Ich surfe im Internet mit 10.000 Gigabit pro Sekunde. Den neuen Tarantino in 4k im DIVX Format lade ich in 20 Millisekunden herunter. Anschauen werde ich ihn nicht, ist ja Schund. Aber sammeln macht Spaß. Ich habe 240 Tabs im Browser offen, zwischen denen ich hin und her wechsle. Ich bin Profi. GTA6 lade ich in 0,4 Sekunden herunter. Zocken werde ich es nicht, ist ja Schund. Ich habe 240 Terabyte HDD Speicher und 32 Terabyte SSD Speicher. Ich nenne den Rechner nur: Die Maschine. Die Maschine lädt und lädt, es wird gesammelt. Ich bin Sammler und nicht Jäger. Quake 5 lade ich in 0,2 Sekunden herunter und kopiere es rüber auf die HDD. Spielen werde ich es nicht, ist ja Schund. Überhaupt macht gar nichts mehr Spaß seitdem ich sammle. Ich habe auch keine Zeit mehr zum zocken und Filme schauen. Irgendjemand muss ja die 240 Browser Tabs bedienen. Aber außer der Sammelsucht geht nicht mehr viel in meiner Freizeit. Kein Spaß mehr am Gerät. Ich checke kurz den Tarantino und schau nach der Qualität, mehr Interesse habe ich daran nicht. Alles ist Schund. Müll. Nicht zu gebrauchen. Langweilig. Aber ich sammle weiter. Ich bin Profi.
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Bakausky: Schlafeinkäufe im Netz
Kurz vor dem Schlafen gehen nehmen ich eine Tablette Zolpidem ein. Auf Amerikanisch heißt dieses Schlafmittel Ambien. Dann scrolle ich durch einschlägige Social Media Netzwerke. Dabei kann ich mich dann total für die sonst langweilige Werbung faszinieren. Realistische Gummi-Masken in Filmset-Qualität von Alien und alter, weißer Mann – rein damit in den Warenkorb. Nahrungsergänzungsmittel als Gummibärchen – bestellt. Kondome mit meinem Logo bedruckt – muss ich haben. Ob mein Gehirn sich zwischen wach- und Traumzustand befindet, darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht. Zu den Nebenwirkungen der Tablette gehört “Beeinträchtigtes Denkvermögen: Verringert die Aufmerksamkeit, trübt das Urteilsvermögen und verlangsamt die Entscheidungsfindung bzw. die Verarbeitung komplexer Informationen.” Es gibt auch Nebenwirkungen wie Schlafwandeln und Schlafessen. Bei mir war es Schlafeinkaufen. Die Masken habe ich teilweise für den Film “Liebe Oma “ verwendet, obwohl ich später herausgefunden habe dass sie bei Alibaba 4,50€ das Stück kosten statt 35€. Es hat sich gelohnt. Die Gummibärchen haben mich hoffentlich gesünder gemacht, obwohl die Mehrheit langsam im Schrank hart wird. Die Logo-Kondome aus Frankreich habe ich teilweise verschenkt, mittlerweile sind sie nicht mehr haltbar. Und würde ich heutzutage noch Zolpidem nehmen, wäre dieser Baumkuchen für den ich ständig Werbung bekomme ein gutes Ziel. Oder gar diese winzige Klimaanlage, die in Sekundenschnelle den ganzen Raum kühlt?
