When it stops raining the bats begin to sing
And I’ll be born again with crystals in my skin
Forever bound to die and fragment into stardust
The Earth exhales my body in a lifeless collapse
I won’t take my Love on a trip to the Moon
He’ll pick up the violets waiting for my return
I’ll leave him down there, summer garden at noon
With my sign on his chest, in the Chamber of Doom
He’ll grow the fruits du mal of our abandoned romance
With his arms full of glass, he will build up a fence
He will bury his bird heart in the dark and cold loam
Stardust Goddess won’t leave her baby alone
Kategorie: Lyrik
Arabella Block – Der Garten
Ich bin mein Garten.
Gewachsen bin ich wild.
Hab einen Zaun um mich gezogen.
Allerlei in mir kultiviert.
Schön sollte alles aussehen.
Fruchtbringend sein.
Und gerupft, gerupft hab ich.
Kraut gerupft, ausgerupft und mit Lust
die Erde von den schmutzigen Fingern geschüttelt.
O Lust des Rodens.
Geschwitzt hab ich.
Und die Nacktschnecken gefürchtet.
Alles für die Ernte.
Die hab ich verschenkt.
Was soll’s,
hab ich dann zu den Kletten gesagt,
und sie wachsen lassen.
Hab das Kraut willkommen geheißen
und sein wildes Blühen.
Die Äpfel den Igeln auf die Stacheln gespießt,
zwischen die wimmelnden Flöhe.
Den Ameisen gewunken.
Die Brennesseln kultiviert
für das Gaukeln eines Falters.
Blüht auch ihr, ihr Brombeeren,
und die Heckenrosen,
zückt eure Stacheln,
wuchert und schützt den Zaun.
Er bewahrt die Ernte
für das Chaos in mir.
Arabella Block: Fernsehen
ganz nah
vor dem fern seher sitzen
der gar nichts sieht
nur meinen blick einfängt
der in vergeblicher langeweile
den horizont fokussiert
wo keine beute sich zeigt
doch hier springt es und zuckt
und ich starre dankbar
gedankenverloren
krallen eingezogen
blutgeschmack unter der zunge
satt und lasse mich treiben
lasse für mich sehen
und lasse mich leben
Harald Kappel: BlauWeißNahsehen
irgendwo am Meer
wo’s warm ist
Bewegungen der Körper
Lampe aus
Lampe an
zwei Farben begegnen sich
blaue Tablette im Magen flau
weiße im Glas
zusammengefügtes Warten
auf nassem Laken
im Zimmer
ein stummer Fernseher
die Wände voller geheimer Gedanken
draußen die Volksmenge
tobt
ein strömendes Grau
in Erwartung des Augenblicks
im Zimmer
Schneefall in der Wüste
draußen lärmende Mehrheiten
Bewegungen des Hauptstroms
im Zimmer
ein stummer Schrei
Harald Kappel: SchwarzWeißFernsehen
inmitten der Arbeit der Nacht
bade ich im Schwarzen Gold
die rauchigen Schlote
werfen Ungemach auf Unterwäsche und Laken
dunkle Schwerkraft
durchdringt unsere private Stille
das Dich und Mich
Käfer fallen im Novemberdunst
in die Kälte des nebligen Wassers
das letzte Grubenpferd lahmt
auf dem Heimweg
die Augen gewöhnen sich
an seine Langeweile
mein Fernseher schreit
in den meisten Ohren wächst wildes Grün
ich will es nicht hören
verdammter Mond
halbfertige Novembernacht
in den Kanälen rauschen Worte
erwartet
und blöd
ein dünner Draht
verbindet die Unterwelt
mit der katholischen Messe
in eigenen Binnenmeer
sprechen Fische
unerwartet
der Neubau der Sprache
hellt die seltsame Befindlichkeit auf
und ich sehe
in der Arbeit der Nacht
ungestrichene Sinnlosigkeit
nur
wer hilft dem Grubenpferd
auf dem Heimweg
zu sich selbst?
Du?
Ich?
