Eisenbart und Meisendraht ist das Literaturvermittlungsmagazin für geschundene Seelen. Jeden Monat wird ein neues Thema von unserem Schriftsteller*innenpool beackert und hernach in Radiowellen (Z) transformiert, in den Pod geschmissen und hier im Internet kybernetisch in den space gepresst.
Diese Seite ist gut, denn sie bietet eine einwandfreie Möglichkeit, in allen Beiträgen herumzustöbern, die im Rahmen von EB&MD veröffentlicht worden sind.
Aktuelle Themen
Neue Textbeiträge
Lea Schlenker: Im Internet
Du hast etwas gesagtim Internetwas ich dir nicht glaubedas wäre ja der Wahnsinnwürde das stimmenIch werde jetzt also kommenum dich zu jagen Ich möchte einen Stempelfür die Wahrheit erfindenund ich möchtedass eine Lüge ein bisschen was kostetdass jedes Mal, wenn jemand etwaszweideutiges sagtirgendwo am Straßenrandeine reife Melone platzt Du hast etwas gesagtim InternetIch akzeptiere deine Meinungaber du liegst falsches stimmt gar nichtdass im WinterAprikosensaison istund Tintenfische das doppeltewie ein Mensch wiegendas Meer ist salzigund die Erde ebenso Überall auf der Weltsickerte in den Böden der Straßen der Städteschon Blut durchdass nun vertrocknet unter den Tramlinien stecktBlut von Menschen wie du...
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Julia Eckert: Der Drache steigt
So unfassbar leicht verbundenNichts bleibt mehr auf DistanzBilderfluten auf trockene AugenBleibt der Datenstrom unerfassbarFlimmerunruhe vor dem MonitorGedoppelter Bildschirm eine neue Art von RastlosigkeitRückt Fernsehen viele Stückchen fernerDrähte fangen langsam an zu schlafenAns Kabel MäuschenWas bindet so wie onlinePunkt Punkt Komma StrichDer windfarbene FadenHält die ins Netz GegangenenVerhilft ihnen zum virtuellen Höhenflug
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David Telgin: On-und Offline
Onlineauf Linie getrimmt Onlineverschlingt Onlinenimmt Offlineausschreien Offlinesein Offlineohne Schein.
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David Telgin: In den Gräsern
Ich will nichtim Internetmüde versinken In den Foren,wo Bilder rauschen Neue Daten,Ströme Sondernin den Gräsernder Poesie weiden Lesen,Lauschenund Fühlen Worte steigen auf,Zeilen wachsen Wenn der Tagan mir vorüberzieht.
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David Telgin: Ach, Computer
Du rennstmir davon Blitzschnelldein Gleiten In den Wellendeiner Flut Ich kommenicht hinterher Ach, ComputerSternenhimmelund doch rätselhaft Wo steuerst
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Christian Knieps: Die eine Freiheit
Archiv der Europäischen Morgenpost – Ausgabe vom 17. Oktober 2034: Sechs Jahre nach der großen Registrierung: Wie das freie Internet verschwand Es ist inzwischen schwer, sich daran zu erinnern, wie es einmal war. Schwer nicht, weil die Zeit so weit entfernt wäre – sechs Jahre sind historisch gesehen kaum mehr als ein Atemzug –, sondern weil die Veränderung so vollständig war, dass das alte Internet heute fast wie eine Legende wirkt, wie eine jener Geschichten aus den frühen Tagen der Elektrizität oder des Automobils, als alles neu, ungeordnet und zugleich voller Möglichkeiten war.Bis zum Frühjahr 2028 galt das Internet in...
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Bastian Kienitz: Utopia
so zwischenMond & aufgelesen träumenwir uns dieWelt schönwie sie scheint mit demLicht Ersatzund künstlicher Wärme
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Bastian Kienitz: Tunnelpfad 2.0
im Krampf der Nerven zuckenAktionspotenziale FEUER der tausendfachen Reizverstärkunginmitten eines kleinen Universums:arbeiten / lernen / arbeiten die Kanäle sind ein Tor zur Weltdigitalisiert [on off on off] so wird die Festplatte gebootetmorgens um sieben Uhr aufgestanden undabends umso schneller eingeschlafen ein Tag hat 24h im ewigen Delirium des Koffeinrauschesund wieder denken wir an Zeitvertreib bis die Blockade einer Synapseein letztes Gewitter vergiftet [Natrium/Kalium] pumpt durch die Venenstößt aneinander im Gleichgewicht welches wirzu halten versuchen diskutieren über Kurvenlagenund funktionieren wie Roboterim Tunnelrausch: GAME OVER!
