Eisenbart und Meisendraht ist das Literaturvermittlungsmagazin für geschundene Seelen. Jeden Monat wird ein neues Thema von unserem Schriftsteller*innenpool beackert und hernach in Radiowellen (Z) transformiert, in den Pod geschmissen und hier im Internet kybernetisch in den space gepresst.
Diese Seite ist gut, denn sie bietet eine einwandfreie Möglichkeit, in allen Beiträgen herumzustöbern, die im Rahmen von EB&MD veröffentlicht worden sind.
Aktuelle Themen
Neue Textbeiträge
Carsten Stephan: Mit Bleyweis vermiſchet und allerley angelegt
Vermiſchet man den Zinnobergebuͤhrender maſſen mit Bleyweis,ſo giebt er eine Leib-Farbe, und werden damit angelegt allerhandnackende Bilder, alle Berge,Waͤlder und Schloͤſſer, ſo in der Ferne liegen, auch allerleyrothbleiche Luft. Vermiſcht man den Indig mit etwasBleyweis, ſo kan man allerhandblaulichte Tuͤcher, Harniſche, blaue Wein-Beere, dunckel-blaueKleider, Wolcken und Blumendamit anlegen und ausſchattiren. Macht man ihn aber noch hellerund ſetzt noch mehr Bleyweis dazu,ſo wird damit allerley hell-blaue Luft, die Berge, ſo in der Ferneliegen, allerley hell-blaue Blumen,das Waſſer, hell-blaue Kleider, Schiefer-Daͤcher und dergleichenDinge mehr angelegt. Es werden mit dem Lac, wenn ermit etwas Bleyweis vermenget,allerley Kleidungen, die roͤthlichten Wein-Beere, die rothen Striche...
Read More
Lydia Waldhoer: Ich weiß auch nicht was hier passiert
Variante A: Variante B: Alle Farben des Regenbogens rund um mein Auge. Rot, blau, violett, dann gelb, grünlich, ein bisschen orange und rosa. Ein wenig geschwollen auch, die Kruste dunkelbraun und wulstig. Die Pupille rot, ja ROT, wie ich sie noch nie gesehen habe. Wunderschön, sag ich dir; WUNDERSCHÖN, so hast du sie noch nie gesehen. Ich habe sie auch noch nie gesehen und wundere mich, dass das überhaupt möglich ist. Wer ist sie? Was macht sie? Woher kenne ich sie nochmal? Kenne ich sie überhaupt? Ich sehe sie und frage mich das alles, zusätzlich zu meinem Regenbogenauge. Sie wandert...
Read More
Andreas Dietz: Die Farben
Das Grün, das tiefe dunkle und das helle,das sanfte weiche, und auf alle Fälledas Indigo und das Orange, so fruchtigdas Orange, und dann gewaltig wuchtigauch das Blau, das kalte und das harte,das schwere Blau sowie das leichte, warte,auch das Rot, so innig warm und dann so heiß,das Pink, das Rosa, fein, ganz süß, dann Weiß,und dann das Gelb, so hell das Gelb, so sonnig,so luftig und so ölig und so wonnig,ach, und dann das Lila und das Violett,das Cyan, das Türkis, die sind adrett,am Ende Grau, so sachlich trüb, und Schwarz,jawohl, sogar das Schwarz kommt in die Charts.
Read More
David Telgin: Apollofalter
Mein Körperist hellgrauund hat haarige Schuppen Schwarzeund rote Augenfleckenauf weißen Flügeln Ich fliegeüber Terrassen hinweg Meine Flügelein leichtes Vibrieren Am Steilhangder Vergänglichkeit Feine Tupferin der grünen Landschaft.
Read More
David Telgin: Einladung der Räume
Blaue Wändespielen Ornamentespiegeln sich im Auge In der roten Vaseleuchten gelbe Ringelblumen Farbe,die den Atem hält Tanzende Figuren Räume,die uns ansehen,bevor wir sie betrachten.
Read More
Christian Knieps: Goethes farbige Weltliteratur
Goethe, der große Selbstbeobachter unter den Dichtern, betrachtete die Welt nie als eine bloße Ansammlung von Dingen, sondern als ein vibrierendes Gewebe von Erscheinungen, in dem sich Farben, Gedanken und Geschichten ineinander verschränkten, als gehörten sie einem einzigen, noch immer unvollständig verstandenen Organismus an, der sich durch die Jahrhunderte hindurch in immer neuen Formen artikuliert.Wer seine „Farbenlehre“ aufschlägt, begegnet deshalb nicht nur einer naturwissenschaftlichen Abhandlung, sondern einem merkwürdig hybriden Werk, das zugleich Experiment, ästhetisches Manifest und philosophische Meditation ist, weil Goethe überzeugt war, dass die Wirklichkeit erst dort vollständig erscheint, wo Sinneseindruck, Reflexion und Sprache miteinander kooperieren, statt sich gegenseitig...
