Carsten Stephan: Froh begeistert, leicht gefiedert

Aus dreizehn Versen Mörikes

Und nun fliegt mit uns, ihr Pferde,
In den Braus der Meereswinde!
Mädchen! schlingt die wildsten Tänze
Und ein Heer gekrümmter Fische!

Dunkel wölbe sich die Wimper,
Unter uns vergeh die Erde!
Rudert! Wie der Kranich ziehet
Und die Wachtel dort im Fenster!

Durch die Lüfte zu dem Meere,
Querfeldein! Durch Qualm und Schwüle!
Und vor Freude trunken schwärmen,
Dazu liebliche Radieschen!

Carsten Stephan: November

Gelbgrün schwärt an graue Ufer Tang,
Kalte Regen sprühen in das Meer.
Möwen müde kreischend um sich her
Bringen Fischer ein den letzten Fang.

Mit dem Wind erstirbt der Männer Sang,
Ihre Schritte sind landeinwärts schwer.
Dann ist wieder alles menschenleer,
Nebel äsen fern am Kiefernhang.

Und den Wandrer fasst ein Schauder an,
Seine Glieder sind schon lang ertaubt,
In die Züge gräbt sich Elegie.

Treibholz schlägt ihm jählings an den Spann,
Kormorane stürzen auf sein Haupt,
Im Gerölle sinkt er in die Knie.

Carsten Stephan: Eichendorff auf Abwegen

Wenn Blüten stille träumen
Im sanften Mondenschein,
Kann ich nicht länger säumen,
Ich wetz das Messerlein.

Im Lenze muss ich reisen
Wohl jede Nacht aufs Neu.
Manch Lieb lauscht meinen Weisen,
Noch jede blieb mir treu.

Des Tages Sorgen schwinden,
Von Nachtigallen schallt’s.
Beglückt schneid ich in Rinden
Und in den zarten Hals.

Durch sternbeglänzte Auen
Zum steilen Fels hinan!
Von drunten Äuglein schauen
Mich endlich selig an.

Wird sich Aurora heben,
Summt goldengrün es just.
So pflanzt der Frühling Leben
In jede müde Brust.