Simon Ischebeck: Vom Irrtum und Gärten

Menschen (und andere Entitäten) irren sich häufig im Zusammenhang mit Gärten. Eine verbreitete Meinung ist die, dass ein Garten ein wunderschöner Ort sei, der Ruhe und Frieden verspricht. Schaut man jedoch genauer hin, erkennt man schnell, dass sich in Gärten seit jeher tragische, von Irrtum erzeugte Dramen abspielen.

Der paradigmatischste Irrtum weltweit trat im Garten Eden auf. Dort irrte sich Gott in der Annahme, dass es eine gute Idee sei, den ersten Menschen einen Baum mit köstlichen Äpfeln vor die Nase zu pflanzen, ihnen dann aber aus sportlichen Gründen zu verbieten, einen davon zu essen. Weil ER selbst jedoch Adam und Eva nun einmal als notorische Querdenker erschaffen hatte, die ständig „Out-Of-The-Box“ dachten und sich deshalb nicht an irgendwelche, ihnen sinnlos erscheinende Regeln halten konnten, war dies ein naiver Plan, der ja dann auch schnell scheiterte.

Anstatt seine eigene Annahme als allwissender Gott aber kritisch zu reflektieren, war ER stattdessen beleidigt und bestrafte die ganze Menschheit für SEINEN Irrtum mit ewiger Verdammnis zu einem Arbeitstag von mindestens 8 Stunden, und das meist ohne Homeoffice-Regelung.

Um diesem Irrtum ein mahnendes Denkmal zu setzen, entschied sich Steve Jobs später, als Logo seines Unternehmens einen angebissenen Apfel zu wählen.

Ein weiterer folgenreicher Irrtum, der viele Gärten bis heute betrifft, unterlief Zar Alexander dem Ersten. Er beschloss, dem Fürsten von Metternich anlässlich des Wiener Kongresses eine große Schale an Samen des kaukasischen Riesen-Bärenklau für dessen Garten zu schenken. Ein wahrhaft vergiftetes Geschenk, denn der Bärenklau ist bekanntermaßen überaus toxisch, wird über drei Meter hoch und breitet sich unaufhaltsam aus, wenn er erst einmal die Chance dazu bekommt. Mit den Mitteln der damaligen Zeit war die Pflanze nicht erfolgreich zu bekämpfen, sodass das Schloss des Fürsten bald in einem Meer von giftigem Bärenklau eingeschlossen war.

Fun Fact (wissen viele nicht): Der Fürst von Metternich konnte sich noch mit knapper Not aus seinem Schloss retten, seine Tochter jedoch wurde dort gänzlich vom Bärenklau eingeschlossen. Weil ihr dort so ganz allein schnell furchtbar langweilig wurde, trank sie den ganzen Sektkeller des Fürsten leer, woraufhin sie in einen 100-jährigen Schlaf fiel, aus dem sie erst 1915 von einem übergriffigen Prinzen wachgeküsst wurde. Diese historische Begebenheit wurde später von den zwielichtigen Brüdern Grimm für ihr Werk „Kinder und Hausmärchen“ verfälscht (Stichwort „Dornige Chancen mit Rosen“) und als angebliches Märchen deklariert.

Generell gibt es so viele aufregende Begebenheiten rund um das Thema „Gärten und Irrtümer“, dass in der Umgebung der Stadt Kevelaer findige Unternehmer auf die Idee kamen, einen sogenannten „Irrgarten“ zu erschaffen, den sie zu einem Themenpark namens Irrland ausbauten.

Dieser Freizeitpark am Niederrhein erfüllt dort heutzutage eine wichtige pädagogische Funktion für Familien, deren Kinder zu sehr von sich selbst und ihrer Meinung überzeugt sind. Die kleinen, missratenen Charaktere werden dort fachgerecht mit ausgeklügelter Schwarzer Pädagogik therapiert, indem man sie in ein kompliziertes Labyrinth aus Maispflanzen schickt, aus dem sie oft erst nach Stunden wieder herausfinden. Der Park musste aufwendig akustisch abgeschirmt werden, weil das Schreien und Weinen der herumirrenden Kinder die Anwohner des Parks traumatisierte.

