Auf dem Haupt des stolzen Berges
Summt, die Stille
Sie nimmt, dich ein.
Der Blick verfängt sich
Er rollt,
Durch graue Trostlosigkeit aus Staub.
In Wellen von Dunst ergießt sich
Das Meer ihrer Konturen.
Erspäht,
Durch des blauen Himmels Vorhang.
Die Uhr aus Schotter und Stein
Schlägt, nach einem alten Takt,
Beschwichtigt, deine Schnelllebigkeit.
Das sture Schweigen der Berge
wie Wachen, über’n großes Reich.
Im schroffen Eigensinn erhoben,
Die spitzen Kanten ihres Steins.
Die Bergen tragen,
in ihren Wogen,
die alten Lieder der Welt.
Die Lieder von Unendlichkeit, und Ruhe
und wie alles Sein – vergeht.
Kategorie: Lyrik
David Telgin: Auch wir
Wie viele
kranke
geschwächte
tote
Bäume?
Das Sterben
der Wälder
Durch zerstörte
Landschaften wandern
Wandern
Auch wir
in den Tod.
David Telgin: Dahinter
Die Tür
und dahinter
Dein Monster
versteckt
Dein Monster
das böse grinst
Dein Monster
das dich jagt
Die Tür
und dahinter
Dein Monster
das verschwindet
Wenn du
deine Angst überwindest.
Carsten Stephan: November
Gelbgrün schwärt an graue Ufer Tang,
Kalte Regen sprühen in das Meer.
Möwen müde kreischend um sich her
Bringen Fischer ein den letzten Fang.
Mit dem Wind erstirbt der Männer Sang,
Ihre Schritte sind landeinwärts schwer.
Dann ist wieder alles menschenleer,
Nebel äsen fern am Kiefernhang.
Und den Wandrer fasst ein Schauder an,
Seine Glieder sind schon lang ertaubt,
In die Züge gräbt sich Elegie.
Treibholz schlägt ihm jählings an den Spann,
Kormorane stürzen auf sein Haupt,
Im Gerölle sinkt er in die Knie.
Miriam Gil: Das Monster Zeit
Das größte Monster unserer Zeit ist die Vergänglichkeit – man sieht die Menschen um sich herum älter werden.
Diejenigen, die für einen einst immer stark fangen an schwach zu werden.
Um sich selbst sorgt man sich noch am wenigsten
Denn man hat ja Zeit.
Es wird nie genug Zeit geben mit denen deren Zeit schwindet.
Menschliche Beziehungen sind
Erstmal
Etwas Unendliches.
Der menschliche Geist ist nicht auf Abschied programmiert.
Noch nicht.
Und in manchen ganz innigen Fällen
Nie.
Die Zeit heilt keine Wunden.
Gesichter verschwimmen
Gerüche verblassen.
Die Wunden sie heilen nicht.
Wie kann ein Universum sterben
Und eine Welt bleibt.
Das Monster Zeit.
Es ist das Unvorstellbare
Und doch ist es nahe.
David Telgin: Schmerz
Mein Schmerz
ein Monster
das mich auffrisst
Mein Schmerz
ein Monster
das mich zerstört
Und in meinem
Blut badet
Pulsierend
bis in den Tod.
Jörg Hilse: Werwolf
Es hauste ein Werwolf
im Stadtwald bei Nied.
den drückte der Weltschmerz
ganz schwer aufs Gemüt.
Laut Heulen bei Mondschein wurd ihm zur Qual
Sein Rudelchef meinte
er wär nicht mehr normal .
Und Hausarzt Dr. Wolfssohn
sprach, Ab ins Spital.
Drin lernte der Werwolf
um zu genesen,
Statt immer Netflix zu glotzen
viel mehr zu lesen.
Und er entdeckte, man weiß nicht mehr wie,
Heinz Erhardts Gedichte als Lachtherapie.
Die Wirkung der Verse war kaum zu fassen.
Schnell wurde der Werwolf wieder entlassen.
Das Rudel staunte, Du bist ja fröhlich wie nie.
Wie hieß denn die Wundertherapie?
Und unser Werwolf grinste ganz breit.
Das war kein Wunder, bloß Achtsamkeit.
Carsten Stephan: Eichendorff auf Abwegen
Wenn Blüten stille träumen
Im sanften Mondenschein,
Kann ich nicht länger säumen,
Ich wetz das Messerlein.
Im Lenze muss ich reisen
Wohl jede Nacht aufs Neu.
Manch Lieb lauscht meinen Weisen,
Noch jede blieb mir treu.
Des Tages Sorgen schwinden,
Von Nachtigallen schallt’s.
Beglückt schneid ich in Rinden
Und in den zarten Hals.
Durch sternbeglänzte Auen
Zum steilen Fels hinan!
Von drunten Äuglein schauen
Mich endlich selig an.
Wird sich Aurora heben,
Summt goldengrün es just.
So pflanzt der Frühling Leben
In jede müde Brust.
Claus Caraut: Reisen
Auf unsrer Erden Pfade
ich dereinst mich begabe,
den Kompass fest im Auge
und in der Hand den Stabe,
im Herzen Gottes Gnade.
Nach kurzer Strecke deuchte
der Berg wie ein Gesichte.
Bald hatt ich mich besonne:
wer wär es, wenn Gott nichte,
der derart gülden leuchte?
Am Gipfel ich verharre
und sende meine Blicke
gen Süden und der Ferne
und unerhofftem Glücke.
BÄM: da verreckt die Karre.
David Telgin: Blickwinkel
Ich reise
nach innen
Ich reise
nach außen
Ich reise
und bin
Nicht mehr
der ich war
Mein Blickwinkel
ist jetzt
ein anderer.