Eisenbart und Meisendraht ist das Literaturvermittlungsmagazin für geschundene Seelen. Jeden Monat wird ein neues Thema von unserem Schriftsteller*innenpool beackert und hernach in Radiowellen (Z) transformiert, in den Pod geschmissen und hier im Internet kybernetisch in den space gepresst.
Diese Seite ist gut, denn sie bietet eine einwandfreie Möglichkeit, in allen Beiträgen herumzustöbern, die im Rahmen von EB&MD veröffentlicht worden sind.
Aktuelle Themen
Neue Textbeiträge
Theobald Fuchs: Ursuppenverkostung
Als der Forschungsantrag bewilligt worden war, suchte die Institutsleitung nach einer geeigneten Person, die das Projekt durchführen sollte. Die Wahl fiel auf mich. Ich dachte ja, dass man mich ausgesucht hatte, weil ich so schlau sei, weil ich den Ruf eines erfahrenen und geschickten Wissenschaftlers hätte oder einfach wegen meiner wirklich sehr schönen Wimpern. Aber nein. Ich bekam den Auftrag, weil ich als einziger am Lehrstuhl Gummistiefel besitze.Ende Juli fuhr ich also los und machte mich auf die Suche nach der Ursuppe. Nach jener schleimigen, stinkenden, brodelwarmen und mit organischen Molekülen gesättigten Brühe, aus der einer Hypothese nach alles organische...
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Simon Metz: Partysuppe
Das drittwichtigste Familienrezept das mir weitergegeben wurde ist mich eingeschlossen erst zwei Generationen alt. Das ist ein umständlicher Weg zu sagen, dass meine Mamer es entwickelt hat.Und geheim ist eigentlich nichts daran, es ist eine Abwandlung der Schmelzkäse Partysuppe, die wahrscheinlich früher in allen Magazinen beworben wurde, die nicht gerade Rezepte für eine neue Art der Diät mit Bezug auf einen Urlaubsort publiziert haben.Die erste Art der Abwandlung war, den Schmelzkäse durch Creme Fraiche zu ersetzen, was eine Änderung des Namens notwendig machte.Bis zu meiner Version gab es noch einige Änderungen, was die Suppe wahrscheinlich zu einem köstlichen Schiff des...
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Matt S. Bakausky: Suppe
Zwiebel, Buchstabennudeln, Karottenstücke und Sellerie. Mit heißem Wasser kochen. Jeder muss seine eigene Suppe auslöffeln. Aus Spaß wurde Ernst. Ernst ist jetzt 20 Jahre alt. Und er sagt: Meine Suppe ess ich nicht, meine Suppe ess ich nicht, wenn schon spuck ich sie dir ins Gesicht. Kein anderer Vater musste soetwas ertragen. Ich sitze hier im Waschsalon und denke an Suppe und meinen Sohn Ernst. Noch 28 vorbeifahrende Autos dann ist die Wäsche fertig. Kein anderer Bakausky hat soetwas ertragen müssen. Zwiebel, Buchstabennudeln, Karottenstücke und Sellerie. Mit Wasser aufkochen. Was hat sie gesagt? Meine Ideen sind ja ganz gut, nur...
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Matt S. Bauernhofsky: Luau
In einer alternativen Wirklichkeit lebe ich als Landwirt im Sternentautal. Ein Jahr arbeite ich auf das jährliche Luau im Sommer hin. Ich befreunde mich mit der Viehzüchterin Marnie und das nicht ohne Grund. Geschenk für Geschenk, Gespräch für Gespräch arbeite ich auf ein Ziel hin. Ich will Zugriff auf ihr Schlafgemach. Sobald ich dieses Vertrauen habe werde ich einen Gegenstand daraus entwenden. Die Lieblingsshorts von Bürgermeister Lewis. Denn beim nächsten Luau werde ich ihn vor dem Governor bloß stellen. Jeder feine Bürger des Sternentautals darf eine Zutat in die Suppe beim Luau geben. Und ich werde keinen feinen Wein oder...
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Katrin Rauch: Ville abbandonate
Wir sind in einer dicken, dunklen Suppe aus Wasser, Seife und mäßigen Schmerzen eingelegt. Sie hat exakt unserer Körpertemperatur. Wir spüren nicht, wie sie alle unsere Zwischenräume ausfüllt, wie sie jedes einzelne Haar umschließt zum Beispiel. Wie schon immer kommen uns unsere Haare in diesem Schwebezustand vor wie Seetang, ohne, dass wir wüssten, wie Seetang wirklich aussieht. Wir haben Seetang nie in echt gesehen, yet here we are, floating in a soup of soap and seaweed. Wir haben uns eingelegt in Wasser, Seife und mäßige Schmerzen, nachdem uns von innen her gegen die Hypodermis gepresst wurde, gegen das subkutane Fettgewebe,...
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David Telgin: Unsichtbar
Milchiges Schweigen,schwache Konturen Baumstümpfe,Geister Das Talvom Schleier verschluckt Im Augedie unsichtbare Welt.
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David Telgin: Buchstabensuppe
Suppemit Buchstaben Ein Zeichenfehlt für mich Ich suche,stochere In der Brüheschwappt keine Antwort.
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David Telgin: Versalzen
Versalzenungenießbar Zahlenim Minusbereich Kostenexplodieren In meiner Tascheschwindet das Geld Meine Hoseist zerschlissen.
