Eisenbart und Meisendraht ist das Literaturvermittlungsmagazin für geschundene Seelen. Jeden Monat wird ein neues Thema von unserem Schriftsteller*innenpool beackert und hernach in Radiowellen (Z) transformiert, in den Pod geschmissen und hier im Internet kybernetisch in den space gepresst.
Diese Seite ist gut, denn sie bietet eine einwandfreie Möglichkeit, in allen Beiträgen herumzustöbern, die im Rahmen von EB&MD veröffentlicht worden sind.
Aktuelle Themen
Neue Textbeiträge
FD: Dialeggd
Ein Unsinnsgedicht Damid ham'mer ned gereschneddass de Dialeggt sisch so halde wüdde Da hör'n mer dem Kind zuwie's brabbelt und babbeltden Ludscher im Mundden Ball um de Disch rum dotzddie babbische Händeam Dischduch abwischdmit große Auge zum Vadder gucktden Mund aufsperrt und sprischd: Dem Paul sei Babba had sisch au ned so uffgereschtDes mit dem Schreibe is hald gar ned so leischdDie Wödder klinge so und schreibe sisch ganz annersWie soll des denn einer verstehe? Des mit dem Dialeggt, des rafft doch wigglisch keinerAba spädestens wenn des Kind ald genuch isvon de Schul zur Uni zu gehedann is de Dialeggt...
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David Telgin: Su schwädzemer
(So sprechen wir) Oma,die sprach es Und die Mutterverstand es Doch ich kennenur noch wenige Wörter Dialekt,der verschwindet. Su schwädzemerauf Hochdeutsch.
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David Telgin: Sprachgrenze
"Ich chume us Dütschland"sagte erauf Schwiizerdütsch Nach Jahrenin der Schweiz Er sprachfast fließend Dialekt Doch er bliebein Fremder.
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David Telgin: Mund-Art
In Berlinkaufte ichein paar Schrippen In der Pfalzen Weck Und in Kölne paar Brötcher Die schmeckten Ich aß siealle weg Die Dialekteknusperten Noch langeim Ohr.
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Christian Knieps: Die Grumbeere
Wenn man in der Eifel aufwächst oder auch nur lange genug dort verweilt, um nicht mehr nur Besucher, sondern Teil einer kratzigen, widerständigen Sprachlandschaft zu werden, dann bemerkt man irgendwann, oft erst beiläufig und dann mit wachsender Zuneigung, dass die Kartoffel dort nicht einfach Kartoffel heißt, sondern Grumbeere, ein Wort, das wie ein Fundstück aus einer älteren Erdschicht der Sprache wirkt, rau, rund, ein wenig verschroben, und doch so selbstverständlich im Mund derer liegt, die es benutzen, als habe es nie etwas anderes gegeben, als sei es immer schon genau dieses Wort gewesen, das zwischen Acker und Küche, zwischen Keller...
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David Telgin: Luxus I
Der Luxussteigt Die Wertesinken Die Ungerechtigkeitschreit Die Weltist am stinken.
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Christian Knieps: Luxus
Wie raumgreifend kann Luxus sein?Wenn man nur begrenzte Mittel zur Verfügung hat,Seine Familie ernährt,Vielleicht einmal im Jahr in Urlaub fährt,Seine Rechnungen bezahlt, pünktlich,Wenn man versucht,Den gesellschaftlichen Regeln zu folgen,Sauber zu bleiben,Dann ist Luxus anders definiert alsFür diejenigen, Die Luxus täglich haben,Die ein Luxusleben führen,Die den Luxus nicht mehr als Luxus empfinden,Sondern als Normalität.Ist dann noch Luxus Luxus?Wie hoch ist die Fallhöhe?
