Matt S. Bakausky: Gucci Baby

Bar oder Karte? Ich zahle mit meiner pinkfarbenen Kreditkarte. Eine neue Handtasche von Gucci. Mein neues Baby. Ich liebe sie jetzt schon mehr als alles andere auf der Welt. Ich nenne sie Gabrielle. Meine kleine Gabrielle. Ist sie nicht putzig? Ich streichle sanft über ihre Haut. Kann es kaum erwarten sie zu Hause zu füttern. Mit Kajal und Lippenstift, Taschentücher und einem Portmonee. Ist die kleine nicht hungrig? Wie niedlich Gabrielle dort liegt in ihrer Krippe. Wie das kleine Jesus Baby. Ich liebe Gucci Handtaschen, sie sind meine Babies. Neben Gabrielle, gibt es Josefine, Sandra, Michaela, Hannelore und Petra. Mit meiner pinkfarbenen Kreditkarte habe ich sie mir gegönnt. Ich füttere Gabrielle mit Kondomen. Man weiß ja nie was sich ergibt. Heute wieder Shoppen und vielleicht treffe ich einen neuen Daddy für meine kleinen. Ich schminke mich mit dem Kajal und dem Lippenstift aus Gabrielle und bin bereit in die Innenstadt zu fahren. Im Gucci Store werde ich dich treffen. Im Briefkasten Mahnungen. Die lasse ich dadrin. Luxus Lady sucht Luxus lover. So könnte meine Kontaktanzeige heißen. Wenn ich dich treffe, kannst du mir ein Baby machen. Ein echtes aus Fleisch und Blut. Bitte.

Andreas Prucker: Uou0

Oh Luxus,
Wegen Dir verliere ich meine bisherige kulturelle Zugehörigkeit,
um weiter am gesellschaftlichen Kulturkrampf teilnehmen zu können.

Ja 10 Jahre Arbeit nun so auf 3 min. lesen komprimiert.
Also ein verdichten der Zeit und auch der Kosten?????
und alles nur, für meine eingebildete Arroganz,
um neu, unsichtbar als Tourist auf diesem Planeten zu leben. .

… und tschüss.