Read More
Julia Eckert: Rotglühen
Unverzagt eruptives Glühen aus heißbegehrter MitteIn sich entziehender Hingabe mehr als ein Schatten des FeuersVerweist es auf ihren fluiden Kern auf ihre lebendige EssenzGeronnene Splitter und zerfließende GanzheitDas beruhigende Wissen des Funkens in sich tragend Jenes Aufflammen mit eigenem Willen jederzeit noch einmal entfachen zu könnenUnd immer wieder nur in vollem Einklang mit sich selbst aus dem Zentrum herausBefreiende Wärme zu stiften ohne sich zu verzehren Nur Anfänge Lichter aus reiner Fülle geborenDie stolze Energie zukünftiger Fontänen mit geheimer Schnur nährendEine Kette in ihrer Entfaltung Ordnung selbstFreiheit generierend ab dem Moment der Ausbreitung nicht mehr aufzuhaltenZukünftiges Rot grüßt trotzig emporsteigende...
Read More
David Telgin: Viadukte
(Paul Klee, 1937) FormFarbe Auf schmalen FüßenViadukte Brückenbögenim Aufruhr Kommenauf dich zu Marschieren sie? Menschenohne Kopf.
Read More
Carsten Stephan: Berliner Blau zu machen
Muͤhlos und ergetzlich Nimm friſches Rinds-Blut, mach es ineinem groſſen Tiegel bey ſteten umruͤhrenwohl trocken, daß es glaͤntzend und imreiben koͤrnig wird. Weinſtein, Salpeter, von jedem 3. Pfund, ſtoſſe jedes a partgroͤblich. und miſche von einem jeglichendie Helffte in einer groſſen Schuͤſſelzuſammen, fuͤlle damit einen Topff und detoniere es darinne, wenn es nicht ſtarckmehr rauchet, ſo nimm es mit einemeiſernen Loͤffel heraus, und verwahre esbis zum Gebrauch an einem warmen Ort. Des getrockneten Bluts und dieſes alcaliſchenSaltzes anderthalb Pfund, miſche es wohlunter einander, fuͤlle damit einen Schmeltz-Tiegel wohl eingedruckt, was nicht hinein gehet, wird nachgetragen, wenn es ſich einwenig geſetzet,...
Read More
Andreas Prucker: Bunt wird es nimmer mehr.
Bunt wird es nimmer mehr.Selbst in Klagenfurt beim mobbenden Bachmannpreis sucht man vergebens nach Farben im arroganten Weiß.Auch hier, diese Sendung verweilt im Dauer-Grau und bunter wird es dadurch nimmer mehr.Auch ich muss weg vom alten und brauch neue andere farbliche Neid-Gewalten.Inspiriert angeregt liefert es mir nur rot schwarz weiß auf braun-gelb-grauen Hintergrund.Diese Extravaganz beim Gott der Armut als sinnige Leere, wie auch um sich mit ihr aus kulturellen alten Muster heraus lösen zu können und auch die prägende charakterliche arrogante Eitelkeit, um diese extravagante künstlerische bürokratische Leere mit Farben zu füllen, wie auch eitel neue kulturelle Trends formen zu...
Read More
Arabella Block: Volkslied
bitterblauim morgengrausteht starr und kaltdie bitterfrau die hände rauhgedankenblauwie bitterkorndie blumenfrau steht alt steht kaltdieseits der gewaltsteht jenseits der bitteninmitten die leichenblasse zwitterfrau so altso lauso bitter-blau
Read More
Arabella Block: Seine Hemden
Seine Häute im Schrankbunte Ikonenwandunterschiedlicher Stadienvielfarbiger Erlösungund dochzeichnet sich sein abwesender Körperhier und da ab eineFalte eine Wölbung die bliebein noch aufgekrempelter Ärmelund der Knopf der schonso langam letzten Faden hängtWir sind gutim Abwesendsein
Read More
Felix Benjamin: Körperfresser aus der Dose
Uli starrt auf seinen Teller. Fünf Ravioli liegen darin, halb versunken in roter Pampe. Sie bewegen sich nicht. Wie Krokodile, die auf der Lauer liegen. Nur viel, viel kleiner. Dafür aber mit viel mehr Zähnen. An allen Seiten. Überall Zähne. „Iss, solange sie warm sind!“ ruft Mama aus der Küche. Uli nimmt den Löffel. Ganz vorsichtig. Eine Ravioli liegt besonders nah am Tellerrand. Wahrscheinlich die mutigste. Oder die hungrigste. Uli stupst sie kurz an und zieht den Löffel schnell zurück. Nichts. Noch einmal. Nichts. Das muss gar nichts bedeuten. Wenn ein Löwe schläft, stupst man ihn ja auch nicht zweimal...
