Benjamin Weissinger: HOLZ BALANCE MIT [Estragonmilch] weitere Personen

In einer Klasse wird gefragt, was die jeweiligen Großeltern der Kinder besonders gut kochen oder anders zubereiten können – oder konnten. Als Ira als letzte an die Reihe kommt, fällt ihr nichts ein. Sie hat auch gar keine Großeltern. Da sagt sie halb in ihre Hand: „Estragon Milch“. Die Lehrerin ganz laut: „Was? ESTRAGONMILCH? Das kann ich mir ja garnicht vorstellen.“ Ira wird rot, die Kinder feixen, rufen „wäh“, diese Dinge. Doch die Lehrerin kniet sich zu Ira hin und sagt, dass sie es nicht böse gemeint habe und alles gut sei. Dann macht die Klasse mit etwas anderem weiter.

Als Ira mittags nach ihrem Hause eine Straße entlang geht, findet sie nicht, dass alles gut ist. Ich kann mich schon gar nicht daran erinnern, wenn einmal alles gut war. Und das mit der Milch war nicht die Wahrheit, aber etwas Erfundendes ist besser, als wenn man gar nichts hat. Da geht sie an der geöffneten Tür einer Kneipe vorbei, vor der ein riesiges Fahrrad steht. Innen hört sie einen gehörigen Händel und zersplitternde Holzmöbel. Schließlich kommt, ganz zerzaust, der drei Meter große Zimmersmann herausgewankt. Fast läuft er Ira über den Haufen, die sich vor lauter Staunen nicht rühren kann. „Huch“, brummt er, „pass doch auf, sonst walz ich dich noch platt.“ „Schön und gut, aber was war denn da drinnen los“, fragt Ira forsch. Ein Lächeln, das man nicht sehen kann, huscht über das grimmige Gesicht des Zimmersmanns. „Ach, nur ein kleiner Händel. Alles gut, mein Kind.“ „Ich heiße Ira und es IST NICHT ALLES GUT!“ Der Zimmersmann wird ernst. Nach einer Pause sagt er: „nein.“ Und: „hier, eine Kastanie“. Die Kastanie ist sehr groß, schön glatt und sieht als wie poliert, so wunderschön rotbraun leuchtet sie. „Darfst sie behalten, Ira. Hat mich gefreut, dich kennenzulernen. Ich muss los.“ Als der Zimmersmann gerade losfahren will, ruft Ira: „du bist doch sicher schon an vielen Orten gewesen.“ Er hält an und dreht sich zu ihr um. „Das will ich meinen.“ „Hast du schon mal Estragon M.. magst du Estragon?“ Der Zimmersmann nickt und Ira lächelt zufrieden.

Die Lehrerin hat sich zuhause Estragonmilch in einem Vergleich der Berge gemacht und befüllt ein HOLZ BALANCE MIT ESTRONG MILCH BEHANG VOLL in der zoterharensik und dort gekordelt in den sportkordelonmmnm. ESTRANK heißt das Gemank. Die Lehrerin denkt, mit dem Experment sei alles gut. Doch manchmal ist auch weniger schon Mut.

Benjamin Weissinger: Idee für Schlagertext

Titten in der Eierbaaahn/
Eier in der Tittenbaaahn/
Gelegentlich, unweigerlich/
Trapezartig, uneigentlich

Tiiiitten in der Eierbahn/
Eeeeeier in der Tittenbahn/
Angezogen, ungezogen/
Abgebogen, ungelogen

Titten in der Eierbaaaaaahn
Titten in der Eierbaaaaaahn
Titten in der Eierbaaaaaahn

UND ALDI GULASCH IMMER GULASCH
ALDI GULASCH IMMER GULASCH
LEGUANE, MEERESSCHWANE
JJJJJA!

Benjamin Weissinger: Parlamentsmoët

Statt 1 Parlamentspoet
brauchts hier 1 Parlamentsmoët
Genommen von den Reichen,
eingeschenkt den Armen- als Zeichen.
Dann Wohnung für alle,
Grundeinkommen.
Grenzen auf und Bleiberecht.
Dazu Kaviar vom Hecht Stör.