Matt S. Bakausky: Suppe
Zwiebel, Buchstabennudeln, Karottenstücke und Sellerie. Mit heißem Wasser kochen. Jeder muss seine eigene Suppe auslöffeln. Aus Spaß wurde Ernst. Ernst ist jetzt 20 Jahre alt. Und er sagt: Meine Suppe ess ich nicht, meine Suppe ess ich nicht, wenn schon spuck ich sie dir ins Gesicht. Kein anderer Vater musste soetwas ertragen. Ich sitze hier im Waschsalon und denke an Suppe und meinen Sohn Ernst. Noch 28 vorbeifahrende Autos dann ist die Wäsche fertig. Kein anderer Bakausky hat soetwas ertragen müssen. Zwiebel, Buchstabennudeln, Karottenstücke und Sellerie. Mit Wasser aufkochen. Was hat sie gesagt? Meine Ideen sind ja ganz gut, nur müsste die Geschichten jemand anderer schreiben. Jetzt reicht es! Ich nehme Ernst Kopf von hinten und stopfe ihn in die heiße Suppe. Er schreit auf, sein Gesicht ist ganz rot verbrannt. Ich frage ihn: Schmeckt dir die Suppe? Er sagt nur: kein anderer Sohn hat soetwas je ertragen müssen! Ich gehe aus dem Raum. Zurück in den Waschsalon. Noch zwölf Passanten müssen vorbei laufen dann ist die Wäsche fertig. Zum Glück habe ich keine Kinder. Ernst tut mir jetzt leid. Mit seinem Suppenkaspargesicht auf das ewige entstellt. Und wie immer ist nichts los im Waschsalon. Ich sitze im Massagesessel, der ist kaputt und beobachte die sich drehende Wäsche. Zwiebel, Karottenstücke, Buchstabennudeln und Sellerie. Schön heiß aufkochen sodass die Poren sich beim Essen auch öffnen. Mein Name ist Bakausky und ich lebe im Waschsalon. Das nächste mal schreibe ich über die Waschsuppe in der Maschine.
Matt S. Bauernhofsky: Luau
In einer alternativen Wirklichkeit lebe ich als Landwirt im Sternentautal. Ein Jahr arbeite ich auf das jährliche Luau im Sommer hin. Ich befreunde mich mit der Viehzüchterin Marnie und das nicht ohne Grund. Geschenk für Geschenk, Gespräch für Gespräch arbeite ich auf ein Ziel hin. Ich will Zugriff auf ihr Schlafgemach. Sobald ich dieses Vertrauen habe werde ich einen Gegenstand daraus entwenden. Die Lieblingsshorts von Bürgermeister Lewis. Denn beim nächsten Luau werde ich ihn vor dem Governor bloß stellen. Jeder feine Bürger des Sternentautals darf eine Zutat in die Suppe beim Luau geben. Und ich werde keinen feinen Wein oder etwas eingemachtes beifügen. Nein, von mir kommt die Lieblingsshort des Bürgermeisters. Und dann wird der extra angereiste Governor die Suppe probieren und Bürgermeister Lewis wird daneben stehen und die Shorts wieder erkennen. Nur er weiß woher sie kommen, wo er sie zuletzt hatte. Marnie und Lewis hatten eine Affäre. Und jetzt bleibt Lewis die Suppe im Hals stecken. Er wird ein rotes Gesicht bekommen und sich zu Grunde schämen. Und der Governor wird die Suppe bewerten müssen. Das alles und noch viel mehr würde ich machen, wenn ich in einer alternativen Wirklichkeit als Landwirt im Sternentautal leben würde.
Matt S. Bakausky: Fett
Diese Geschichte ist mit Fett geschrieben. Sie handelt von Vergänglichkeit und zersetzt sich mit der Zeit von selbst. Ich bin ein Stück Fett. Ich mache Dinge die ein Stück Fett tut. Faul in der Ecke sitzen und verranzen. Ich hinterlasse Fettflecken wo hin ich auch gehe. Ich schäme mich kein Meter weit für meine Existenz. Ich bin keine Kunst, ich kann weg. Ich bin manchmal traurig, dass nicht mehr aus mir geworden ist. Vorallem wenn die Leute kommentieren: Schaut euch mal dieses eklige Stück Fett an. Aber was soll’s traurig hin; traurig her. Es ändert nichts an meinem innersten Sein. Ich werde verranzen. Einfach so. Das ist unser Schicksal in der Fett-Familie. Man könnte sagen es ist uns in die Wiege gelegt. Nichts bleibt für immer und so weiter und so weiter. Tschüss, tschau und gute Nacht!