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Matt S. Bakausky: WAREZ
Ich surfe im Internet mit 10.000 Gigabit pro Sekunde. Den neuen Tarantino in 4k im DIVX Format lade ich in 20 Millisekunden herunter. Anschauen werde ich ihn nicht, ist ja Schund. Aber sammeln macht Spaß. Ich habe 240 Tabs im Browser offen, zwischen denen ich hin und her wechsle. Ich bin Profi. GTA6 lade ich in 0,4 Sekunden herunter. Zocken werde ich es nicht, ist ja Schund. Ich habe 240 Terabyte HDD Speicher und 32 Terabyte SSD Speicher. Ich nenne den Rechner nur: Die Maschine. Die Maschine lädt und lädt, es wird gesammelt. Ich bin Sammler und nicht Jäger. Quake...
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Bastian Kienitz: Einflugschneise
V. FormationComputer Angriff zwischengesicherten Daten phishenfalsche Vögel im Trüben
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Bakausky: Schlafeinkäufe im Netz
Kurz vor dem Schlafen gehen nehmen ich eine Tablette Zolpidem ein. Auf Amerikanisch heißt dieses Schlafmittel Ambien. Dann scrolle ich durch einschlägige Social Media Netzwerke. Dabei kann ich mich dann total für die sonst langweilige Werbung faszinieren. Realistische Gummi-Masken in Filmset-Qualität von Alien und alter, weißer Mann - rein damit in den Warenkorb. Nahrungsergänzungsmittel als Gummibärchen - bestellt. Kondome mit meinem Logo bedruckt - muss ich haben. Ob mein Gehirn sich zwischen wach- und Traumzustand befindet, darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht. Zu den Nebenwirkungen der Tablette gehört “Beeinträchtigtes Denkvermögen: Verringert die Aufmerksamkeit, trübt das Urteilsvermögen und verlangsamt die...
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Alexander Rachmann: Internetwahrheitwalzer
Alexander Rachmann: Internetwahrheitwalzerpiep - still - still, piep - piep - piep, piep - still - stillKRRSCH - di - da, KRRSCH - di - da, Lei - tung - frei!pi - IING - bu, pi - IING - bu, Trä - ger - tonIING - still - still, IING - still - still, bin - ich - daKRRSCH - di - da, KRRSCH - di - da, Lei - tung - frei!wi - wi - wi, wi - wi - wi, rauscht - her - bei!tsi - tsi - tsi, bu - IING - bu, Trä - ger - tonmmm - MMM - mm, tschiii - ing - ing, bin - ich - schonver -...
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Andreas Dietz: Die Seelenfresser
Sie leuchten sehr schick,sind bindend und bunt.Sie sind nicht gesund,doch geben den Kick. Sie fressen die Zeit,sie fressen den Geist,sie fressen ganz dreistdie Aufmerksamkeit. Sie fressen Verstand,sie fressen Kritik,den kritischen Blick,sofern noch bekannt. Sie fressen das Geld,sie fressen den Strom.Globales Syndrom:sie fressen die Welt. Es waren mal frei:die Seele, das Kind.Sie fressen's geschwind.Sie sind Tyrannei.
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Carsten Stephan: Mit Bleyweis vermiſchet und allerley angelegt
Vermiſchet man den Zinnobergebuͤhrender maſſen mit Bleyweis,ſo giebt er eine Leib-Farbe, und werden damit angelegt allerhandnackende Bilder, alle Berge,Waͤlder und Schloͤſſer, ſo in der Ferne liegen, auch allerleyrothbleiche Luft. Vermiſcht man den Indig mit etwasBleyweis, ſo kan man allerhandblaulichte Tuͤcher, Harniſche, blaue Wein-Beere, dunckel-blaueKleider, Wolcken und Blumendamit anlegen und ausſchattiren. Macht man ihn aber noch hellerund ſetzt noch mehr Bleyweis dazu,ſo wird damit allerley hell-blaue Luft, die Berge, ſo in der Ferneliegen, allerley hell-blaue Blumen,das Waſſer, hell-blaue Kleider, Schiefer-Daͤcher und dergleichenDinge mehr angelegt. Es werden mit dem Lac, wenn ermit etwas Bleyweis vermenget,allerley Kleidungen, die roͤthlichten Wein-Beere, die rothen Striche...
