Christian Knieps: Die Grumbeere


Wenn man in der Eifel aufwächst oder auch nur lange genug dort verweilt, um nicht mehr nur Besucher, sondern Teil einer kratzigen, widerständigen Sprachlandschaft zu werden, dann bemerkt man irgendwann, oft erst beiläufig und dann mit wachsender Zuneigung, dass die Kartoffel dort nicht einfach Kartoffel heißt, sondern Grumbeere, ein Wort, das wie ein Fundstück aus einer älteren Erdschicht der Sprache wirkt, rau, rund, ein wenig verschroben, und doch so selbstverständlich im Mund derer liegt, die es benutzen, als habe es nie etwas anderes gegeben, als sei es immer schon genau dieses Wort gewesen, das zwischen Acker und Küche, zwischen Keller und Kochtopf, zwischen Kindheit und Erinnerung hin und her wanderte und dabei eine leise, aber beharrliche Identität formte, die sich nicht aus großen Erzählungen speist, sondern aus der täglichen Wiederholung kleiner, scheinbar unbedeutender Benennungen.
Denn Dialekt, und das zeigt sich an kaum einem Gegenstand so deutlich wie an der Kartoffel, ist weniger eine Abweichung vom Hochdeutschen als vielmehr ein Gedächtnis der Regionen, ein Speicher aus Lauten, Bildern und Bedeutungen, in dem sich Klima, Boden, Geschichte und soziale Nähe abgelagert haben, sodass die Grumbeere in der Eifel nicht nur eine Knolle bezeichnet, sondern zugleich die Erinnerung an steinige Felder, an mühseliges Auflesen, an Vorratskeller, in denen der Winter wie Erde und Keimlingen roch, und an Küchen, in denen einfache Gerichte den Rhythmus des Jahres mitvollzogen, während in anderen Gegenden Deutschlands, etwa wenn von Erdapfel, Grundbirne, Potaten oder Knollen gesprochen wird, jeweils andere Landschaften, andere Arbeitsweisen und andere kulturelle Selbstverständlichkeiten in die Sprache eingesickert sind, ohne dass man sie noch eigens benennen müsste.
So wird die Kartoffel, dieses unscheinbare, globale, millionenfach reproduzierte Nahrungsmittel, im Dialekt plötzlich wieder lokal, verletzlich, ortsbezogen eigen, weil sie ihren industriellen Namen verliert und stattdessen in eine Wortform schlüpft, die nicht aus dem Lateinischen oder Französischen stammt, sondern aus dem Mundwerkzeug einfacher Leute, die tastend, hörend, erlebend und verformend ein Wort an ihre eigene Wirklichkeit angepasst haben, bis aus der fernen patata eine Grumbeere werden konnte, deren Klang schon das Unregelmäßige, Erdige und Unperfekte in sich trägt, sodass man beim Aussprechen beinahe meint, die schiefe Form der Knolle selbst auf der Zunge zu spüren und die leichte Sprödigkeit der Schale zwischen den Zähnen zu hören.
Interessant ist dabei weniger die etymologische Korrektheit dieser Wörter als ihre emotionale Topografie, denn wer Grumbeere sagt, sagt fast immer mehr als nur Kartoffel, er sagt Kindheit, Herkunft, Zugehörigkeit, und er sagt es oft ohne sich dessen bewusst zu sein, während der Hochdeutschsprechende zwar verstanden wird, aber doch immer ein wenig wie ein Besucher klingt, der den Ort korrekt beschreibt, ohne seine Gerüche zu kennen, sodass sich im Dialektwort eine soziale Nähe bündelt, die nicht argumentiert, sondern voraussetzt, die nicht erklärt, sondern einlädt, und die in einem scheinbar banalen Substantiv einen ganzen Mikrokosmos von Erfahrungen aufruft, der sich gegen Vereinheitlichung sperrt, gerade weil er so unspektakulär daherkommt.
Vielleicht liegt darin auch die stille Widerständigkeit der Dialekte, dass sie nicht in Manifesten auftreten, sondern in Küchengesprächen, nicht in Parolen, sondern in Einkaufszetteln, auf denen Grumbeere steht, wo Kartoffeln gemeint sind, und dass sie gerade dadurch den globalen Tendenzen zur sprachlichen Glättung etwas entgegensetzen, das nicht donnernd, aber beharrlich ist, weil jedes Kind, das dieses Wort hört und übernimmt, eine kleine Linie der Kontinuität weiterzieht, ohne es zu merken, und damit eine Form von kulturellem Gedächtnis stabilisiert, die nicht archiviert, jedoch gelebt wird, die nicht bewahrt, sondern benutzt wird, und die gerade im täglichen Gebrauch ihre Legitimation findet.
Am Ende zeigt die Grumbeere, wie sehr Dialekt weniger ein Sonderfall der Sprache als ihre eigentliche lokale Basis ist, denn hier wird nicht normiert, sondern geformt, nicht verwaltet, sondern ausprobiert, und während das Hochdeutsche die Kartoffel in ein überregionales System einordnet, das Verständigung ermöglicht, aber Eigenheiten nivelliert, hält der Dialekt sie fest in einem Netz aus Lauten, das so eng mit Ort und Alltag verknüpft ist, dass man die Knolle kaum nennen kann, ohne unbewusst auch die Landschaft mitzubenennen, aus der sie stammt, sodass jedes Dialektwort letztlich ein kleines Archiv der Welt ist, in der es entstanden ist, und die Grumbeere damit nicht weniger als ein essbarer Beweis dafür wird, dass Sprache immer auch Boden unter den Füßen ist.