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Matt S. Bakausky: Fett
Diese Geschichte ist mit Fett geschrieben. Sie handelt von Vergänglichkeit und zersetzt sich mit der Zeit von selbst. Ich bin ein Stück Fett. Ich mache Dinge die ein Stück Fett tut. Faul in der Ecke sitzen und verranzen. Ich hinterlasse Fettflecken wo hin ich auch gehe. Ich schäme mich kein Meter weit für meine Existenz. Ich bin keine Kunst, ich kann weg. Ich bin manchmal traurig, dass nicht mehr aus mir geworden ist. Vorallem wenn die Leute kommentieren: Schaut euch mal dieses eklige Stück Fett an. Aber was soll’s traurig hin; traurig her. Es ändert nichts an meinem innersten Sein....
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David Telgin: White Paintings
White Paintingsvon Rauschenberg 7 weiße Leinwändeund keine Farbe Nur Weiß Das im Tageslichtunterschiedlich wirkt Mit den Schattenvon den Besuchern.
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David Telgin: TV-Buddha
Nam June Paik (1974) Buddha,der sich selbst sieht Vordem Fernseher Videoinstallation Ein Kreislaufder nicht aufhört Im SpiegelIm Fernseher Du selbst.
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Bastian Kienitz: SOL
im Augenblick zählt das Licht, die Sekundenverlangsamen sich auf dem Flächenquadratin einem Raum zu dem Raum voller Größeden deine Augen schlussendlich erfassen hier rückt das Bild von dir selbst in das nächstegekritzelte Stück deiner Schaffenskraftwo deine Sonne kein Licht mehr benötigtbist du bereits bei dir selbst und ganz nackt für das gefrorene Meer, das von außensetzt du den Fluss in Natté weiter abund mischst den Malstift zum Grau dieser Wüste die uns umringt, jetzt wirkst du sentimentalund klopfst an die Tür, der Tür deines Herzensmit dem du fliegst, wenn du losgelöst bist
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David Telgin: John Cage 4’33
Musikstückin 3 Sätzen Avantgarde 4 Minutenund 33 Sekunden Kein einziger Ton Nur Stille Im schalldichten Raum,die zufälligen Geräusche Das Publikum,das sich selbst hört Stille,die spricht.
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Christian Knieps: Fluxus – der fließende Widerspruch
Die wichtigsten Komponenten von Fluxus Fluxus war weniger eine Stilrichtung als ein radikales Konzept von Kunst, das in den frühen 1960er-Jahren die Trennung zwischen Kunst und Leben auflösen wollte: Alles konnte Kunst sein, jeder konnte Künstler sein – und entscheidend war nicht das Werk, sondern die Handlung, das Momenthafte, gar das Flüchtige. Statt Gemälden oder Skulpturen schuf man Aktionen, kurze Performances, sogenannte „Events“, oft mit banalen Objekten, oft mit ironischer Geste – antikommerziell, antielitär und zudem antiautoritär. Interdisziplinär und intermedial verband Fluxus Musik, Theater, Sprache, Objektkunst und Alltagshandlungen, wobei nicht das Ergebnis, sondern der Prozess – das Tun selbst –...