Die Betreiber des Irrlands und das Ministerium für Kinder, Jugendliche und Familien in NRW versichern jedoch, dass diese Methode die betroffenen Kinder äußerst verlässlich von ihrem übertriebenen Vertrauen in vorgefasste Meinungen und Überzeugungen kuriert.

Matt S. Bakausky: Euphorie

Das ist Kokain
Ich bin mir sicher dass das Zucker ist, Mann
Zieh doch mal
Ich ziehe eine Line
Das ist nur Zucker, Mann
Später bestelle ich eine Familienpizza
Heinz wartet darauf, ich gehe pennen
Jeder hat Hunger auf das ein oder andere
Es war kein Kokain, es war Zucker
Und die Familienpizza kam nie an
Kein Kokain
Sondern Zucker war es
Keine Familienpizza
Sondern nur Hunger
Wir machen Sport
Mel und ich
Ich hab einen Steifen
Mel bekommt es nicht mit
Steve schon und lacht sich kaputt
Das war der mit dem Zucker
Euphorie und Wahnsinn ein paar Monate
Jemand schlägt mir die Brille von der Nase
Ich bleibe ruhig sitzen
Er schreit mich auf arabisch an
Rauchen, viel rauchen
Paff, paff, pass trotz Krone
Streit um Tabak
Irgendwann dann keine Euphorie mehr
Kein Wahnsinn mehr
Mucksmäuschen still bin ich
Ohne Gedanken
Jemand vergleicht mich mit Eckhart Tolle
Doch das ist kein Vergleich
Ich kann meine Wäsche kaum zusammenlegen
Im Waschsalon
Überforderung jetzt
Mit den kleinsten Dingen
Wie einkaufen
Abends esse ich nichts
Gehe früh schlafen
Kein bisschen Euphorie bleibt
Es ist alles sinnlos
Selbst das Schreiben
Schluss

Jörg Hilse: Helmuth- Ein Bericht

Es gibt Tage, da glaubt man das Gott schläft, längst in Rente gegangen ist, oder man kommt wie ich zu dem Schluss, das er wohl gar nicht existiert. 

Während des zweiten Weltkriegs gab es in Deutschland einen Jugendlichen , dem sein Glaube  zum letzten Halt wurde . Trotz der Tatsache, dass ihn  seine eigene Gemeinschaft für das was er getan hatte hinauswarf. Aber er konnte eben nicht anders, als seinen Mitmenschen sagen, das dieser „ Führer“ Adolf Hitler und seine Paladine Verbrechen begingen. Angeklagt, mit zwei Freunden selbst verfasste Flugblätter gegen das Regime verbreitet zu haben, wartete er nun in der Haftanstalt Berlin Plötzensee auf die Vollstreckung seines Todesurteils. 

Der letzte von ihm erhaltener  Brief , ging an die Familie Sommerfeld aus seiner Hamburger Gemeinde. 

Früher, wenn an den Sonntagen die Kirchenglocken zum Gottesdienst riefen, traf Helmuth die Sommerfelds bei den Versammlungen der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage wie sich die Gemeinschaft der Mormonen bis heute offiziell nennt. Auch seine Freunde Rudi und Karl Heinz kamen jeden Sonntag her. 

