Flut und Gezeiten in der Kunst
sich selbst entfesselt weiter zu bewegen:
ein Satz führt dieses Haiku ins Gebet…