Andreas Prucker: Luxus

Luxus.
Eine Vision ist eine Mission und zur Zeit gibt es nur Vergangenheit als Mission.
Etwa das Weltall mit Segelschiffe zu erobern, oder es lebe die Struktur der Autoindustrie.
Alle Visionen sind luxuriöse ökonomische Bilder, die uns Wachstum versprechen sollen, für unsere Art zu leben.
Eine Vision hierzu ist Jules Verne: Wie schießt man ein Projektil zum Mond. Alle in dieser Geschichte sind Feuer und Flamme über die Größe der Waffe, der Kanone die das möglich erscheinen lässt und schon arbeiten alle am gelingen dieser Mission. Diese Geschichte zeigt, wie sich alle, Politik, Akademien, Militär, Kunst und Betriebe daran beteiligen, um sich zu bereichern.
Ob diese große Waffe einen Sinn macht, wird gar nicht hinterfragt. Kritik hierzu findet nicht statt, weil alle in Goldgräberstimmung sind und das ist was zählt bei dieser Vision. Das ist eine luxuriöse Vision aus der Vergangenheit und hat im heute immer noch seine Aktualität. Hierzu was neues zu erfinden ist sehr Schwer und fast unmöglich, weil wir dies BIP Wachstum als kulturelle Notwendigkeit ersehen. Das BIP Wachstum ist nun mal das Luxus Segelschiff was untergehen wird.
Unser Luxus: Ein Mond – Atom – Energie – Trabant sorgt für weitere verbrannte Erde.
Überheblichkeit und Eifersucht auf Status kann zu Macht-Kontrollzwang Besessenheit verführen. Durch die Vielfalt an Angebote, nur noch Klischeeaufbewahrung für einen zukünftigen Erfolg möglichst bedienen.
Das Klischee ist ein kopieren von dem, was schon erfolgreich war.
Kulturarbeit Allerorts besteht nur noch aus Care Arbeit und Spenden von Sponsoren für dies
gestalten. Dann bleibt die Frage: Warum macht man diese Care Arbeit? Für das Prestige?
Der Schatten der Menschheit ist seine Gewalt, wie bei Peter Pan in Alien Earth und alle haben Angst davor, wie auch vor sich selbst. Alle meinen mit Macht und Kontrolle diese eigene Angst besiegen zu können und schon ist man bei Macht für Trolle angelangt.
Kolportiert ist ein Begriff aus dem Presse- und Medienrecht, der sich auf die Verbreitung von
Gerüchten, unbestätigten Informationen oder Nachrichten bezieht, deren Wahrheitsgehalt
zweifelhaft ist oder deren Herkunft nicht eindeutig feststeht. Nun bei Alien Earth sieht man wie man dies im Labor und über Influencer selbst kreiert, um ein künstlichen Serienerfolg zu garantieren.
Ja das ist toll.
Ist die Philosophie ein kolportieren? Nein, und Ja, bei gewünschter, wie erwünschter Manipulation.
I am a pretender – Ein Vortäuscher von Prestige, ein Gaukler, ein Schwindler und Dieb.
Doch die Zeit als Krokodil, das Alien als herannahender Krieg, frisst alles alte auf.
Die Kindheit prägt uns und dies geht nicht weg. Das ist der Schatten in uns, wie im Kopf. Ich habe es versucht und bin daran gescheitert. Einzig Krieg prägt uns neu und implantiert neue Schatten in uns, als neues Trauma, was wir dann abarbeiten, wie verarbeiten können und dies prägt unsere Kultur, bzw. unser Zusammenleben.
Somit ist der unbewusste Schatten immer das Bewusstsein in uns und erlaubt unsere Richtungen beim denken, planen und handeln.
Bitte haben Sie noch etwas Geduld, die Sommerpause für das BIP Wachstum ist bald vorbei.
Wäre KI als Machtinhaber die bessere Option für herrschende Entscheidungen?
KI braucht kein Geld, also keine Korruption, kein Lobbyluxus über Voreingenommenheit.
Sie braucht kein Schlaf und arbeitet 24/7 rund um die Uhr. Sie übt zusammenfassend, aus
vergangenen neues zusammen, was ja Politik auch tut und so kann alles beim alten gewohnten behandeln bleiben.
Nun ja: Wann ist eine Maschine keine Maschine mehr, oder wann ist ein Mensch ein Mensch? Wenn sie/er/es ihre Arbeitsanforderungen freiwillig verlassen kann und sich selbstständig neue Aufgaben sucht, die auch nicht in einem kulturellen Zwang verhaftet sind. Parteienkultur ist zwanghafte Kriegskultur und somit sind wir immer, im immer Krieg gefangen. Künstler-innen sind Eifersüchtig auf nicht erteiltes und anerkanntes Prestige, wie sie sich das so ausmalen und in ihrer Wertschätzung zu sein haben soll. Ist die Politik bei Krieg und Frieden dem selbigen eigenen eitlen Illustrationen ausgesetzt und Konflikte sich dadurch an anderer Orte und Stelle noch mehr ausweitend verhärten?
Ja, wie bei Windmühlen für den Strom. Man kann doch nicht 10 Jahre lang immerzu schreiben, wir hätten Hass auf Windräder (Aliens) und dabei wurden doch viele gebaut und wir alle haben ja die Notwendigkeit dieser Anlagen erkannt. Hier erzählt man von einem geisterhaften Krieg, der politisch wichtig in illustrierten erzählten ist, um bei Wahlen ein Alien-Phantasie-Thema zu haben, um von anderen Problemen abzulenken.
Schon wählen wir aus Liebe zum Prestige Schwindler, Gaukler und Diebe.
Im Nachhinein wäre eine KI nicht eine Art Inzest von den immer selbigen Wiederholungen, als eine Unsterblichkeit die keinerlei Fortschritt mehr zulässt, wie gezeigt in Alien Earth mit dem immer gleichen Luxus als Bewusstseinstransport in andere Körper.
So bleibt: Wo ist im kriegerischen dann der Fortschritt für uns verborgen?
Etwa als Erweiterung vom Bewusstsein über ein bewusst werden vom unbewussten, über das töten von alten Strukturen.
Mein Körper braucht Mikroplastik als Nahrungsmittelergänzung, ansonsten funktioniert er nicht mehr ökonomisch, politisch und gesundheitlich. Durch den Gang von Plastik über die Blutschranke in mein Gehirn, kann ich mir auch nichts mehr anderes vorstellen und neue Strukturen fallen mir nicht mehr ein.
Auch das ist ein Luxus, den ich mir neuerdings leisten kann.
Das Wasser steht Kopf. Es befindet sich in der Sommerpause und kommt bald zurück.