Benjamin Weissinger: Pflaumen

Musikalienhandel, später Nachmittag kurz vor Ladenschluss

„Guten Tag!“
„Guten Tag! Wie kann ich Ihnen helfen?“
„Och… ich schau mich erstmal ein bisschen um“
„Gerne 🙂 wir schließen zwar um 18 Uhr, aber ein paar Minuten haben sie ja noch 🙂 „
„Oh. Dann…komme ich doch lieber gleich zur Sache. Schauen Sie mal hier, was ich in meiner Tasche habe“
„…was ist das? Pflaumen!?“
„Eine Dose eingelegte Pflaumen. Sie fragen sich jetzt sicher, was ich damit in einem Musikladen möchte.“
„Ja, da bin ich gespannt.“
„Und zwar würde ich da 50 Euro für haben wollen. Aber wir können auch noch handeln.“
„Ich glaube ich verstehe nicht. Also wir…. „
„45!“
„Nein, also wir kaufen hier generell nichts an. Also noch nicht mal Instrumente oder Noten. Aber Konserven garnicht.“
„[wird ernst]…na gut, 40.“
„Ehm…es tut mir wirklich leid, aber ich kaufe ihnen diese Dose Pflaumen definitiv nicht ab!“
„… und das ist ihr letztes Wort?!“
„Ja, leider. Wir schließen jetzt auch.“
„[guckt auf die Uhr]…wir haben 17:57…drei Minuten habe ich noch“
„Das ist richtig, aber wenn sie…“
„Schauen sie mal. Ich öffne die Dose mit einem Dosenöffner, den ich dabei habe“
„Nein, bitte…“
„Warten sie es ab!“
„Hier drinnen bitte nicht essen.“
„Da, jetzt ist sie auf. Haben sie eine Tuba?“
„Tuba?! Großer Gott, bitte nicht. Jetzt weiß ich, wer sie sind. Wir dachten auf der Berufsschule immer, sie seien eine urban legend. Aber es gibt sie wirklich.“
„Hihihi. Und da hinten sehe ich auch schon die wunderschöne Tuba. Sie hätten mir die Dose abkaufen können, aber jetzt wird die Tuba mit leckeren Pflaumen gefüllt.“
„[rennt um die Pflaumenperson herum und stellt sich schützend vor die Tuba] Nein, das dürfen sie nicht!!!! Ich rufe die Polizei!!!“
„Das können sie gerne machen. Aber die Pflaumen kommen in die Tuba [setzt zum Wurf an]“

„Aaaaaaaaah“
„Oh Gott, Schatz, was ist los?!“
„Scheiße. Ich hatte wieder den Traum mit der Tuba und dem Kunden mit den Pflaumen“
„Hä. Das ist doch erst heute abend passiert. Wieso hast du denn dann schon mehrmals davon geträumt“
„Ich hab heute Nacht schon mehrmals das gleiche geträumt, die ersten Male hast du nicht mitbekommen.“
„Hach Mensch. War es denn so schlimm?“
„Es war diese Hilflosigkeit. Ich konnte nichts machen, stürzte ihm noch entgegen. Aber er muss eine unglaubliche Übung im Werfen von Pflaumendosen in Tubas haben. Voll rein.“
„Das ist nicht deine Schuld. Du konntest nichts machen.“
„Doch. Ich hätte mich sofort an die Geschichten über den Verrückten erinnern können, als er mit der Pflaumendose anfing. Aber erst als er Tuba sagte, klingelte es.“
„Ja, aber was hättest du machen können. Ihn angreifen und sie ihm abnehmen? Wer weiß, wie gefährlich der ist.“
„Ja, aber trotzdem…“
„Vergiss die Sache jetzt. Du weißt doch, der letzte Kunde ist immer der schlimmste. Morgen wird bestimmt ein ruhiger Tag. Und jetzt schlaf weiter.“
„Ich kann das Geräusch nicht vergessen. Dieses Scheppern von Metall auf Metall und dann dieses Glottergeräusch der raussuppenden eingelegten Pflaumen. Und wie er dann zu spielen begann, als wäre nichts geschehen.“
„Er hat auf der Tuba mit den Pflaumen drin gespielt?!?“
„Nein, auf einer unser Violinen. Die Havanaise. Recht gut sogar.“
„Und wann hast du ihn dann endlich rausgeschmissen?!“
„Gar nicht. Mir wurde alles zuviel, hab einfach den Laden hinter ihm abgeschlossen und bin nach Hause gerannt.“
„Er ist noch im Laden?????“
„Nein, er hat mit einer Pauke die Schaufensterscheibe eingeworfen und ist mir wie ein Irrer hinterher…“
„Oh Gott, und dann? Hast du ihn abgehängt?“
„Ja, er war ziemlich schlecht zu Fuß“
„Gott sei Dank. Was für ein scheiß Albtraum.“
„Und das alles morgen dem Chef erklären. Aber es hilft alles nichts, ich versuch noch ein paar Stündchen zu schlafen“
„Ja, genau, mach das. Ich mach uns mal ein bisschen das Fenster auf Kipp, frische Luft tut immer gut.“
(Von unten von der Straße hört man leise die Havanaise)

Benjamin Weissinger: Magie

Wahrscheinlich keine neue Idee, aber mir behagt gerade sehr die Vorstellung einer Kleinkunstbühne, auf der ein Hobbyzauberer (evtl Elias Hauck oder Paula Irmschler) steht, die/der das relativ spärliche Publikum fragt, ob jemand zufällig einen 50- oder 100-Euro-Schein habe, er wolle einen Trick machen. Daraufhin etwas Bewegung, Murmeln. Ein Vorwitziger ruft: „aber nicht verschwinden lassen.“ Ein paar Lacher, auch der Zauberer lächelt. „Nun?“

„Na gut“, sagt jemand aufstehend und zieht sein Portemonaie. „Oh, ich fürchte, ich habe keinen. Nur einen Zwanziger, geht das auch?“

„Mnee, oder sonst geht auch die Kreditkarte.“

„Wie, die Kreditkarte“

„Ja, ich mach dann was mit der Kreditkarte“

„Hä? Nee, das wird mir jetzt ein bisschen zu komisch“

“ 😐 „