 Ohne leiblichen Vater aufgewachsen, fühlte sich Helmuth hier wie in einer Art Familie. Doch eines Tages, so um das Jahr 1938 herum begannen sich die Dinge zu ändern. Gemeindepräsident Arthur Zander strebte  nicht nur danach ein treuer Diener Gottes zu sein. Als gutes NSDAP   Mitglied wollte er selbstverständlich auch alle Weisungen seines  „ Führers“ pflichttreu befolgen. Und so hing eines Tages an der Tür des Hamburger Gemeindehauses ein Schild. „ Juden ist der Zutritt strengstens verboten“. Fassungslos und mit Tränen in den Augen stand der junge Solomon Schwarz vor dem Eingang. Warum spielte plötzlich die Religion seiner Eltern  eine Rolle , das man ihn nicht mehr zu den Versammlungen seiner Gemeinde ließ. Helmuth sah es und  begann nachzudenken. Nachdem der Krieg ausgebrochen war brachte sein Bruder Gerhard aus Frankreich ein Radio mit. Eigentlich war das Ding kaputt. Aber Helmuth reparierte es und suchte neugierig nach anderen Sendern als den drei üblichen im Volksempfänger. Auf ein Mal, relativ schwach hörte man etwas. Bumm, Bumm, Bumm, Bumm, hier ist BBC London, wir bringen Nachrichten in deutscher Sprache. Im heimischen Volksempfänger wurde in jenen Tagen noch fleißig gesiegt. Doch hier hörten sich die Geschehnisse schon anders an. Und Helmuth rechnete. Deutschland konnte gar nicht siegen. Eine moderne Armee brauchte für ihre Panzer und Flugzeuge jede Menge Treibstoff. Und den  würde man nur bekommen, wenn man weitere  Länder überfiel und ausraubte. Er musste mit Rudi und Karl Heinz darüber reden. Irgendwas musste man doch tun können um die Menschen zum Nachdenken zu bringen. Ein paar Abende später hörten die Freunde spät abends BBC und verfassten dann auf der Gemeinde- Schreibmaschine ihr erstes Flugblatt. Rudi und Karl Heinz steckten die Durchschläge in Briefkästen in der Nähe. Nur Helmuth war etwas waghalsiger. Als Lehrling in der Hamburger Sozialbehörde, besaß er einen Dienststempel mit Adler und Hakenkreuz. Den drückte er aufs Flugblatt und hängte es in einen Schaukasten für öffentliche Bekanntmachungen. Im Allgemeinen waren sie aber sehr vorsichtig. „ Niemand kann sich heute vorstellen wie gefährlich es damals in Deutschland war“ sagte Karl Heinz, der letzte Überlebende der Gruppe, später in einem Interview. Helmuth verfasste weitere Flugblätter. Nachts zogen die Drei los und verteilten die Abzüge. Eine Zeitlang ging auch alles gut, obwohl man längst nach  ihnen suchte. Scheinbar so gut dass Helmuth einmal Sonntags Karl Heinz zurief: „ Na, haben Sie Dich noch nicht verhaftet?“ Doch dann , Helmuth wollte eins seiner Flugblätter von jemandem ins Französische übersetzen lassen, flogen Sie auf. Die Gestapo holte ihn ab. Auch Rudi und Karl Heinz wurden kurz darauf verhaftet. Gemeindepräsident Arthur Zander muss entsetzt gewesen sein, das sich inmitten seiner Schafe ein solch vaterlandsloses Geschöpf befand. Erleichtert stellte er dann fest das im 12. Glaubensartikel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage der Satz stand: „ Wir glauben, das es recht ist Königen, Präsidenten und Obrigkeiten zu gehorchen.“ Auch am Hauptsitz der Gemeinschaft im amerikanischen Salt Lake City hielt und hält man bis heute, dies  für ein unabänderliches von Gott offenbartes Prinzip. Obwohl die Welt gerade zu spüren bekam , das  Deutschlands Obrigkeit aus Massenmördern  bestand.  Arthur Zanders Antrag den Bruder  Helmuth Hübener wegen des Verstoßes gegen den 12. Glaubensartikel zu exkommunizieren wurde  angenommen und der Ausschluss bestätigt. Man weiß nicht mehr ob Helmuth während der Haft davon erfahren hat. Er selbst schrieb in seinem letzten Brief an die Sommerfelds: „ Ich weiß das Gott lebt. Er wird der gerechte Richter in dieser Sache sein.“ 

Am 27. Oktober 1942, kurz nach 20 Uhr starb der 17 jährige Helmuth Hübener unter dem Fallbeil der Nazis. Stets um eine weiße Weste bemüht hob  man Helmuths Exkommunikation erst nach 1945 in Salt Lake City wieder auf. Innerhalb seiner Gemeinschaft ist er heute vergessen. Aber eine Straße und eine Schule in Hamburg sind nach ihm benannt.

Miriam Gil: Über die Austritte aus der katholischen Kirche

Das Fräulein Mandala und Herr Reinhardt sitzen im Cafe`mit Blick auf den Hauptbahnhof.