Matt S. Bakausky: Gucci Baby
Bar oder Karte? Ich zahle mit meiner pinkfarbenen Kreditkarte. Eine neue Handtasche von Gucci. Mein neues Baby. Ich liebe sie jetzt schon mehr als alles andere auf der Welt. Ich nenne sie Gabrielle. Meine kleine Gabrielle. Ist sie nicht putzig? Ich streichle sanft über ihre Haut. Kann es kaum erwarten sie zu Hause zu füttern. Mit Kajal und Lippenstift, Taschentücher und einem Portmonee. Ist die kleine nicht hungrig? Wie niedlich Gabrielle dort liegt in ihrer Krippe. Wie das kleine Jesus Baby. Ich liebe Gucci Handtaschen, sie sind meine Babies. Neben Gabrielle, gibt es Josefine, Sandra, Michaela, Hannelore und Petra. Mit meiner pinkfarbenen Kreditkarte habe ich sie mir gegönnt. Ich füttere Gabrielle mit Kondomen. Man weiß ja nie was sich ergibt. Heute wieder Shoppen und vielleicht treffe ich einen neuen Daddy für meine kleinen. Ich schminke mich mit dem Kajal und dem Lippenstift aus Gabrielle und bin bereit in die Innenstadt zu fahren. Im Gucci Store werde ich dich treffen. Im Briefkasten Mahnungen. Die lasse ich dadrin. Luxus Lady sucht Luxus lover. So könnte meine Kontaktanzeige heißen. Wenn ich dich treffe, kannst du mir ein Baby machen. Ein echtes aus Fleisch und Blut. Bitte.
Matt S. Bakausky – 1000 Jahre Brüz
Herzlich willkommen auf dem Fest der Guten Laune hier in Brütz. Darf ich sie filmen? Nein? Wirklich nicht?
Lassen Sie mich bitte in Ruhe!
Ja dann halt nicht. Schade, wollte wirklich nicht stören. Nur ein bisschen gute Laune verbreiten hier für Tiktok! Auf jeden Fall bin ich gerade im Brütz und hier wird gefeiert! Was feiern wir eigentlich?
Ich will nicht, dass Sie mich aufnehmen. Würden Sie bitte die Kamera wegtun?
Oh, ich will doch nur gute Laune verbreiten! Lassen Sie mich doch! Darf ich sie umarmen?
Das geht wirklich zu weit! Lassen sie mich in Ruhe!
Die Bürger von Brütz sind gar nicht so gut gelaunt wie ich dachte, obwohl heute gefeiert wird! Naja ich melde mich ab aus meinem Tiktok! Schönen Tag noch!
Brütz in Thüringen, ein idylischer kleiner Ort. Doch was keiner weiß, darf niemand wissen. Brütz in Thüringen feiert heute 1000 Jahre Brütz und einige prominente und weniger prominente Social Media Sternchen sind angekommen um am Fest teilzunehmen. Ganz zum Missfallen der Bürger von Brütz. Denn was keiner weiß, darf niemand wissen.
Ich bin heute in Brütz und mache Straßenumfragen. Was arbeitest du dennnn und wieviel verdienst du dennnn dabeiii?
Hör auf zu filmen du Spacko! Keiner will dich hier haben.
Brütz in Thüringen, ein idylischer kleiner Ort. Doch was keiner weiß, darf niemand wissen. Sie feiern heute offiziell 1000 Jahre Ortsgründung Brütz. Doch nachts, wenn alle schlafen geht in Brütz seit 1000 Jahren der Brützi um. Und der Brützi ist hungrig. Er frisst kleine Kinder, wie alte Leute. Doch was keiner weiß, darf niemand wissen.
Ich bin Sebastian Schulz aus Schonungen bei Schweinfurt und Ich bin hier in Brütz und verspeise eine Bratwurst am Bratwurststand. Hier wird heute gefeiert. 1000 Jahre Brütz! Kommt doch auch noch vorbei!
Gehen Sie weg! Sie mit Ihrem Scheiß Tik Tok! Wir brauchen Sie hier nicht auch noch!
Hey, lassen sie mein Handy in Ruhe, ich filme doch nur privat!
Brütz in Thüringen, ein idylischer Ort in Thüringen, feiert 1000 Jahre, doch langsam wird es spät und die Bürger von Brütz gehen in ihre schön bemalten Häuser. Doch was keiner weiß, darf niemand wissen. Nur ein paar Influencer haben kein Hotel mehr gefunden und treiben sich noch auf dem Marktplatz herum. Bald wird man ihre ausgespuckten Skelette im Wald finden. Da wo der Brützi wohnt und wo er herkommt. Jetzt da du weißt, was keiner weiß und niemand wissen darf, kommt der Brützi auch nachts zu dir nach Hause. Auf TikTok.