Christian Knieps: Die Kunst, sich gemeint zu fühlen

Es ist eine meiner Eigenheiten, die man an sich selbst zunächst gar nicht als besonders empfindet, weil sie sich so nahtlos in den Alltag fügen wie ein falsch eingehängtes Kleidungsstück, das erst auffällt, wenn jemand es einem geradezurückt, nämlich meine ausgesprochene Fähigkeit, anderen Menschen mit präzise platzierten, aufrichtigen und niemals übertriebenen, sondern stets aus einer ehrlichen Beobachtung heraus formulierten Komplimenten eine Freude zu machen – sei es über die feine Art, wie jemand eine Jacke trägt, die von innen zu leuchten scheint, oder über den Klang einer Stimme, die sich wie warmer Honig durch den Tag zieht.

Doch gerade diese Fähigkeit, die mir viele als besondere Stärke nachsagen – ja, einige sprachen sogar von einem Talent oder einer Gabe, wobei mir solche Begriffe stets übertrieben erscheinen –, steht in merkwürdigem Kontrast zu dem anderen Teil meines Wesens, dem verborgenen, abwehrenden und vor allem zweifelnden Teil, der sich immer dann zu Wort meldet, wenn jemand versucht, mir selbst ein Kompliment zu machen, sei es über mein freundliches Lächeln, meine starke, sonore Stimme oder meine zugewandte Art, zuzuhören oder zu schreiben – ich wiegle ab, ich relativiere, ich tue es als Zufall, als nicht erwähnenswerte Selbstverständlichkeit ab, und das nicht aus Koketterie oder falscher Bescheidenheit, sondern weil sich in meinem Inneren eine Stimme erhebt, die ruft: „Das ist übertrieben! Das ist geschmeichelt! Das ist nicht wahr!“

Ich hatte diese Dynamik längst als ein Stück meiner Persönlichkeit akzeptiert – ja, vielleicht sogar mit jener Art von stiller Resignation bedacht, mit der man einen kleinen Mangel betrachtet, der sich wohl nie ganz ausbügeln lässt –, bis ich sie traf, jene Frau mit den wachen Augen, der leisen Stimme und dem entschlossenen Blick, die mir nach unserem dritten Spaziergang durch den windstillen Park am Wasser mit einer Mischung aus Zärtlichkeit und Ernst versprach, mir so lange ernstgemeinte Komplimente zu machen, bis ich nicht nur gelernt hätte, sie anzunehmen, sondern auch gelernt hätte, sie zu glauben, wenigstens ein bisschen.

Was darauf folgte, war ein merkwürdiger Zustand innerer Reibung, ein tägliches kleines Ringen zwischen dem Impuls, ihr zu widersprechen – etwa wenn sie sagte, mein Lachen habe sie durch einen schlechten Tag getragen, oder meine Gedanken seien hell wie der Morgen nach langem Regen –, und dem zarten Wunsch, sie möge recht haben, auch wenn ich es mir selbst nicht recht zu sagen wagte; sie hörte nicht auf, sie ließ nicht locker, und obwohl ich mich innerlich wand, begann ich irgendwann, nach innen zu horchen, nicht auf das alte Echo des Zweifels, sondern auf den leisen Klang eines möglichen Ja, das sich tastend aus dem Schatten wagte.

Ich erinnere mich noch gut an jenen Morgen, als ich verschlafen und verstrubbelt in der Küche stand, mit nichts als einem ausgebeulten T-Shirt am Leib und zerzaustem Haar, und sie plötzlich sagte, dass ich in diesem Zustand wirke wie jemand, der von innen leuchtet, ganz ohne Vorbereitung, ganz ohne Absicht – ich lachte erst und sagte, dass es wohl an der Morgensonne liegen müsse, die durch das Fenster fällt, doch das Lachen blieb mir fast im Hals stecken, weil ich spürte, wie sehr ich mir wünschte, dass es wahr sei.

