Eisenbart und Meisendraht ist das Literaturvermittlungsmagazin für geschundene Seelen. Jeden Monat wird ein neues Thema von unserem Schriftsteller*innenpool beackert und hernach in Radiowellen (Z) transformiert, in den Pod geschmissen und hier im Internet kybernetisch in den space gepresst.
Diese Seite ist gut, denn sie bietet eine einwandfreie Möglichkeit, in allen Beiträgen herumzustöbern, die im Rahmen von EB&MD veröffentlicht worden sind.
Aktuelle Themen
Neue Textbeiträge
Julia Eckert: Rotglühen
Unverzagt eruptives Glühen aus heißbegehrter MitteIn sich entziehender Hingabe mehr als ein Schatten des FeuersVerweist es auf ihren fluiden Kern auf ihre lebendige EssenzGeronnene Splitter und zerfließende GanzheitDas beruhigende Wissen des Funkens in sich tragend Jenes Aufflammen mit eigenem Willen jederzeit noch einmal entfachen zu könnenUnd immer wieder nur in vollem Einklang mit sich selbst aus dem Zentrum herausBefreiende Wärme zu stiften ohne sich zu verzehren Nur Anfänge Lichter aus reiner Fülle geborenDie stolze Energie zukünftiger Fontänen mit geheimer Schnur nährendEine Kette in ihrer Entfaltung Ordnung selbstFreiheit generierend ab dem Moment der Ausbreitung nicht mehr aufzuhaltenZukünftiges Rot grüßt trotzig emporsteigende...
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David Telgin: Viadukte
(Paul Klee, 1937) FormFarbe Auf schmalen FüßenViadukte Brückenbögenim Aufruhr Kommenauf dich zu Marschieren sie? Menschenohne Kopf.
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Carsten Stephan: Berliner Blau zu machen
Muͤhlos und ergetzlich Nimm friſches Rinds-Blut, mach es ineinem groſſen Tiegel bey ſteten umruͤhrenwohl trocken, daß es glaͤntzend und imreiben koͤrnig wird. Weinſtein, Salpeter, von jedem 3. Pfund, ſtoſſe jedes a partgroͤblich. und miſche von einem jeglichendie Helffte in einer groſſen Schuͤſſelzuſammen, fuͤlle damit einen Topff und detoniere es darinne, wenn es nicht ſtarckmehr rauchet, ſo nimm es mit einemeiſernen Loͤffel heraus, und verwahre esbis zum Gebrauch an einem warmen Ort. Des getrockneten Bluts und dieſes alcaliſchenSaltzes anderthalb Pfund, miſche es wohlunter einander, fuͤlle damit einen Schmeltz-Tiegel wohl eingedruckt, was nicht hinein gehet, wird nachgetragen, wenn es ſich einwenig geſetzet,...
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Andreas Prucker: Bunt wird es nimmer mehr.
Bunt wird es nimmer mehr.Selbst in Klagenfurt beim mobbenden Bachmannpreis sucht man vergebens nach Farben im arroganten Weiß.Auch hier, diese Sendung verweilt im Dauer-Grau und bunter wird es dadurch nimmer mehr.Auch ich muss weg vom alten und brauch neue andere farbliche Neid-Gewalten.Inspiriert angeregt liefert es mir nur rot schwarz weiß auf braun-gelb-grauen Hintergrund.Diese Extravaganz beim Gott der Armut als sinnige Leere, wie auch um sich mit ihr aus kulturellen alten Muster heraus lösen zu können und auch die prägende charakterliche arrogante Eitelkeit, um diese extravagante künstlerische bürokratische Leere mit Farben zu füllen, wie auch eitel neue kulturelle Trends formen zu...