Matt S. Bakausky: Das Finale
Nach einer zwanzigstündigen Reise checke ich in meiner AirBNB Villa in Kathmandu ein. Popcorn für die Microwelle, sowie Sateliteninternet habe ich mitgebracht. Noch 23 Stunden bis zum Finale. Von hier aus werde ich es beobachten. Ich setze Bitcoin im Wert von 24 Millionen US-Dollar auf das rote Team. Mit Sonnenbrille und Hoodie sitze ich bei einem eisgekühlten Cocktail vor dem Gerät. Noch kurz die News checken. Alles läuft nach Plan. Team Blau fühlt sich siegessicher, hat es doch schon in den Vorrunden gut abgeschnitten. Doch Team Rot konnte in der Zwischenzeit zugewinnen und zählt jetzt 24 Millionen elektronische Staubsauger der Marke Roomba zu seinem Arsenal. Es ist also bald soweit. Das große Finale, die Schlacht um alles wird in wenigen Stunden beginnen. Ich rauche einen Joint auf dem Balkon, um runter zu kommen. Hier in Kathmandu fühle ich mich sicher. Fernab von den Hightechstädten der westlichen Welt. Die Spiele beginnen schon kurz vor dem Finale mit den kleineren Teams. Es gibt weltweit Nachrichtten von Ausfällen in Kommunikationsnetzwerken. Das Playsation-Netzwerk ist down, wahrscheinlich eine mittlere DDOS-Attacke. Genauso das Netzwerk von Microsoft XBOX-Live. Hier aus Kathmandu betrachte ich wie die Welt sich schlafen legt. Größere Städte wie Sans Franscico, New York, Bejing und Tokyo haben kein Internet mehr. Das Sateliteninternet ist noch stabil. Genüśslich greife ich in die Tüte mit dem gesüßten Popcorn. Auch das Sateliteninternet wird ausfallen, da bin ich mir sicher. Dann wird es auch bei mir ruhig werden. Ich habe mir ein paar Bücher über Spieltheorie mitgenommen, damit mir nicht langweilig wird. Die Schäden werden erst in den nächsten Tagen ganz behoben sein. Manch ein kleiner Inselsstaat wird es nicht überleben. Aktuell geht eine Liste mit Zielen im Darknet herum – es soll ja fair zu gehen, Zielen für Team Rot und Team Blau. Die russische Telekom zum Beispiel gehört Team Blau. AT&T und weitere amerikanische Netze übernehmen die Staubsaugerroboter von Team Rot. Es ist ein Spaß. Wochelang habe ich mich auf dieses EVent gefreut. Jetzt sind die finalen Chaos Tage gekommen. Es ist ganz einfach: Gekapterte Computersysteme spielen gegegeneinander wer die meiste Infrastruktur aus dem Weg räumen kann. Dahinter stecken Hacker aus aller Welt und Ziel ist es Freude am Gerät zu haben. Aktienkurse werden fallen, Menschen werden sterben, Chaos verbreitet. Und ich bin mittendrin. Ich bin kein Computergenie, nur jemand mit genug Know How um eventuell an dem ganzen zu profitieren. DEnn wenn das alles vorbei ist, werden die Wettbüros die Gewinne austeilen. Das heißt, falls sich deren Infrastrukur überhaupt erholt. Ein kleines bisschen Risiko ist schon auch dabei. Gegen zwei UHr früh fällt das Sateliteninternet aus. Jetzt beginnt mein Alternativprogramm. Popcorn habe ich genug gegessen, betrunken bin ich auch schon. Ich lege mich in den Jacuzzi und höre Musik. Meinen persönlichen Soundtrack zum Weltuntergang. In ein paar Tagen werde ich erfahren, dass Team Red gewonnen hat und mein Einsatz sich ausgezahlt hat. Doch jetzt döse ich im warmen Wasser der Unwissenheit. Verhaftungen werden folgen, die Börse wird sich innerhalb weniger Wochen erholen und das ganze wird in Vergessenheit geraten. Doch ich war ganz vorne dabei beim Finale und die ganze Welt schaute zu.
Matt S. Bakausky: Sommerfrische
Ich war ein Suchender, überall habe ich gesucht, wusste nicht was. In Frauen, Männern. In Beziehungen, in Sex, in Vorbildern, in Beispielen. Gesucht in Lehrern, Büchern, Geschichten. In Religionen: Christentum, Islam, Buddhismus oder Hinduismus.