Christian Knieps: Gon

Allister McAllister bekam an einem sonnigen Mainachmittag ein Päckchen zugestellt, in dem er ein schmales Heftchen fand – wenn man es denn so nennen möchte, da es kaum mehr als eine lose Blattsammlung zwischen zwei alternden Klappdeckeln war –, und kaum, dass er die oberste Seite des Textes auch nur zu lesen begonnen hatte, war er in einer Welt gefangen, die ihn Zeit seines Lebens nicht mehr loslassen sollte: Gon.
Noch nie zuvor in seinem Leben hatte Allister McAllister von diesem Wort gehört, nicht mal in seiner Arbeit als Historiker war ihm dieses Wort untergekommen. Doch nun lag es vor ihm, und mit jeder Seite, die er verschlang, drang er tiefer und tiefer in die Welt des Gon ein, bahnte sich einen Weg durch das tiefe Wesen dieses einen Wortes und gelangte auf die andere Seite, weit entfernt von der hiesigen Welt der Gelehrsamkeit, weit entfernt von der heutigen Welt der Allwissenheit durch das Internet. Er befand sich auf der anderen Seite der Welt, ganz gleich, von wo er aus seinen Ursprungspunkt festlegte.
Dort, auf einer scheinbaren Insel, landete Allister McAllister am Strand, an dem das sanfte Meer anbrandete, und mit jedem Schritt wurde der Sand fester und fester, und als er den ersten leichten Hügel erklommen hatte, sah er in eine vor ihm liegende, geschützte Ebene voller Fruchtbarkeit hinein, durch die trotz des dichten Urwalds eine kleine Straße wand, die nur von Menschenhand angelegt worden sein konnte. Das Urvertrauen in seinen Körper spürend, ging er einige Schritte voran, den leichten Hügel hinab, und erreichte die Straße. Sich nach allen Seiten umblickend, wunderte er sich, dass er hinter sich das Meer nicht mehr hörte, sondern nichts; es herrschte vollkommene Stille.
Er war jetzt ein Wa, ein Lehrling des Gon, die Stufe, in der die Menschen beginnen, sich über die Welt im Allgemeinen und ihre Umwelt im Speziellen zu wundern. Die kleinen Dinge beginnen aufzufallen, nicht die großen, weltbewegenden, sondern die Nuancen, die Schattierungen, und nicht selten fällt es dem Einzelnen schwer, sich gerade auf diese Details zu konzentrieren, insbesondere, wenn er aus einer Welt kam, in der das große Ganze das Allheilmittel jeden Zusammenhangs zu sein scheint.
Plötzlich spürte er auch, trotz seines festen Schuhwerks, den sandigen Boden unter seinen Füßen, vernahm Unebenheiten und kleine Einsenkungen, begann, einzelne Sandkörner zu spüren, und hätte sich vielleicht sogar in diesem Spüren verloren, wenn er nicht aufgemerkt hätte. Er sah auf und vor sich jene Straße, die nun nicht mehr unendlich tief in den weiten Urwald führte, sondern einer Linienstruktur folgte, die zwar nicht symmetrisch, aber auf ihre Weise rhythmisch war.
Allister McAllister blieb stehen, um die neue Entwicklung zu verstehen, denn es lag in seinem Wesen, die Dinge in seiner Umgebung nachzuvollziehen und zur Gänze verstehen zu wollen. Daher war er an die Universität gegangen und dort geblieben, hatte sich stets dafür interessiert, was hinter der nächsten Frage steckt, die man stellen kann, solange zu einem bestimmten Thema, bis alle Fragen geklärt sind – auch wenn er selbst wusste, dass dieser Zustand niemals erreicht würde –, aber was macht das schon, solange man sich versucht, auf dieses Ziel hinzubewegen?