Turbulentes Treiben am Bahnhofsplatz. Menschenmassen durchqueren die lange Halle auf dem Weg zu den schnaubenden Zügen und Grüppchen von Pfandsammlern schleichen um die Mülleimer, aus denen leere Gebäcktüten quillen. Manche von Ihnen haben Taschenlampen dabei und Baumwollhandschuhe an, wenn Sie nach Dosen oder Flaschen suchen. Sicher landet die ein oder andere Bierflasche in den Tonnen doch ist der Andrang schlicht zu groß um am großen Bahnhof noch richtig Geld zu machen.

Geht der Eine kommt der Andere ein – normaler Passant kann die Uhr danach stellen.

Herr Reinhardt und das Fräulein Mandala sitzen in ihrem Lieblingscafe` am hinteren Rande der Wartehalle auf einer Empore mit Blick auf die ankommenden und abfahrenden Züge.

Vor Ihnen zwei Gläser Pastis und ein Aschenbecher auf der Mitte des Tisches der mit einem Tischtuch aus rot-weißen Karos bedeckt ist und auf dessen Mitte eine beige Kerze steht.

Das Wachs der Kerze ist an einigen Stellen auf das Tischtuch getropft und Herr Reinhardt zündet sich eine Zigarre an, bevor er einen kleinen Schluck der milchigen Flüssigkeit seine Kehle hinabstürzen lässt.

Er nimmt die Tageszeitung in die Hände und zitiert während er immer wieder auf die Reaktionen des Fräuleins achtet:

„Immer mehr Menschen treten aus der katholischen Kirche aus. Im letzten Jahr sind so viele Menschen ausgetreten wie noch nie zuvor. Die Deutsche Bischofs-Konferenz sagt: Es sind rund 523.000 Menschen ausgetreten, im Jahr 2021 waren es rund 359.000.

Mein wertes Fräulein hätten Sie`s gedacht?“

„Das sind viele Leute.“ Setzt das Fräulein an und fährt fort: „Ein Austritt gilt als Kündigung der Mindestloyalität. Andererseits muss man keine Kirchensteuer mehr zahlen ist man aus der Kirche ausgetreten. Wie verhält es sich bei den Evangelen?“

Herr Reinhardt blickt eine halbe Minute in die Zeitung, dann seufzt er und sagt:

„Auch viele.

Mindestloyalität was soll das schon anderes sein als das Geld, welches man an die Kirche bezahlt?

Kirchenrechtler sprechen davon, dass Deutschland sich stark verändern wird, dass beispielsweise kirchlich geführte Kindergärten verschwinden werden.

Was meinen Sie? Was sind die Gründe für die Austritte von über einer halben Millionen Menschen?“

Das Fräulein zuckt mit den Schultern.

Dann nippt es ebenfalls am Pastis und antwortet:

„Ich war nie gläubig. Religion erschien mir immer als überdimensionales Angstgebäude, dass beispielsweise einem in mittelelterlichen Verhältnissen lebenden Bauern die Missernte erklärte. Im Rahmen der Religion und im Namen Gottes geschieht so viel Leid, nein das war nie was für mich. Und erst der Umgang mit Schutzbefohlenen. Ich denke die Missbrauchsskandale und die Tatsache, dass die modernen Gesellschaften von moderner Technologie nur so strotzen widersprechen den Gläubigen an den alten Strukturen festzuhalten. In Zeiten der Inflation will man sein Geld zusammenhalten und keinen Verbrechern zuschustern.“

„Ich war auch nie sonderlich gläubig.“

Erwidert Herr Reinhardt und fährt fort:

„Moralisches und Ethisches Engagement wie beispielsweise das Kirchenasyl, -war nie anerkanntes gesetzliches Mittel. Es gab den Geflüchteten nur ab und an mehr Zeit um alle Mittel auszuschöpfen doch noch in Deutschland bleiben zu können und nicht in unzumutbare Zustände zurück abgeschoben zu werden. Ich las jüngst in einer anderen Zeitung, dass diese Hintertür der Menschlichkeit nun auch geschlossen werden soll ganz heimlich, still und leise. Fräulein glauben Sie denn an einen Gott unabhängig von kirchlicher Tradition?“

„Aber Herr Reinhardt was soll dieser Unfug?“

erwidert das Fräulein Mandala und schnaubt.

