auf Grund
von…
Liebe
Krakelee
ich auf dem
Zettel
meine Worte so dahin
Das Magazin für Eigenart
auf Grund
von…
Liebe
Krakelee
ich auf dem
Zettel
meine Worte so dahin
Der Staub der Kanäle, das Wechselprogramm,
die Zeitschrift ein Muster für Taten und Drang:
du zappst durch die Stunden (erst vor, dann zurück)
inmitten des Raumes; was hast du doch Glück.
Ein Kind in den Armen, der saugende Mund
in einem Fahrzeug, ich suche dich und
nach einem Zentrum, einer Mitte, die Stadt:
ich fahre und fahre, dass Kind trinkt sich satt.
Alles unter einen Hut
kriegt die Krakin. Die hat’s gut.
Mit einem Arm spielt sie Klavier,
mit dreien kippt sie Bier um Bier
und mit den allerletzten vieren
kann sie fröhlich masturbieren.
Zum Kater sprach die Katze:
„Du putzt das Haus, ich ratze.“
Das tat er.
(Es war ein moderater
Kater).
Im Grase ruft die Schlangendame:
„Seht her, ich habe keine Arme!
Ein Glück. So kann ich gar nicht putzen,
keine Rosensträucher stutzen,
nie Socken ineinander knäulen
und dem Gatten keinen keulen.
Ich kann nur liegen, kriechen, krauchen
… und ab und an mal eine rauchen.“
Zum Hengst sagt die Stute:
„Hör mal, ich blute.“
„Wo denn?“ – „Im Schritt.“
„Igittigitt!“
„Es tropft da raus.“
„Genug! Schluss, Aus!“
„Kurz gesagt, ich menstruiere.“
„Das geht mir ganz schön an die Niere!“
„Es fließt und flutet, strömt und rinnt …“
„Ich bin hier gleich vor Ekel blind!
Könn’ wir nicht von was anderm reden?“
„Na gut. Es regnet heut in Schweden.“
„Puh, danke.“
Die Kuh, die lacht, der Bulle flennt:
So hat man sich im Stall getrennt.
Damit er wieder lächelt bald
zahlt sie ihm etwas Unterhalt.
Heute starb ihr zwölfter Mann – gezogen ihm des Lebens Stecker!
Die Schwarze Witwe flennt zu Gott: „Warum sind die Kerls so lecker?“
Herr Seepferdchen gebar ein Kind
und macht darum ein bisschen Wind.
„Hey Leute, ich hab krass gebärt!“,
bis es das halbe Meer erfährt,
„so hart gebärt! Gedrückt! Gepresst!
Mich vollgekackt und eingenässt,
und dann, nach dreißig Höllenstunden
kühn und gnadenlos entbunden!
Per Kaiserschnitt. Seht her, ich habe
‘ne geile Harry-Potter-Narbe!
Drum muss ich jetzt beim besten Willen
die nächsten 20 Jahre chillen.“
Unter dichten Nebeldecken
in geheimnisvollen Schluchten
hört man geile Tellerschnecken
mit viel Geschrei sich selbst befruchten.
aus: Ella Carina Werners Der Hahn erläutert unentwegt der Henne, wie man Eier legt (Kunstmann, 2025)
vater mutter kind kegel haus hund
vater mutter kind kegel haus hund
vater mutter kind kegel haus hund
kater futter rind schlegel haut huhn
pater luther sind flegel chaos kund
vater mutter kind kegel haus hund
water kutter wind pegel raus rund
dater butter find wegel laus mund
vater mutter kind kegel haus hund
mater vutter grind egel graus schund
zater zutter zind zegel zaus zund
vater mutter kind kegel haus hund
lager gucker bim efe paut lund
a e u e i e e au u
vater mutter kind kegel haus hund
wawe wuwwe wIw wewew wau wu
error error error error error error
vater mutter kind kegel haus hund
vater mutter kind kegel haus hund
(aus der Serie Rüstkammer-Phantasien, Blankosonett)
du schweigst im Schatten, Dasein, Vielgesagtes
ALT vor den der, im Kreis der Wirklichkeit
glänzt Altes neu und neues Umkehrbar
durchleuchtet und durchdrungen, Feinabrieb
der lieben Leiden Wiederholungsmuster
und Rüstzeug, um uns wärmer anzuziehen
erst gestern war es Frühling, heute Winter
geknickte Blumen und geknicktes Gras
schon glänzt das Altmetall in trauter Runde
Gouache-Grau und Bleistift auf Papier
den Winkel alter Taten neu zu leben
Traumfolge I: Rüstkammer-Phantasien
die von der Minne bis zur Muse reichen
sang schon die Nachtigall tandaradei…
Vergangen
Vorüber
Längst vorbei
Schnee
der vergeht
sagst du
Doch unter deinen Füssen
klebt der Matsch.
Die alte Postkarte
vom Meer
grüßt mit
verblasster Tinte
Mein Bruder
war dort,
vor Jahren.
Das Meer
verschlang ihn
lautlos in seiner Tiefe
Ich vermisse
ihn sehr.
Stirbt wer einsam, pflegt den Nachlass
Naake, braucht kein’ Dr. jur.,
Aber Herzblut und natürlich
Bunges Möbelpolitur.
Er putzt auch die Silberlöffel,
Staubt die Bücher ab konform,
Setzt sich in den Ohrensessel,
Dass die Kuhle bleibt in Form.
Des Verstorbnen dritten Zähne
Wollen nachts ins Wasserbad,
Tags der Krückstock auf den Gehsteig,
Droh’n dem Knaben auf dem Rad.
Äußerlich ist nicht die Pflege,
Sieht man hier, auch ideell.
Flott ertönt der Plattenspieler
Mit einhundert Dezibel.
Spielt Soldat am Wolgastrand er,
Ist Herr Naake obenauf,
Und in schönen grauen Schlüpfern
Frischt er Nachlassstreifen auf.
Hält die Uniform in Ordnung,
Eisern Kreuz am bunten Band.
All das zählt nun endlich wieder,
Weil’s des Glückes Unterpfand!
auf einem
Grauanstrich folgt
das Rot
vergangener
Tage,
wie das Salz
im Farbanstrich
unserer
T
R
Ä
N
E
N
nach
Jahren
in Luft aufgelöst…
Vergessen liegt in alten Kartonagen
vergilbt am Grau, dass sich erinnern will
erst war es still, dann hörten wir Licht krachen
nein, eine leere Dumpfheit war es, die
dazwischen Worte suchte, ein Geräusch
das etwas blechern und eintönig klingt
erwacht aus einem hohlen Farbenraum
der monochrom im Geisterhaften steht
nie wieder, hieß das Unscharf aus den Zweifeln
der Bruchstücke, die wie ein stummer Film
vorüberziehen und sich überschreiben
die alte Schreibmaschine macht klick klick
um aus dem Staub den Untergrund zu schlucken
der brach nach Lethe schmeckt im Morgenlicht…