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Arabella Block: Volkslied
bitterblauim morgengrausteht starr und kaltdie bitterfrau die hände rauhgedankenblauwie bitterkorndie blumenfrau steht alt steht kaltdieseits der gewaltsteht jenseits der bitteninmitten die leichenblasse zwitterfrau so altso lauso bitter-blau
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Arabella Block: Seine Hemden
Seine Häute im Schrankbunte Ikonenwandunterschiedlicher Stadienvielfarbiger Erlösungund dochzeichnet sich sein abwesender Körperhier und da ab eineFalte eine Wölbung die bliebein noch aufgekrempelter Ärmelund der Knopf der schonso langam letzten Faden hängtWir sind gutim Abwesendsein
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Felix Benjamin: Körperfresser aus der Dose
Uli starrt auf seinen Teller. Fünf Ravioli liegen darin, halb versunken in roter Pampe. Sie bewegen sich nicht. Wie Krokodile, die auf der Lauer liegen. Nur viel, viel kleiner. Dafür aber mit viel mehr Zähnen. An allen Seiten. Überall Zähne. „Iss, solange sie warm sind!“ ruft Mama aus der Küche. Uli nimmt den Löffel. Ganz vorsichtig. Eine Ravioli liegt besonders nah am Tellerrand. Wahrscheinlich die mutigste. Oder die hungrigste. Uli stupst sie kurz an und zieht den Löffel schnell zurück. Nichts. Noch einmal. Nichts. Das muss gar nichts bedeuten. Wenn ein Löwe schläft, stupst man ihn ja auch nicht zweimal...
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Margret Bernreuther: Amaretto mit Sahne
„Letz fetz sprach der Frosch und sprang in den Ventilator“Der Aufkleber mit diesem markigen Spruch, klebte bei meinem Vater in der Küche an den Fliesen. Der aufgegeilte Frosch saß vor dem Ventilator und gierte erwartungsvoll nach seinem letzten Kick. Wir saßen in der Küche, die kaum genutzt wurde, denn wir wohnten hier schon länger nicht mehr. Und mein Vater ernährte sich ungesund und fraß mehr als häufig Magentabletten. Ohne die ging nichts. Ich betrachtete den Frosch und hörte, wie mein Vater die Tabletten aus der Verpackung drückte. Gleich eine handvoll hinein in die Goschen. Und dann mussten die zerbissen werden,...
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Theobald Fuchs: Ursuppenverkostung
Als der Forschungsantrag bewilligt worden war, suchte die Institutsleitung nach einer geeigneten Person, die das Projekt durchführen sollte. Die Wahl fiel auf mich. Ich dachte ja, dass man mich ausgesucht hatte, weil ich so schlau sei, weil ich den Ruf eines erfahrenen und geschickten Wissenschaftlers hätte oder einfach wegen meiner wirklich sehr schönen Wimpern. Aber nein. Ich bekam den Auftrag, weil ich als einziger am Lehrstuhl Gummistiefel besitze.Ende Juli fuhr ich also los und machte mich auf die Suche nach der Ursuppe. Nach jener schleimigen, stinkenden, brodelwarmen und mit organischen Molekülen gesättigten Brühe, aus der einer Hypothese nach alles organische...
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Simon Metz: Partysuppe
Das drittwichtigste Familienrezept das mir weitergegeben wurde ist mich eingeschlossen erst zwei Generationen alt. Das ist ein umständlicher Weg zu sagen, dass meine Mamer es entwickelt hat.Und geheim ist eigentlich nichts daran, es ist eine Abwandlung der Schmelzkäse Partysuppe, die wahrscheinlich früher in allen Magazinen beworben wurde, die nicht gerade Rezepte für eine neue Art der Diät mit Bezug auf einen Urlaubsort publiziert haben.Die erste Art der Abwandlung war, den Schmelzkäse durch Creme Fraiche zu ersetzen, was eine Änderung des Namens notwendig machte.Bis zu meiner Version gab es noch einige Änderungen, was die Suppe wahrscheinlich zu einem köstlichen Schiff des...
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Matt S. Bakausky: Suppe
Zwiebel, Buchstabennudeln, Karottenstücke und Sellerie. Mit heißem Wasser kochen. Jeder muss seine eigene Suppe auslöffeln. Aus Spaß wurde Ernst. Ernst ist jetzt 20 Jahre alt. Und er sagt: Meine Suppe ess ich nicht, meine Suppe ess ich nicht, wenn schon spuck ich sie dir ins Gesicht. Kein anderer Vater musste soetwas ertragen. Ich sitze hier im Waschsalon und denke an Suppe und meinen Sohn Ernst. Noch 28 vorbeifahrende Autos dann ist die Wäsche fertig. Kein anderer Bakausky hat soetwas ertragen müssen. Zwiebel, Buchstabennudeln, Karottenstücke und Sellerie. Mit Wasser aufkochen. Was hat sie gesagt? Meine Ideen sind ja ganz gut, nur...