„Ich möchte wissen wovon ich spreche und mag wissen woher all das Elend rührt!

Glauben Sie denn noch oder denken Sie schon?“

Herr Reinhardt lacht.

„Ach, wertes Fräulein Mandala ich glaube an Menschen. Es waren immer ganz irdische Gestalten auf diesen Erden die mir halfen war ich in Not oder brauchte Beistand. Manchmal aber wenn ich den Sternenhimmel weit weg von der Lichtverschmutzung der Stadt erblicke dann überwältigt mich dies so dermaßen, dass ich meine mit dem All zu verschmelzen so schön ist das. “

„Ja. So schön ist das.“

Sagt das Fräulein und dann lachen beide.

ChatGPT feat. Ned F. McCowski – Feuerzangenbowle und Gott​

Gott sah zu, wie der junge Mann besoffen auf dem Weihnachtsmarkt herumtorkelte und immer mehr Feuerzangenbowle trank. Er schüttelte den Kopf über die Dummheit des Menschen, der sich selbst so viel Schaden zufügen konnte. Aber er schenkte ihm trotzdem seine unendliche Liebe und Hoffnung.

Als der junge Mann schließlich zum Callcenter ging, konnte Gott seinen Willen nicht ändern. Er sah zu, wie der Mann versuchte, einen Job zu bekommen, und er wusste, dass der Mann nicht die Stärke hatte, um erfolgreich zu sein. Aber er gab ihm trotzdem seine unendliche Liebe und Hoffnung.

Als der Mann endlich seine Chance bekam und seine erste Umfrage durchführte, beobachtete Gott das Gespräch. Er sah zu, wie der Mann versuchte, freundlich und höflich zu sein, und er wusste, dass er sein Bestes gab. Aber er wusste auch, dass der Mann nicht für diesen Job geeignet war.

Gott war traurig, als der Mann seinen Job nicht bekam, aber er wusste, dass dies nicht das Ende war. Er hatte noch viele Möglichkeiten und Wege für den Mann, um sein wahres Potenzial zu entfalten. Er würde immer für ihn da sein und ihm seine unendliche Liebe und Hoffnung schenken.

Vielleicht würde der Mann irgendwann in seinem Leben noch einmal Feuerzangenbowle trinken, aber er würde es mit größerer Vorsicht tun. Vielleicht würde er auch noch viele Fehler machen, aber er würde auch viele Chancen bekommen, um daraus zu lernen. Gott würde immer an seiner Seite sein, um ihn zu führen und zu unterstützen, denn er liebte ihn trotz all seiner Fehler und Schwächen.

Christian Knieps: Der Wanderer

Der Wanderer hatte sein Ziel fest im Blick und schien dennoch noch weit davon entfernt zu sein. Den Gipfel hinan richtete er seine Augen und wusste, dass er die alte Burg von dieser Stelle des Berges aus sehen würde. Als er endlich schnaufend und mit verausgabten Kräften sein anvisiertes Ziel erreichte, ließ er sich auf einen Steinblock nieder und schaute gen Sonne, die hinter der Burgspitze stand und das vor ihm ausgebreitete Tal hell erstrahlte. Durch die Wolken gleißte das Licht in verschiedenen Sphären und malte sonderliche Konturen auf den Boden und die Wälder, mal schattig, mal sonnig, aber immer mit einer raumgreifenden Helligkeit.

Langsam packte der Wanderer eine Wegration aus seinem Rucksack, trank etwas und begann, die mitgebrachte Wurst zu zerkleinern, als er unvermittelt den Kopf hob und etwas zu sehen bekam, von dem er bis ins Mark erschrocken zurückblieb. Aus der Sonne hatte sich ein gleißendes Etwas gelöst und auf den Weg zur Burg gemacht. Wie eine sanfte Feder sank dieses Etwas Richtung Burg nieder, leicht schwankend, sodass der Blick des Wanderers wie gebannt war.

