Andreas Dietz: Die Farben

Variante A:

Variaten B:

Das Grün, das tiefe dunkle und das helle,
das sanfte weiche, und auf alle Fälle
das Indigo und das Orange, so fruchtig
das Orange, und dann gewaltig wuchtig
auch das Blau, das kalte und das harte,
das schwere Blau sowie das leichte, warte,
auch das Rot, so innig warm und dann so heiß,
das Pink, das Rosa, fein, ganz süß, dann Weiß,
und dann das Gelb, so hell das Gelb, so sonnig,
so luftig und so ölig und so wonnig,
ach, und dann das Lila und das Violett,
das Cyan, das Türkis, die sind adrett,
am Ende Grau, so sachlich trüb, und Schwarz,
jawohl, sogar das Schwarz kommt in die Charts.

Andreas Dietz: Einfalt am Waldesrand

Das Zirpen und das Tirilieren,
das Unkenrufen und das Quaken,
das Summen und das Musizieren,
das Hoppeln und das Hakenschlagen.
Am Waldesrande die verzückten
Gesichter, diese ganz entrückten.

Das Balzen und das aggressive,
mit voller Inbrunst das Markieren
von Jagdrevieren und die tiefe,
die Todesangst von Beutetieren.
Am Waldesrande die bedrückten
Gesichter, diese ganz missglückten.

Andreas Dietz: Auf dem Teller die Suppe

Nudeln fand er auf dem Teller,
Möhrchen auch und grüne Schoten.
Manches wurde aufgeboten.
Langsam aß er und dann schneller.

Mit dem Löffel angehoben,
aufgeschöpft die Schweinebrocken,
rausgefischt die Eierflocken.
Und die Nudeln schwammen oben.

Augen schauten mit viel Mühe
etwas trüb, sie sind vom Esser.
And’re Augen schauten besser,
nämlich glänzend aus der Brühe.

Andreas Dietz



Andreas Dietz, geboren 1978 in Leipzig, lebt mit seiner Familie in Nienburg an der Weser.

Er schreibt in seiner Freizeit Gedichte. Viele von ihnen sind komisch und fast alle sind klassisch gereimt.

Mehr: https://andreas-dietz.de/

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Andreas Dietz bei EBMD:

Andreas Dietz: Glück und Unglück im April

Der Goethe reimte einst im März
beim Weine abends diesen Scherz:

„Den ersten April musst überstehn,
Dann kann dir manches Guts geschehn.“

Das mag so sein, doch gilt es nicht,
falls Unglück tritt ans Tageslicht.

Und auch bei Gutem hüte dich!
Das Schicksal wütet fürchterlich.

Auf jedes Gute folgt das Bös‘
und umgekehrt. So generös

das Schicksal einen Ausgleich will.
Das gilt besonders im April.