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Bastian Kienitz: TAUROMAQUIA DE NAVAS DEL MADRANO
(dt. Stierkampf von Navas del Madrano) der rote Mond auf deinen leisen Lippenist eine Sonne bruchscharf schräg am Felldu hast mich ausgeweidet, leergetrunkenim ersten Akt der Szene wunder Punkt Beton gerührt und Kreide ausgegossenmit Öl gemischt und schwarzem Brückenteerder auseinanderbrach als wir Staub schlucktenim roten Regen alter Winterschwäche jetzt taut man auf und schwitzt schweißbadend Lungeim Happening Electric De‘-coll/ageder Adler fliegt die Sense | Katastrophe Raum contra Müll und Schnee, der leider fehltum eine Abfahrt in das Licht zu wagen:mors certa, Tod an einem Nachmittag…
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Bastian Kienitz: 7000 Eichen
Flu wie fluide Mauern, die durchbrechenden Stadtpark in zwei Hälften: Raum und Zeitdas Wachstum in den Mittelpunkt zu rückenich denke an Natur und fühl mich frei den Baum als erstes in mein Herz zu schließenklopft tropfend Regen durch den Blätterwaldund Wundersamen: Worte, die mir fehlen!wenn alles Naturell natürlich bleibt es war einmal ein Flügel, der jetzt krachtbis er die Flügel FLUXUS wiederfindetTon wird geschliffen, bis dort nichts mehr ist als Staub, Flut und Gezeiten in der Kunstsich selbst entfesselt weiter zu bewegen:ein Satz führt dieses Haiku ins Gebet…
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Andreas Prucker: Luxus oder Fluxus
Bodega = bin oft dumm ein großer Arsch.Ich muss ja nur noch mich ernähren.Oh Mensch und Gewalt, im Index deiner Gefühle.Trägst nun High Heels für Statuserweiterungenund bist befreiter vom evolutionären Programm.Nur dein Schubladendenken raubt dir dieses freie sein,da wir uns ja alle selbst darin sprachlich bewusst hinein zwängen,wie man als Mensch mit Luxusproblemen zu sein hat.Sozial diffamierend und in Spenden Gewalt kaschierend.Was man an humaner Selbsternährung halt so braucht.Ich habe jetzt ein Punkt für ein genaues auftreten erreichtund politisch geistig glaube ich falsch gewählt,königliches fatalistisches rettet mich.Doch leider.Bin oft dumm ein großer Arsch.
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Jasper Nicolaisen: Grönland
Ich bekräftige meinen anspruchauf grönlanddie bergeden schneedie sprachedie schlecht gelaunten einwohnerden brennenden himmelam morgendie lageauf dem wegvon beinahe überallnach so gut wie nirgendsdas trotzige verschwindenbjörkdie heißen quellenfünfzig poetenauf hunderttausend einwohnerdie fleischklößchen im möbelhausich beanspruche es sehrich bin die seltenste aller erdenich lege mich überall hinich entdecke auf langbooten amerikaich exportiere töpferwarenbis nach indienich habe die höchste depressionsrate der weltich habe einen eigenen tangogrönland grönlandüber allesüber alles in der weltblüh im glanze meines glückeskleines grönlandich verlange nicht vielnur einen der unwichtigeren nobelpreisevielleicht medizinich bin ein passabler herzchirurgoder wirtschaftcome onkönigliche akademievon grönland *atombombengeräusche* https://archive.org/details/j-nicolaisen-gronland
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Katrin Rauch: Im Tunnel, an der Tafel, auf zwei Stühlen, die einzigen Gäste.
Ein kleines Stück gewölbter Tunnel, kaum dreißig Meter lang, kaum vier Meter breit, kopfsteinern gepflastert, erstreckt sich im schummrigen, warmen Licht beklebter Leuchtstofflampen. Hie und da bahnt sich Gras durch die harten Flächen, so auch neben einem von vier Tischbeinen einer langen Tafel, bald sechs Meter lang, bald zwei Meter breit, mitten im Raum wie sorgfältig platziert, ein enormer Tisch aus massivem Holz, schlichte Stühle, einfach, bescheiden, zu wenige für die viele Fläche, zu viele für die wenigen Gäste, als Rahmen, nur zwei darunter besetzt, einander zugewandt.Ein weiter Raum geknüpfter Gefühle, bald drei Dekaden lang, bald ein Leben breit, schaf-...
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Jenny Schon: Manchmal habe ich Angst
Schütze mein Gesichtvor den Gedankender anderendie mit Zeitgeist spuckenkleben dir Zeitenwendeans Hemd das einTotenhemd wird Ungefragtnehmen sie deine Zeitund stecken sie indie Waschmaschineder Meinungsmacheherauskommtmainstreamsie sagendu bist einverstanden und schon schreibenHistoriker Bücher
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