nicht
Lea Schlenker: Tagesschau bleibt statisch
Zwei blaue Augen
klar wie Gletscherwasser
ich habe schon Messerstiche gefühlt
während ich auf deinen Ruf wartete
Die Sonne ist kostenlos
Die daraus resultierenden Geschehnisse
eher kostspielig
Ich möchte nachts draussen sein
Treffe dort alle Barkeeper und Dealer und Geschöpfe der Nacht
Und höre dein Rufen nicht mehr
Wenn ich dich nicht vergessen möchte
und das werde ich
eher früher als später
dann kratze ich jeden Morgen alle Erinnerungen an dich zusammen
was ich trug was ich sagte was du wolltest was ich nicht habe
und dass ich nie wieder die Bücher lese die du mir empfohlen hast
während ich Koffein auf schlechtem Magen trinke
ich sehe mich selber
den ganzen Tag im Pyjama und ohne Schokolade zuhause
schreibe in mein Motivationsschreiben
dass mich die Menschenrechtssituation in China ankotzt
Heute soll angeblich der heisseste Tag des Sommers sein
Ich mache die Augen zu und wenn ich wieder wach werde
Dann ist der Sommer verschwunden
Frank Zappa macht niemandem mehr Angst
Ich schreibe ein Gedicht
während im Hintergrund der Fernseher läuft
Ich wurde zwar einmal von einem Auto angefahren
aber was ich so aus den Nachrichten mitbekomme
ist schlimmer als alles was ich jemals erleben werde
Lea Schlenker: Astronomische Denkweise
77 Gedichte
gelangweilt aneinandergereiht
sie gleichen sich wie falsche Freunde
und leiten eine Katastrophe ein
ein Autounfall auf einer Seitenstrasse im Verzascatal
77 Deutschschweizer Touristen
sterben dumm beim Einparken
Ich habe gemischte Gefühle
wenn es um meine Familie geht
sehe meine Grossmutter unter Rosen
schön aber auch giftig
sehe meine Mutter in meinem Spiegelbild
schön aber auch gefährlich
77 Gedichte
lieblos in die Tastatur gehauen
ich kann nicht mehr einschlafen
ohne sie und dich und dem Wissen
dass ein Sextape von mir im Umlauf ist
Ich schaue es mir an
Ich vermisse dich
Ich weiss nicht
Ob Gedichte wirklich helfen
Ich weiss nicht
Wo mein Kopf aufhört und mein Herz beginnt
Ich weiss nicht
ob das Aufschreiben nicht alles nur noch schlimmer macht
ich habe schon sehr viele Freunde an die Wörter verloren
ausserdem
spüre ich die Laken nicht mehr unter mir
oder auf mir
viele Decken mit denen du dich bettest
sind fettig und alt und dunkelrot
Jupiter Mars Saturn
auf dem Badezimmerteppich
ausgelegt wie auf dem Bügelbrett
wie meine 77 Gedichte
bevor ich sie
aneinanderreihte
ich hole mal
das Telefon
Zeha Schmidtke: Ein Tag vor dem Abend
Ich lief durch die Felder und tollte
und streichelte zart einen Baum
er rauschte mir zu, dass er’s wollte
früh morgens und halb noch im Traum
Dann biss ich mich in fremdes Leben
und liebte und wollte doch fort
wer liebt, muss die Freiheit aufgeben
gebunden an Mensch und an Ort
Wir schworen bis mittags noch Schwüre
und gaben der Wahrheit dann Laut:
wär besser, wenn ich jetzt führe
ans Meer oder aus meiner Haut.
Ich ging, kreuz die Stadt, ihre Knoten
begegne dem Wahn und sei’m Sinn
sprech mit Lebenden, spreche mit Toten.
spür, wie müd und wie wach ich doch bin
Der Abend, der Körper braucht Ruhe
Kehre ein, find als Gast einen Platz
warmer Ort und ich öffne die Schuhe
auf dem Schoß schnurrt vom Gastwirt die Katz.
Zartheit, Suche, Flucht und Verwirrung
Bot mein Tag. Als ich von ihm sprach
zu dir. Sitznachbar. Zufallsbegegnung,
da fragst du, was ich eigentlich mach.
Denn da war gar nix dabei, was sich rechnet
und man muss auch was tun, was sich trägt
gern gehaltvoll, solang es Gehalt gibt
das dann das, was man schafft, auch belegt
„Komm, ich kauf dir was ab“, lacht und brüllt er
von der Lyrik, da fehlt es ihm eh
und dann wäre doch alles erfüllter:
seine Ehe und mein Portemonnaie
Einen Tag, nein, nichts halbes, wir tauschen
Wolkenkuckucks- und Eigenheim ganz
Er wird mit meinen Geistern plauschen
und ich leb einen Tag in Konstanz.
Und da lachen wir beide so traurig
wer ist Abel und wer ist jetzt Kain?
Katze leckt mir die Hand, doch die brauch ich
Außer: „Zahlen“ fällt mir nichts mehr ein.
Vincent Eivind Metzger: Feuerzeugklicken.
Feuerzeugklicken.
Flamme.
ich liebe den Moment
wenn der Rauch
wenn die Asche
in die Lunge zieht
wenn ich huste
wenn ich keuche
dann fühle ich mich
dann fühle ich mich lebendig.
Was ist Freiheit?
Freiheit ist
den Untergang der perfekten Welt
das Gefängnis zwischen Mensch und Tier
in meiner Lunge zu fühlen.
Freiheit ist den Tod zu fühlen.
Matt S. Bakausky: Frei sein
Freiheit ist ein Wort.