Und einmal, als wir gemeinsam einen befreundeten Umzug organisierten, sagte sie beiläufig, aber mit Nachdruck, dass meine ruhige, unaufgeregte Art, Menschen in hektischen Momenten die Richtung zu geben, ein Geschenk sei, das sie sich selbst oft wünsche – ich versuchte sofort, es zu entkräften, indem ich sagte, ich sei nur pragmatisch, nicht besonders einfühlsam, aber sie sah mich einfach nur an, mit dieser stillen Geduld, die keinen Widerspruch mehr zuließ.

So kam der Moment, an dem ich – während sie mir erzählte, ich würde den Raum wärmer machen, bloß durch meine Anwesenheit – nicht mehr reflexartig abwehrte, sondern innehielt, das Kompliment in meiner Brust drehte wie einen kleinen Schlüssel im Schloss, und spürte, dass da etwas aufging, etwas, das mich weicher machte, empfänglicher, und das mir, obwohl das Annehmen mir immer noch schwerfiel, erlaubte, für einen Moment zu lächeln, nicht aus Höflichkeit, sondern aus einem Gefühl heraus, das sich wie Freude anfühlte.

So lerne ich, Tag für Tag, dass es nicht darum geht, jedes Kompliment zu glauben, wie ein Kind an Märchen glaubt, sondern darum, dem Gedanken Raum zu geben, dass da vielleicht jemand etwas sieht, das ich selbst übersehen habe – und dass es in solchen Momenten in Ordnung ist, sich gut zu fühlen.

Theobald Fuchs: Pünktlich am Kipppunkt

Herr Z. ist ein beherrschter Mensch. Doch wie jeder beherrschte Mensch, gibt es irgendwo innen in Herrn Z. drinnen eine Grenze, wo dann der Spaß ein Loch bekommt. 

Es gibt ja nicht nur bei Klima auf dem Planeten als ganzem, sondern auch in jedem partikelhaften Kleinstindividuum einen Kipppunkt – oder gerne auch mehrere -, auf dessen anderer Seite, am anderen Ende der Wippe, jenseits des Gebirgsgrates sich nichts wieder gut machen lässt. Nichts. Egal wie, selbst für den Menschen mit dem stärksten Willen der Welt keine Chance, das rückgängig zu machen. Das, was gekippt ist, ist gekippt, there is no way back. 

Das ist so mit den Gefühlen, insbesondere mit den Gefühlen in dem Herrn Z. drin. In dem seinen Inneren ist eben – man muss es so wunderschön sagen: schlicht und ergreifend ein Gefühl gekippt. Seine Liebe zur Beteiligung an politischen Prozessen. Die ist gekippt. Und zwar als eine ausgewachsene Beteiligungsattrappe deutlich sichtbar implodierte. 

Vor vier Wochen war das, da war er einmal wieder eingeladen bei der C-Partei. Hier in der Stadt, weil ja demnächst Wahlen, und Volkspartei natürlich. So dass unbedingt DER BÜRGER aufgefordert war, sich EINZUBRINGEN. Und Herr Z. war ausgewählt worden, als DER BÜRGER, er ging hin, sollte zusammen mit anderen DER BÜRGERn sagen, was er sich wünsche von der nächsten Stadtspitze, dem Bürgermeister, diesem dauergrinsenden Hampelmann, und seinen vierschrötigen Schergen, einer korrupter wie der andere – nein, den Namen der Stadt würden wir niemals verraten, das können wir uns überhaupt nicht leisten. Außerdem ist jede Ähnlichkeit mit einer lebenden oder toten Stadt kompletter Zufall, es könnte alles eine Täuschung sein oder auch NICHT. 

Also BÜRGERBETEILIGUNG hieß es, ein kleiner Haufen, ja eher ein ärmliches Häuflein Vorschläge lag auf dem Tisch, dass wirklich alles super werden würde, dass die nächste STADTSPITZE alle Probleme und so weiter lösen würde, sogar eine Stadtführung für Hunde sollte es geben, wenn DER BÜRGER es will, er müsse halt nur die richtige Partei wählen, und das sei natürlich die mit dem großen Zeh im Namen. 

Lange Story, kurz und klein geschnitten: Herr Z. war massiv enttäuscht. Man hatte ihn überhaupt nicht nach seiner Meinung gefragt, sondern ihm DEM BÜRGER vorgeredet, was er wollen soll, und von ihm erwartet, dass er nachplappert, was sich jemand anderes wünscht, zum Beispiel die STADTSPITZE oder auch gleich die Partei und sämtliche Spezls, die sich aus den Steuertöpfen prallsatt futtern wollen, so dass sich Herr Z. total verarscht vorkam. 