Doch hier, auf dieser Insel, hinter sich die Brandung, unter sich die einzelnen Sandkörner, vor sich die unrhythmisch rhythmische Straße durch den Urwald, der dann doch kein Urwald war, schien es keine Fragen mehr zu geben; es war ganz, als ob die Fragen hier, an diesem einsamen Ort auf der Welt – war er noch auf dieser Welt? – ein Ende finden. Hier finden alle Fragen ein Ende! Das dachte Allister McAllister und ging mit einem weiten Schritt in Richtung des Herzens der Insel, sah mit jedem weiteren Schritt, wie die sich unrhythmisch rhythmisch schlingende Straße sich geradezog, wenn er dorthin kam, und er ging und ging weiter fort, tief hinein in den Urwald, der zu einem lichten Wald wurde, dann zu einer Allee, und schließlich, als nur noch eine gerade Linie von Bäumen eine unendlich scheinende, gerade Straße säumte, da vernahm er mit einem Mal eine Melodie in seinem Ohr. Diese Melodie war ihm völlig unbekannt, so etwas hatte er noch nie gehört, und just in dem Moment, in dem er verstand, dass es die Musik der Natur war, die einzigartige Musik der allumfassenden Natur, da wurde er zum Ra und gelangte damit auf die dritte Stufe des Gon. Nun war er ein Gon-Wa-Ra und ging als wissender Meister die gerade Allee mit der geraden Baumreihe entlang, die so gar nichts mehr mit dem Urwald und der Sanddüne und dem anbrandenden Rauschen des Meeres gemein hatte, das er zuvor erlebt hatte.
Urplötzlich, als käme es aus dem Nichts und auch für Allister McAllister völlig unerwartet, endete die Baumallee und es blieb nur die Straße. Doch auch die endete bald schon und es blieb nur die Umgebung, die mit jedem weiteren Schritt eintöniger und eintöniger wurde, bis sie in einem einzigen Farbton war – einem melangierten Braun, in das alle Farben zusammenlaufen. Alsdann verschwammen auch noch die Konturen und nach den Konturen verblasste das melangierte Braun, wurde heller und heller, und nach einer Weile des Vorangehens – auf welchem Grund? – gelangte der Gehende an den Punkt, dass er im konturlosen Weiß stehen blieb. Er stellte sich nicht die Frage, auf was er stand, ob er Luft atmete oder nicht, ob das seine Gedanken waren oder nicht – denn es hatte keinen sonderlichen Wert, diese Gedanken zu haben. Es hatte gar keinen Sinn, auch nur irgendeinen Sinn zu suchen in dieser Welt, in dieser Nichtwelt, in die Allister McAllister kam, um zu etwas zu werden, was sich Gon-Wa-Ra-Ta nennt und ein Gona in der Welt des Gon ist, die letzte Stufe der Erkenntnis. Somit blieb er stehen und begriff, unabhängig von seinen Nichtgedanken, dass er am Ende seiner Reise angelangt war, die von der losen Blattheftsammlung ausging und an diesem Ort hier endete.
Genau in diesem Augenblick des Erkennens beendete er seine Reise, gelangte zurück in die Welt, aus der er verschwunden war, sah sich an dem Ort um, an dem er sich befand, bemerkte die Vielzahl an Farben, Konturen, Geräuschen und Gerüchen – und alles war ihm irgendwie übertrieben und unwichtig. Allister McAllister war als Gona in eine Welt zurückgekehrt, die er nicht mehr verstehen konnte, aber die er vor allem nicht mehr verstehen wollte. Und so beendete er diese Reise mit dem Wissen, dass vieles verborgen liegt und dass nur sehr wenig davon von den Menschen entdeckt wird. Was für eine Verschwendung der menschlichen Talente! Diesen Satz sagte er immer und immer wieder zu sich selbst, erkannte in der Welt ein Übermaß an Verschwendung und wurde zu so etwas wie ein Eigenbrötler, der sich immer mehr in die Welt des Gon zurückwünschte, auch wenn er ahnte, dass er nach seiner Erleuchtung niemals wieder zurückkehren würde.