Read More
Margret Bernreuther: Amaretto mit Sahne
„Letz fetz sprach der Frosch und sprang in den Ventilator“Der Aufkleber mit diesem markigen Spruch, klebte bei meinem Vater in der Küche an den Fliesen. Der aufgegeilte Frosch saß vor dem Ventilator und gierte erwartungsvoll nach seinem letzten Kick. Wir saßen in der Küche, die kaum genutzt wurde, denn wir wohnten hier schon länger nicht mehr. Und mein Vater ernährte sich ungesund und fraß mehr als häufig Magentabletten. Ohne die ging nichts. Ich betrachtete den Frosch und hörte, wie mein Vater die Tabletten aus der Verpackung drückte. Gleich eine handvoll hinein in die Goschen. Und dann mussten die zerbissen werden,...
Read More
Theobald Fuchs: Ursuppenverkostung
Als der Forschungsantrag bewilligt worden war, suchte die Institutsleitung nach einer geeigneten Person, die das Projekt durchführen sollte. Die Wahl fiel auf mich. Ich dachte ja, dass man mich ausgesucht hatte, weil ich so schlau sei, weil ich den Ruf eines erfahrenen und geschickten Wissenschaftlers hätte oder einfach wegen meiner wirklich sehr schönen Wimpern. Aber nein. Ich bekam den Auftrag, weil ich als einziger am Lehrstuhl Gummistiefel besitze.Ende Juli fuhr ich also los und machte mich auf die Suche nach der Ursuppe. Nach jener schleimigen, stinkenden, brodelwarmen und mit organischen Molekülen gesättigten Brühe, aus der einer Hypothese nach alles organische...
Read More
Simon Metz: Partysuppe
Das drittwichtigste Familienrezept das mir weitergegeben wurde ist mich eingeschlossen erst zwei Generationen alt. Das ist ein umständlicher Weg zu sagen, dass meine Mamer es entwickelt hat.Und geheim ist eigentlich nichts daran, es ist eine Abwandlung der Schmelzkäse Partysuppe, die wahrscheinlich früher in allen Magazinen beworben wurde, die nicht gerade Rezepte für eine neue Art der Diät mit Bezug auf einen Urlaubsort publiziert haben.Die erste Art der Abwandlung war, den Schmelzkäse durch Creme Fraiche zu ersetzen, was eine Änderung des Namens notwendig machte.Bis zu meiner Version gab es noch einige Änderungen, was die Suppe wahrscheinlich zu einem köstlichen Schiff des...
Read More
Matt S. Bakausky: Suppe
Zwiebel, Buchstabennudeln, Karottenstücke und Sellerie. Mit heißem Wasser kochen. Jeder muss seine eigene Suppe auslöffeln. Aus Spaß wurde Ernst. Ernst ist jetzt 20 Jahre alt. Und er sagt: Meine Suppe ess ich nicht, meine Suppe ess ich nicht, wenn schon spuck ich sie dir ins Gesicht. Kein anderer Vater musste soetwas ertragen. Ich sitze hier im Waschsalon und denke an Suppe und meinen Sohn Ernst. Noch 28 vorbeifahrende Autos dann ist die Wäsche fertig. Kein anderer Bakausky hat soetwas ertragen müssen. Zwiebel, Buchstabennudeln, Karottenstücke und Sellerie. Mit Wasser aufkochen. Was hat sie gesagt? Meine Ideen sind ja ganz gut, nur...
Read More
Matt S. Bauernhofsky: Luau
In einer alternativen Wirklichkeit lebe ich als Landwirt im Sternentautal. Ein Jahr arbeite ich auf das jährliche Luau im Sommer hin. Ich befreunde mich mit der Viehzüchterin Marnie und das nicht ohne Grund. Geschenk für Geschenk, Gespräch für Gespräch arbeite ich auf ein Ziel hin. Ich will Zugriff auf ihr Schlafgemach. Sobald ich dieses Vertrauen habe werde ich einen Gegenstand daraus entwenden. Die Lieblingsshorts von Bürgermeister Lewis. Denn beim nächsten Luau werde ich ihn vor dem Governor bloß stellen. Jeder feine Bürger des Sternentautals darf eine Zutat in die Suppe beim Luau geben. Und ich werde keinen feinen Wein oder...
Read More
Katrin Rauch: Ville abbandonate
Wir sind in einer dicken, dunklen Suppe aus Wasser, Seife und mäßigen Schmerzen eingelegt. Sie hat exakt unserer Körpertemperatur. Wir spüren nicht, wie sie alle unsere Zwischenräume ausfüllt, wie sie jedes einzelne Haar umschließt zum Beispiel. Wie schon immer kommen uns unsere Haare in diesem Schwebezustand vor wie Seetang, ohne, dass wir wüssten, wie Seetang wirklich aussieht. Wir haben Seetang nie in echt gesehen, yet here we are, floating in a soup of soap and seaweed. Wir haben uns eingelegt in Wasser, Seife und mäßige Schmerzen, nachdem uns von innen her gegen die Hypodermis gepresst wurde, gegen das subkutane Fettgewebe,...
Read More
David Telgin: Unsichtbar
Milchiges Schweigen,schwache Konturen Baumstümpfe,Geister Das Talvom Schleier verschluckt Im Augedie unsichtbare Welt.
Read More