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Lydia Waldhoer: Ich weiß auch nicht was hier passiert
Variante A: Variante B: Alle Farben des Regenbogens rund um mein Auge. Rot, blau, violett, dann gelb, grünlich, ein bisschen orange und rosa. Ein wenig geschwollen auch, die Kruste dunkelbraun und wulstig. Die Pupille rot, ja ROT, wie ich sie noch nie gesehen habe. Wunderschön, sag ich dir; WUNDERSCHÖN, so hast du sie noch nie gesehen. Ich habe sie auch noch nie gesehen und wundere mich, dass das überhaupt möglich ist. Wer ist sie? Was macht sie? Woher kenne ich sie nochmal? Kenne ich sie überhaupt? Ich sehe sie und frage mich das alles, zusätzlich zu meinem Regenbogenauge. Sie wandert...
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Andreas Dietz: Die Farben
Variante A: Variaten B: Das Grün, das tiefe dunkle und das helle,das sanfte weiche, und auf alle Fälledas Indigo und das Orange, so fruchtigdas Orange, und dann gewaltig wuchtigauch das Blau, das kalte und das harte,das schwere Blau sowie das leichte, warte,auch das Rot, so innig warm und dann so heiß,das Pink, das Rosa, fein, ganz süß, dann Weiß,und dann das Gelb, so hell das Gelb, so sonnig,so luftig und so ölig und so wonnig,ach, und dann das Lila und das Violett,das Cyan, das Türkis, die sind adrett,am Ende Grau, so sachlich trüb, und Schwarz,jawohl, sogar das Schwarz kommt in...
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David Telgin: Apollofalter
Mein Körperist hellgrauund hat haarige Schuppen Schwarzeund rote Augenfleckenauf weißen Flügeln Ich fliegeüber Terrassen hinweg Meine Flügelein leichtes Vibrieren Am Steilhangder Vergänglichkeit Feine Tupferin der grünen Landschaft.
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David Telgin: Einladung der Räume
Blaue Wändespielen Ornamentespiegeln sich im Auge In der roten Vaseleuchten gelbe Ringelblumen Farbe,die den Atem hält Tanzende Figuren Räume,die uns ansehen,bevor wir sie betrachten.
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Christian Knieps: Goethes farbige Weltliteratur
Goethe, der große Selbstbeobachter unter den Dichtern, betrachtete die Welt nie als eine bloße Ansammlung von Dingen, sondern als ein vibrierendes Gewebe von Erscheinungen, in dem sich Farben, Gedanken und Geschichten ineinander verschränkten, als gehörten sie einem einzigen, noch immer unvollständig verstandenen Organismus an, der sich durch die Jahrhunderte hindurch in immer neuen Formen artikuliert.Wer seine „Farbenlehre“ aufschlägt, begegnet deshalb nicht nur einer naturwissenschaftlichen Abhandlung, sondern einem merkwürdig hybriden Werk, das zugleich Experiment, ästhetisches Manifest und philosophische Meditation ist, weil Goethe überzeugt war, dass die Wirklichkeit erst dort vollständig erscheint, wo Sinneseindruck, Reflexion und Sprache miteinander kooperieren, statt sich gegenseitig...
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Julia Eckert: Rotglühen
Unverzagt eruptives Glühen aus heißbegehrter MitteIn sich entziehender Hingabe mehr als ein Schatten des FeuersVerweist es auf ihren fluiden Kern auf ihre lebendige EssenzGeronnene Splitter und zerfließende GanzheitDas beruhigende Wissen des Funkens in sich tragend Jenes Aufflammen mit eigenem Willen jederzeit noch einmal entfachen zu könnenUnd immer wieder nur in vollem Einklang mit sich selbst aus dem Zentrum herausBefreiende Wärme zu stiften ohne sich zu verzehren Nur Anfänge Lichter aus reiner Fülle geborenDie stolze Energie zukünftiger Fontänen mit geheimer Schnur nährendEine Kette in ihrer Entfaltung Ordnung selbstFreiheit generierend ab dem Moment der Ausbreitung nicht mehr aufzuhaltenZukünftiges Rot grüßt trotzig emporsteigende...
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