Jörg Hilse: Der Engel von Köln

Jost Lembergs Frau liebte es ab und zu nach Köln zu fahren, dort über die Hohe Straße zu bummeln und auf dem alten Friedhof Melaten spazieren zu gehen.
Sie mochte die Art der Menschen im Rheinland, ihre Lebensweisheiten wie „ Et kütt wie et kütt“ oder „ Et hät noch emmer jot jejange.“ Jost Lemberg kam ein- zweimal mit, doch für ihn blieb Köln eine Stadt wie viele andere die im II Weltkrieg verwüstet wurden. Außer dem Dom gab es kaum interessante Bauten. Auch war er den Stadtoberen ein wenig gram, weil Sie einen gesichtlosen Platz zwischen Dom und Hauptbahnhof nach ihrem größten Sohn, dem Schriftsteller Heinrich Böll benannt hatten, statt eine Tafel an seinem Geburtshaus anzubringen, so wie es die Bayern bei Oskar Maria Graf gemacht hatten. Doch als seine Frau eines Tages in einem Bildband mit dem Titel „ Kirchen in Köln“ blätterte stutzte er. „ Die schwebende Engelsfigur auf dem Einband, wie kommt die den nach Köln?“ fragte Jost. „ Sie hängt in der Antoniterkirche in der Schildergasse die ziemlich innerstädtisch liegt.“ antwortete sie.
„ Die Figur ist von Ernst Barlach, der kam aus Norddeutschland, deshalb wundert es mich.“
„ Hier steht“ sagte sie „ das die Originalfigur von den Nazis als entartete Kunst eingestuft und eingeschmolzen wurde. Ein anderer Künstler hat nach Barlachs Tod die Teile der Gussform gerettet und es konnte ein Zweitguss angefertigt werden.“
„ Falls Du demnächst wieder mal nach Köln fährst komme ich mit.“ sagte Jost, „ den Schwebenden, wie die Figur eigentlich heißt, muss ich sehen.“
Zwei Wochen später saßen beide im ICE nach Köln Hauptbahnhof. „ Ich hole mir im Bordbistro einen Milchkaffee, willst Du auch was?“ fragte Jost seine Frau. „ Danke, nein“ sagte sie und er ging. Am Bistrotresen stand vor ihm eine junge Frau in Bundeswehr- Uniform. Jost stellte sich hinter ihr an. Wie jung sie ist, dachte er, fast noch ein Teenager. Ihm kam der Gedanke, wie es sich für sie wohl anfühlen mochte, an einem nasskalten Wintertag mit klammen Fingern ein Sturmgewehr im Anschlag zu halten um dann von irgendeinem Offizier angebrüllt zu werden, „ Wer hat Sie den dahin jelecht“, nur weil ihr selbst geschaufeltes Schützenloch dem hohen Herrn nicht tief genug vorkam.
Solche und ähnliche Töne waren in seiner Militärzeit selbst unter Gleichrangigen üblich gewesen, damals, in jener deutschen Armee namens NVA, die der Wind der Geschichte längst fortgeweht hatte. An Formen einer beim Militär so viel beschworenen Kameradschaft, konnte er sich nicht erinnern. Einen guten Freund hatte er dort gehabt. Ole Winter, hinter dem Uniformmantel im Spind lehnte seine Gitarre und auf der Ablage für die Uniformmützen stand eingerahmt , ein Bild seiner Verlobten, Anne. Jost und Ole dienten in verschiedenen Kompanien. Kennen gelernt hatten Sie sich, weil beiden befohlen worden war je eine Gruppe neu eingezogener Soldaten durch die Grundausbildung zu führen. Ihre Freundschaft entstand durch einen Zufall.
„ Kannst Du meine Gruppe nachher mit zum Abendessen führen, ich will in den Ausgang.“ fragte Ole einmal ganz leise als sie vor dem Häuserblock mit den
Soldaten- Unterkünften standen. „ Klar“ sagte Jost und merkte irgendwie das Ole etwas vorhatte das nicht in den Dienstvorschriften stand. „ Ausgang“ haben hieß, dass man von 16 Uhr bis nächsten zum Morgen in die Stadt gehen durfte in der auch die Kaserne lag. Das allerdings nur in Uniform und Urlaub für ein Wochenende bekam man lediglich einmal alle 8 Wochen. Logisch, das Ole jeden Ausgang nutzte um sich irgendwie mit Anne zu treffen. Kein Wunder, dachte Jost wenn er sah wie viele Beziehungen hier durch die rigiden Dienstvorschriften in die Brüche gingen und ihm fiel mit der Zeit auf das die Beziehung der Beiden etwas ganz Besonderes war. Jost hätte selbst gern eine Freundin gehabt, also war es für ihn Ehrensache dass er half. Einige Zeit später hörte Jost von Ole selbst in welches Abenteuer er sich stürzte um Anne auch außerhalb des Urlaubs zu sehen. In Leipzig hatte sie angefangen Medizin zu studieren. Jedes Mal wenn Ole Ausgang hatte schmuggelte er zivile Bekleidung, die zu tragen nur während eines Urlaubs erlaubt war, aus der Kaserne. In der Toilette des Erfurter Hauptbahnhofs zog er sich um, nahm den Zug nach Leipzig zu Anne und kehrte morgens vor Dienstbeginn wieder zurück. Jost an seiner Stelle hätte zu viel Angst gehabt bestraft zu werden, denn hin und wieder kontrollierte eine Streife der Militärpolizei die Züge um genau jene zu kriegen die es auf ähnliche Weise versuchten wie Ole. Wer erwischt wurde saß hinterher für mindestens eine Woche im Militärarrest. Doch Ole schreckte das alles nicht. Annes Zuneigung und ihr einzigartiges Wesen gaben ihm so viel Mut das er die Gefahr entdeckt und bestraft zu werden jedesmal aufs Neue in Kauf nahm.
Und wenn einer behauptet dass das Glück stets auf der Seite der Liebenden ist , so traf das auf die Beiden zu, denn sie erwischen Ole kein einziges Mal.
Lange stand Jost in der Antoniterkirche und betrachtete die Figur des Schwebenden.
Er erinnerte sich noch wie Ole ihm einmal erzählt hatte, das er und Anne bei einem Pastor Taufunterricht nahmen, um sich möglichst rasch nach seiner Entlassung kirchlich trauen zu lassen.
Vielleicht hat ja einer wie Du da oben seine Hand über die Beiden gehalten, dachte Jost. Denn was wäre die Zukunft wert ohne jemanden den man liebt.