Das war totaler Beschiss, eine Beteiligungs-Attrappe, ein potemkinscher Workshop, und das Unverschämteste daran war, dass die Stadt den DER BÜRGER für so blöde hielt, dass er, DER BÜRGER, diesen Schwachsinn schlucken und sich geschmeichelt und ernst genommen fühlen würde. 

Da kippte in ihm ein Gefühl. In Richtung Nicht mehr wieder gut zu machen. Kein Weg zurück. Und schon kam eines zum anderen, ganz bald nach dem desaströsen BÜRGERBETEILIGUNGS-WORKSHOP tauchte ein Befrager an der Wohnungstür von Herrn Z. auf. Welcher Befragung auch immer er Herrn Z. unterziehen wollte, es lässt sich im Nachhinein nicht mehr feststellen, aber selbiger nahm das Ansinnen des Abgesandten eines großen Telekommunikationsunternehmens persönlich und extrem schlecht auf, massive Beleidigung, förmlich gewaltige Frechheit, nachgerade Attacke auf Geist und Körper. 

Herr Z. handelte beherrscht, aber zugleich impulsiv. Er entnahm DEN Abgesandten DEM Bestand. Niemand hörte je wieder etwas von dem Problem-Befrager. Seitdem hilft Herr Z., die Befrager-Population in unserer Stadt zu kontrollieren. Auf kleiner Flamme. Haustür-Kontakt-Management nennt sich das wohl. Herr Z. begrüßt es außerordentlich, wenn sich Befrager zuvor ankündigen, beispielsweise mittels einer absolut Original-Gangster-Postkarte. Komme an dem und dem Tag, zu der und der Uhrzeit und befrage Sie zu dem und dem Thema. Geil, denkt dann Herr Z., da kann ich ja in aller Ruhe schon in der Früh das Badezimmer mit der dicken Plastikplane auslegen, die Knochensäge schärfen, die Keule prüfen und, na ja, mich mental bereit machen. 

Er antwortet gerne diesen Angeboten, erklärt sich bereit und einverstanden mit dem Besuch der beratenden Person und fügt bedauernd hinzu, dass der letzte angekündigte Beratende leider nie eingetroffen sei, obwohl Herr Z. den ganzen Tag zu Hause geblieben sei und gewartet habe. Und so geht auch schon wieder viel Zeit vorbei, ohne dass etwas WIRKLICH WICHTIGES geschehen wäre. Meine Axt aber mal. 

Mina Reischer: Du spielst wie du willst

Die fünf Menschen, die man…
Die fünf Menschen, die einem im Himmel begegnen.

Do what is evil.
Do all evil.
And commit many sins.

But do not do evil to me.

Das geht nicht.

Do not make me do evil to myself.
Or I will revenche myself for it, cruelly.

Du singst halt falsch.
Ich kann den Text halt nicht.

Good boy.
Good girl.

Maybe we have to catch the driver.

I am on a very strikt energy diet.
I could be dazzled, feel like love or joy or peace or kindness.
I don’t want it.
I don’t even want it.
Willst Du noch mehr ungesund?
Ich hab noch mehr Süßigkeiten.
Ich will die loswerden.

Was für ein schöner Zufall, dass wir wieder im gleichen Zug sitzen.

Sind wir vollständig?

Wo ist mein, wo ist mein Sohn?
Was sind denn das für Menschen?
Das ist unmenschlich sowas!

Alles wegen mir.

Eine Mischung.
Du hast nie angerufen.
Ich lade Dich nicht ein.

Weinen hilft ja auch nicht.
Weinen, das kann jeder.
Bestehen, das kann nicht jeder.

Ich überhole Dich.

Als Fleischermeister musst Du über den Marktplatz rennen.

Mein Fehler.
Ich kann den Text halt nicht.

Du spielst wie Du willst.

Das geht nicht.

Let’s search for:
Troststraße in Hoffnungstal.
Mit Brenneseln durch Klassenzimmer.
Troststraße durch Hoffnungstal.
Brenneseln ins Klassenzimmer.
Das sind goldene Tränen.
Na gut.
Troststraße durchs Hoffnungstal.
Versuch’s nochmal.
Goldene Tränen.