Ich habe gesucht und gesucht: In Sekten und Okkultismus. Im Theater und in Filmen. Überall gesucht ohne zu Wissen wonach ich suche. Wissen oder Erfahrungen? Frag mich nicht. In der Arbeit und im autodidaktischen lernen habe ich gesucht. In der Angst, der Traurigkeit, der Wut. Gesucht in der Sucht und im Rausch. Gesucht in medizinischen Lösungen. Überall habe ich gesucht ohne zu wissen wonach. Ohne zu wissen warum.
Ich kam mit einem Splitter im Herzen zur Welt, das wusste ich nicht. Dieser Splitter trieb mich an, machte mich zu dem größten Suchenden aller Zeiten. Kurzzeitig fand ich etwas, bis es mir aus der Hand glitt. Der Splitter im Herz blieb bestehen, der Schmerz nur betäubt. Und dann eines Tages — Gott musste einen guten Tag gehabt haben— war der Splitter weg. Die Suche war beendet und nur ich blieb zurück. Ich so frisch wie eine kühle Brise im Sommer. Frisch wie eine Caprisonne am Stil frisch aus der Gefriertruhe im Klinikcafe. Frisch wie eine kalte Dusche am Morgen. Der neue Tag vor mir. Frisch auch die Duschen im Freibad nach einem Sprung vom zehn Meterbrett ins kühle Schwimmerbecken. Ich bin so frisch wie Frischhaltefolie.
Ich liebe meine Wegbegleiter und Wegbegleiterinnen, Gendern ist so frisch, dass die Autokorrektur daraus Genfern macht. Jeder Moment ist frisch in diesem Sommer. Ich bin die frische, ich bin der Sommer. Ich bin die Sommerfrische.
Matt S. Bakausky: Megastar
Jeder kennt mich, ich kenne niemanden. Man nennt mich den nächsten Michael Jackson. Ich bin ein Megastar. Überall wo ich hinkomme schreien die Frauen und fallen in Ohnmacht. Aber ich bin sehr schüchtern und bin am Boden geblieben. Manchmal habe ich sogar das Hochstaplersymptom. Dann glaube ich für vier bis fünf Stunden, dass ich ein Niemand bin und nichts zu bieten habe. Ich fühle mich auch oft sehr einsam, gerade unter Menschen, dann ziehe ich mich zurück für ein paar Wochen nach Altenried. In Altenried kennt mich niemand als Megastar und ich kenne jeden. Es ist meine Familie, mein Dorf. Meine Heimat. Die kennen mich noch von früher. Die kennen mich noch als kleiner Hosenscheißer, der für fünf Pfennig Süßigkeiten bei Bäcker Rudi kauft. Da kann ich sein, muss nicht Autogramme schreiben oder Selfies schießen. Alles ist gut. Vor kurzem habe ich mit dem Rauchen aufgehört. Seitdem muss ich öfters husten, als würde sich etwas in mir lösen und ich bin sehr sensibel geworden, als hätte ich eine dünne Haut. Die Gefühle der unerwiderten Liebe und Einsamkeit sind seitdem präsent. Nie hat mich eine Frau wirklich geliebt. Sie lieben nur die Idee mit BIG BAKAUSKY zusammen zu sein, sie genießen die Aufmerksamkeit die das an meiner Seite stehen ihnen gibt. Aber Intimität existiert nicht. Rein-/Raus-Spiel klar, doch da ist keine Liebe. Das macht mich zutiefst traurig und dann kehre ich zurück mit einem alten VW Käfer nach Altenried. Dort begrüßen mich die Menschen als Matze. Matze ist immer noch der kleine Junge von vor 30 Jahren. Matze kann geliebt werden für sich. Wenn ich eines Tages heiraten werde, dann ein Mädchen aus Altenried. Im Haus meiner Eltern mit Garten werde ich die Kinder groß ziehen. Fernab von der falschen großen Jetsetter-Welt. Abgeschirmt von den Fanscharen. Aber jetzt sitze ich erstmal in der Bäckerei von Rudi und trinke einen einfachen Kaffee, mit viel Liebe zubereitet von Rudis Tochter Anneliese. Sie kennt mich schon seit ich mit fünf in den Kindergarten kam. Ich liebe sie, bin jedoch zu schüchtern, sie auf eine Verabredung einzuladen. Habe Angst sie zu verlieren, die Idylle zu zerstören. Da wo mich jeder als Matze kennt, da habe ich eine meganice Zeit und da will ich für immer sein.