Carsten Stephan: Brückenbauer Blunskes prima Perspektive

Manchmal geht er über Brücken ohne Blick,
Manchmal sieht er einen wunderbaren Strick.
Manchmal möchte er Sprengmeister sein,
Manchmal stürzt auch eine Brücke selber ein.

Manchmal scheint sein Werk sehr gut zu gehn,
Manchmal hat er ein paar Pfeiler übersehn.
Manchmal ist er schon am Morgen blau,
Und dann grölt ein Lied er übern Bau.

Nur noch sieben Brücken und dann gehn,
Sieben Jahr zur Rente überstehn.
Sieben Jahr streich ich nur Asche ein,
Aber dann herrscht Südseesonnenschein.

Manchmal spuckt er auf den dicken Briefumschlag,
Manchmal hasst er einen jeden Brückentag.
Manchmal wirft er sich beinah vom Kran,
Manchmal Steine auf die Autobahn.

Manchmal tobt er durch das Baubüro,
Manchmal hockt er stumm im Dixieklo.
Manchmal trägt er seidene Dessous,
Manchmal sagt er: Jetzt ist aber Schluss!

Nur noch sieben Brücken und dann gehn,
Sieben Jahr zur Rente überstehn.
Sieben Jahr streich ich nur Asche ein,
Aber dann herrscht Südseesonnenschein.