Herein. Herein. Herein?

Das geht nicht.

They don’t think.
And they are cruel to you.
They don’t mind, if they are cruel to you.
Let them shut down.
And be cruel to you.
Your true golden tears will dry.
Let them be cruel to you.
And let your golden tears dry.
Find one good friend.
And let your golden tears dry.
Trust isn’t loud.
Trust is what you feel.

Bei mir fängt es mit Dezember an.
Ich kann nicht mit Januar anfangen.
Das ist unlogisch.

Herein. Herein. Herein?

Mitwirkende:

  • Musik: Felix Foerster, Anke Wahls-Block, Mina Reischer
  • Stimmen: Sven Kummer, Mina Reischer

Margret Bernreuther: Der Fächer mit dem Pandabären

Jeden Morgen, wenn ich die Wohnung verlasse entdecke ich unten auf der Ablage bei den Briefkästen neue Figürchen oder andere Haushaltsgegenstände.
Oft sind es kitschige aber nicht besonders hochwertige Porzellanfiguren. Manchmal ein Gewürzglasrondell. Gestern stand ein Kochbuch zur Anleitung für fettreduzierte Ernährung dort.
All diese Gegenstände sind sehr bunt zusammengewürfelt. So war neulich auch mal ein aufwendig bestickter Fächer in einer mit Stoff bezogen Schachtel dort zu finden. Auf dem Fächer zwei Pandabären, die unter einem blühenden Kirschbaum spielen. Die Kiste mit goldenen und roten Stoff besponnen. Auf den ersten Blick, insgesamt ein hübsches Ding, aber trotzdem konnte die Verpackung und Gestaltung dieses Fächers, dennoch nicht die mangelnde Wertigkeit der
Sache verbergen.
Es wirkte bei genaueren hinschauen eher wie ein Gegenstand aus einem günstigen Souvenirladen gar einem AsiaShop aus der Innenstadt, bei dem neben der Tütensuppe und den Gewürzsoßen, das ein oder andere Handwerkszeug verscherbelt wird.
So wie all die Dinge die dort bei uns auf der Ablage landen, stellen keinen kostspieligen, aber im ganzen doch vielleicht, ideellen Wert dar.
Hinunter stellen tut sie unser Nachbar. Da bin ich mir sehr sicher.
Ich habe ihn zwar noch nie direkt dabei erwischt. Aber da wir ansonsten ein sehr junges Haus haben, bin ich mir sicher, dass die Gegenstände aus seiner Wohnung stammen.
Herr Schag wohnt im Stock über uns. Er ist über 80 Jahre alt und ist derjenige, der schon immer hier gewohnt hat.
Unzählige WGs und junge Menschen hat er schon ein und ausziehen erlebt.
Die früher noch regelmäßigen Hoffeste hat er immer wohlwollend vom Balkon aus mit erlebt, konnte sich aber trotz mehrmaligen einladen, nie dazu aufraffen zu uns hinunterzukommen.
Zusammen mit seiner Frau standen sie dann also manchmal für längere Zeit am Balkon und schauten sich an, was da so alles los war in unserem Hof.
Noch nie gab es auch nur eine Beschwerde, wenn eine Feier länger dauerte, oder gar das Aufräumen am nächsten Tag allen beteiligten sehr schwerfiel und es sich bis in die kommende Woche hineinzog, das alles wieder an Ort und Stelle war.
Mit der Zeit und mit den Jahren ließ aber auch die Anteilnahme vom Balkon aus immer stärker nach.
Seiner Frau ging es nicht mehr so gut. Sie wurde dement und ihr gemeinsames Konstrukt fing an zu bröckeln. Wir im Haus hatten schon einiges an Erfahrung mit dementen Bewohnerinnen.
In der Wohnung nebenan wohnte eine italienische Nona, die trotz hochgradiger Demenz noch bis ins hohe Alter in Schlappen auf ihrer Vespa zum Einkaufen gefahren ist. Manchmal hat sie sich verfahren und dann gab es wieder große Sorge und die Kinder haben sie mit uns zusammen gesucht.
Irgendwann wurde den Kindern klar, daß sie ihre Mutter nicht mehr in unserer Verantwortung lassen können. Und sie ist, vermutlich zum sterben nach Italien gebracht worden.
Frau Schag die freundliche Nachbarin, ereilte kein so schönes Schicksal. Ihr Mann versuchte es eine Zeit lang damit, sie einzusperren. Aber nachdem sie auch in der Wohnung dann Dinge nicht mehr so hinterlassen hat, wie er es gewohnt war und man sich nicht mehr darauf verlassen konnte, dass sie das Essen richtig kocht und überhaupt die Dnige tut, wozu man doch so eine Frau hat, hat Herr Schag sie ins Altenheim gebracht. Ich verwende seine Worte.
Ich weiß nicht wie viel Liebe da jemals im Spiel war. Und auffällig fand ich es schon immer, dass wir noch nie eines der 3 Kinder bei uns im Haus angetroffen haben.
Dieses alte Pärchen, deren Leben nach Erzählungen von Frau Schag nur aus Arbeit bestand. Ich kann nicht beurteilen, ob sie glücklich waren oder nicht. Und noch weniger kann ich die Dinge beurteilen, die Herr Schaag nun langsam aus der Wohnung räumt.
Für ihn anscheinend wertlose Dinge, die seiner Frau gehören.
Sie wird nicht wieder zurückkommen und er hat keine Verwendung dafür. Aber direkt in die Mülltonne werfen möchte er sie auch nicht. Dafür hängt vielleicht der Geist seiner Frau zu sehr an diesen Dingen.
So machen sie vielleicht nochmal eine Zwischenstation. In einer der WG’s. Oder so wie bei uns. Der kleine Fächer mit den spielenden Pandabären.
Würde Herr Schaag in anstatt ihn zu verschenken, seiner Frau ins Altenheim mitbringen, würde sie sich vielleicht an die Reise nach China erinnern, die sie vermutlich nie gemacht haben.