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Christian Knieps: Ursuppe
vor dem wortwar das wur vor dem wurwar das ur und im urwar das suppnicht suppenur suppein bluppein schlappein sch dann:ploppein eiim neinein jaim schleimes zelltees teiltees eiltees weilte und plötzlichhatte etwaseinen randund hinter dem randstand einerund sagte:ich und das urdas suppdas bluppdas ganze altewarmgewesenesah hochund dachteoh neinschon wieder einer
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Christian Knieps: Es ist (nur) noch Suppe da
Der Brückentag hatte das Büro in eine eigentümliche Zwischenwelt verwandelt, in der weder gearbeitet noch wirklich frei gemacht wurde, sondern einige wenige Aufrechte ihre Anwesenheit durch geöffnete Tabellen und demonstrativ langsames Tippen rechtfertigten, während die Infrastruktur des Unternehmens bereits vollständig vor dem freien Vortag kapituliert hatte. Als Marco gegen halb eins mit jener kultivierten Gelassenheit, die er sich über Jahre aus Espresso, Hemden ohne sichtbare Marken und bewusstem Abstand zu allem entwickelt hatte, was nach einem Snack klang, zur Kantine ging, erwartete ihn ein Schild, dessen Tonfall beleidigend freundlich darauf hinwies, dass wegen des Brückentags geschlossen sei. Die zweite Kantine...
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Benjamin Weissinger: Suppe in der Nacht
Warum bist du dieSuppe in der Nacht.Wer hat dein schwarzes Wasserzum Leuchten gebracht.Ich bin die Gabelund du bist das Meer.Mein Kopf ist voll undmein Bauch ist leer.Du bist der Duft,Du bist der Gerechte.Topf der Suppen,Topf der Nächte See-Elefant äöäöäh
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Andreas Dietz: Einfalt am Waldesrand
Das Zirpen und das Tirilieren,das Unkenrufen und das Quaken,das Summen und das Musizieren,das Hoppeln und das Hakenschlagen.Am Waldesrande die verzücktenGesichter, diese ganz entrückten. Das Balzen und das aggressive,mit voller Inbrunst das Markierenvon Jagdrevieren und die tiefe,die Todesangst von Beutetieren.Am Waldesrande die bedrücktenGesichter, diese ganz missglückten.
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Andreas Prucker: Ein Rezept für das Leben
Ein Rezept für das Leben.So anstrengend es war, dies auch herzustellen,wird es doch leider ganz schnell verspeist.Wer es aß konnte nicht so recht sagen, was dies war.Der Geschmack kam erst später.Doch ab da gab es kein Leben mehr.Alles schon weg gegessenund das Rezept war vergessen.Derjenige der dies zubereitetekam aus der Zukunftund verschwand darin wiederals neue Gegenwartin ein für si
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Andreas Dietz: Auf dem Teller die Suppe
Nudeln fand er auf dem Teller,Möhrchen auch und grüne Schoten.Manches wurde aufgeboten.Langsam aß er und dann schneller. Mit dem Löffel angehoben,aufgeschöpft die Schweinebrocken,rausgefischt die Eierflocken.Und die Nudeln schwammen oben. Augen schauten mit viel Müheetwas trüb, sie sind vom Esser.And're Augen schauten besser,nämlich glänzend aus der Brühe.
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FD: Erlkönig
Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?Es ist die Mutter mit ihrem Kind;Sie hat den Knaben wohl in dem Arm,sie fasst ihn sicher, sie hält ihn warm. Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?Siehst, Mutter, du den Erlkönig nicht?Mein Sohn, zeig an, wo lockt er dir?Dort hinter'm Baum, gleich hier. „Du liebes Kind, komm geh mit mir!Gar schöne Spiele spiel' ich mit dir;Manch bunte Blumen sind an dem Strand,Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“ Meine Mutter, meine Mutter, hörest du nicht?Was Erlenkönig mir leise verspricht?Ich hör's, der hat wohl nicht mehr alle;Schau, wie ich ihm eine knalle!...
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Ferenc Liebig: Sie Sprossen einer Leiter
Existieren, das ist mutig in der heutigen Zeit, existieren, ohne die Augen zu verschließen, das könne nicht jeder, die meisten schaffen das nicht, die, die es nicht schaffen, versuchen sich abzulenken, in der Ablenkung geschieht das Nichtexistieren. Ein befreundeter Dichter sagte, ich hätte gerne einen Körper aus Buchstaben. Ich fragte ihn, ob er bestimmte Buchstaben bevorzuge. Natürlich, A,T, C und G. It’s in my DNA. Er überschlug sich vor Lachen. Das wäre so gut. Das müsse er aufschreiben. TAG C. CAT G. Er fabrizierte neue Wörter. Ich sagte, er sehe so glücklich aus. Ich fragte, ob ich ihm einen Spiegel...
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David Telgin: Wald sein
Wald sein Atmenund wachsen Wald sein Sich aufbäumenund frei sein Wald sein Und sonst nichts.
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David Telgin: Waldlunge
Für jeden Steinein Baum Bald wächstein Wald Für jede Lungeatmet der Wald.
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David Telgin: Kahlschläge
Zerstörte Landschaftübersät von Kahlschlägenund Kraternarben Hier wareinmal der Wald Baumstümpfe und Reste,totes Gestrüpp Traurigkeit,die in mir wächst Hier wareinmal ein Wald Die letzten Bäume In den Wipfelnblättert der Tod.
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David Telgin: Innenwald
Im Waldunter Bäumen,komme ichmir selbst entgegen Mein Rückenist grün bemoost Überwuchertvon Farngewächsen In den Wipfelnrascheln die Blätter Ich dufte nach Harzund Nadeln Wilde Himbeerenwachsen in mir Ein Spechtklopft an meinen Bauch Ich atme Wald.
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