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Matt S. Bauernhofsky: Luau
In einer alternativen Wirklichkeit lebe ich als Landwirt im Sternentautal. Ein Jahr arbeite ich auf das jährliche Luau im Sommer hin. Ich befreunde mich mit der Viehzüchterin Marnie und das nicht ohne Grund. Geschenk für Geschenk, Gespräch für Gespräch arbeite ich auf ein Ziel hin. Ich will Zugriff auf ihr Schlafgemach. Sobald ich dieses Vertrauen habe werde ich einen Gegenstand daraus entwenden. Die Lieblingsshorts von Bürgermeister Lewis. Denn beim nächsten Luau werde ich ihn vor dem Governor bloß stellen. Jeder feine Bürger des Sternentautals darf eine Zutat in die Suppe beim Luau geben. Und ich werde keinen feinen Wein oder...
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Katrin Rauch: Ville abbandonate
Wir sind in einer dicken, dunklen Suppe aus Wasser, Seife und mäßigen Schmerzen eingelegt. Sie hat exakt unserer Körpertemperatur. Wir spüren nicht, wie sie alle unsere Zwischenräume ausfüllt, wie sie jedes einzelne Haar umschließt zum Beispiel. Wie schon immer kommen uns unsere Haare in diesem Schwebezustand vor wie Seetang, ohne, dass wir wüssten, wie Seetang wirklich aussieht. Wir haben Seetang nie in echt gesehen, yet here we are, floating in a soup of soap and seaweed. Wir haben uns eingelegt in Wasser, Seife und mäßige Schmerzen, nachdem uns von innen her gegen die Hypodermis gepresst wurde, gegen das subkutane Fettgewebe,...
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David Telgin: Unsichtbar
Milchiges Schweigen,schwache Konturen Baumstümpfe,Geister Das Talvom Schleier verschluckt Im Augedie unsichtbare Welt.
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David Telgin: Buchstabensuppe
Suppemit Buchstaben Ein Zeichenfehlt für mich Ich suche,stochere In der Brüheschwappt keine Antwort.
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David Telgin: Versalzen
Versalzenungenießbar Zahlenim Minusbereich Kostenexplodieren In meiner Tascheschwindet das Geld Meine Hoseist zerschlissen.
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Christian Knieps: Ursuppe
vor dem wortwar das wur vor dem wurwar das ur und im urwar das suppnicht suppenur suppein bluppein schlappein sch dann:ploppein eiim neinein jaim schleimes zelltees teiltees eiltees weilte und plötzlichhatte etwaseinen randund hinter dem randstand einerund sagte:ich und das urdas suppdas bluppdas ganze altewarmgewesenesah hochund dachteoh neinschon wieder einer
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Christian Knieps: Es ist (nur) noch Suppe da
Der Brückentag hatte das Büro in eine eigentümliche Zwischenwelt verwandelt, in der weder gearbeitet noch wirklich frei gemacht wurde, sondern einige wenige Aufrechte ihre Anwesenheit durch geöffnete Tabellen und demonstrativ langsames Tippen rechtfertigten, während die Infrastruktur des Unternehmens bereits vollständig vor dem freien Vortag kapituliert hatte. Als Marco gegen halb eins mit jener kultivierten Gelassenheit, die er sich über Jahre aus Espresso, Hemden ohne sichtbare Marken und bewusstem Abstand zu allem entwickelt hatte, was nach einem Snack klang, zur Kantine ging, erwartete ihn ein Schild, dessen Tonfall beleidigend freundlich darauf hinwies, dass wegen des Brückentags geschlossen sei. Die zweite Kantine...
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Benjamin Weissinger: Suppe in der Nacht
Warum bist du dieSuppe in der Nacht.Wer hat dein schwarzes Wasserzum Leuchten gebracht.Ich bin die Gabelund du bist das Meer.Mein Kopf ist voll undmein Bauch ist leer.Du bist der Duft,Du bist der Gerechte.Topf der Suppen,Topf der Nächte See-Elefant äöäöäh
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Andreas Dietz: Einfalt am Waldesrand
Das Zirpen und das Tirilieren,das Unkenrufen und das Quaken,das Summen und das Musizieren,das Hoppeln und das Hakenschlagen.Am Waldesrande die verzücktenGesichter, diese ganz entrückten. Das Balzen und das aggressive,mit voller Inbrunst das Markierenvon Jagdrevieren und die tiefe,die Todesangst von Beutetieren.Am Waldesrande die bedrücktenGesichter, diese ganz missglückten.
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