Felix Benjamin: Bohemian Rhapsody

Ich fahre mit meiner großen Schwester in ihrem Auto zur Videothek. Das ist aus zwei Gründen aufregend, denn zum einen sehe ich sie nicht mehr so oft, seit sie ausgezogen ist. Bei jedem Besuch hat sie eine andere Haarfarbe, raucht eine andere Zigarettenmarke und stellt meinen Eltern fast jedes Mal einen neuen Freund vor. Sie ist groß und cool und ich will groß und cool sein.

Aufgeregt bin ich aber noch viel mehr, weil die Videothek ein magischer Ort ist, ein Tor zu anderen Welten. Ich habe einen Mitgliedsausweis und deshalb von der Videothek zum Geburtstag einen Gutschein für eine kostenlose Ausleihe bekommen. Dies soll meine Eintrittskarte in den „Tempel des Todes“ sein. Indiana Jones ist für mich der Größte und dieses Abenteuer ist das einzige, das ich noch nicht kenne, denn es ist erst ab 16. Meine Schwester soll mich also begleiten, damit mir der „Tempel des Todes“ ausgeliehen wird. In der Videothek findet sie aber einen völlig anderen Film, den sie begeistert aus dem Regal zieht: „Wayne`s World“. Das sagt mir gar nichts und interessiert mich auch nicht. Sie kann mich trotzdem leicht dazu überreden, mich gegen Indiana Jones zu entscheiden, schließlich will ich groß und cool sein.

Wieder am Steuer ihres Autos sitzend erklärt meine Schwester mir, dass ich „Wayne`s World“ unbedingt gesehen haben muss, allein schon, weil darin „Bohemian Rhapsody“ vorkommt. Sie legt ihr Best-of-Queen-Album in den CD-Player und fängt an, zu diesem Lied abzugehen. Sie singt laut mit und schüttelt ihre langen Haare. Ich fühle mich groß und cool, denn es war ja mein Gutschein, der es meiner Schwester ermöglicht, diesen Film zu sehen, auf den sie sich so freut. Auch ich schüttle meinen Kopf zur Musik und versuche mitzusingen, verstehe vom ?Text aber gar nichts außer „Mama, uuuu-uuuu.“ Das ahme ich nach und fühle mich dabei groß und cool.

Als wir zu Hause aussteigen, sagt meine Schwester, dass ich weggehen soll und in mein Bett scheißen.

Ich halte meine Tränen zurück, bis ich in meinem Zimmer auf dem Teppichboden zusammensinke.