Wie viele Minuten vergingen, konnte der Zuschauende nicht sagen; nach einer geraumen Weile stand dieses Etwas als leuchtender Punkt über der Burg und schien zu warten. Worauf, das wusste der Wanderer nicht, aber als die Sonne hinter der Wolke hervorkam und das Tal vollends bestrahlte, verband sich dieses Etwas mit der Sonne und gab die Strahlkraft weiter an die Burg, sodass diese hell erleuchtete.

Der Wanderer war fasziniert von dem Schauspiel, das nach einer schieren Unendlichkeit zu Ende ging. Die Wurst hatte er immer noch in seiner Hand und ließ sie auf dem Platz liegen, packte seinen Rucksack und machte sich auf den Weg ins Tal. Dort angekommen hörte er von einer alten Frau, die sich mit einer anderen unterhielt, wie die Prinzessin, die in der Burg lebte, vor wenigen Stunden ein gesundes Kind geboren hatte. Plötzlich war dem Wanderer bewusst, dass er etwas erlebt hatte, das nicht für seine Augen bestimmt gewesen war, das aber ab nun ein Teil seiner eigenen Legende sein würde.

ChatGPT feat. Ned F. McCowski: Wandern

Ich stehe am Fuße eines Berges und blicke auf die wunderschöne Landschaft. Die Sonne scheint und der Himmel ist strahlend blau. Ich atme tief ein und aus, spüre die frische Luft in meinen Lungen und das Gras unter meinen Füßen. Dies ist das Wandern, das ich liebe.

Ich erinnere mich an einen Winter, als ich mit meinen Kommilitonen einen kleinen Spaziergang machte. Wir kamen auf den Wintermarkt und dort gab es Feuerzangenbowle. Ich hatte es noch nie zuvor probiert, aber es schmeckte eigentlich ganz gut. Wir tranken Runde um Runde, bis wir nur noch zu dritt waren. Ich hatte kein Geld mehr, aber ich lieh mir noch etwas aus, um ein weiteres Getränk zu kaufen.

Später erinnerte ich mich daran, dass ich ein Bewerbungsgespräch bei einem Callcenter hatte. Als ich ankam, war ich schon mit ein paar anderen Bewerbern im Raum. Wir bekamen eine Führung durch die Etage und wurden dann in einen Raum gebracht, in dem ein Computer mit Headset stand. Wir sollten unseren ersten Anruf tätigen.

Ich nahm Platz hinter dem Computer und wartete, während der erste Bewerber das Gespräch führte. Dann war ich dran und ich las den Text ab, freundlich und höflich, wie es mir gesagt wurde. Das Thema war ein Katalog und die enthaltenen Marken. Am Ende des Gesprächs klopfte mir der Mitarbeiter auf die Schulter und sagte, dass ich eine große Zukunft in dem Unternehmen hätte.

Aber dann wurde mir plötzlich übel und ich musste mich übergeben. Ich bekam den Job letztendlich nicht, aber ich habe daraus gelernt und seitdem nie wieder Feuerzangenbowle getrunken.

Jetzt stehe ich hier auf diesem Berg und ich bin dankbar für diese Erfahrung. Es erinnert mich daran, dass man manchmal Fehler macht, aber dass man daraus lernen und wachsen kann. Und jetzt genieße ich das Wandern, das mich daran erinnert, wie schön das Leben sein kann, wenn man es einfach nur genießt.

Angelika Jodl: Wandern

Drei deutsche Touristen haben einen Individualurlaub in China gebucht. Höhepunkt ist eine Wanderung auf der Großen Mauer. Aber von Anfang an ist die Stimmung angespannt. Die schöne und verwöhnte Didi geht davon aus, dass grundsätzlich jeder Mann für sie zu haben sei und hat in diesem Urlaub bereits mehr mit Theo, dem Mann ihrer Freundin Alicia geflirtet, als der Stimmung in der Reisegruppe gut tut. Außerdem gefällt ihr der chinesische Reiseleiter Lai und sie geht davon aus, dass die Zuneigung gegenseitig ist, obwohl man sich in keiner Weise verständigen kann. Und nun geht es hinauf zur Mauer.

Am Eingang zum Parkplatz schlichtete ein älteres Männlein Waren auf einen wackeligen Klapptisch. Fellmützen mit rotem Stern, Sonnenhüte mit darauf applizierten dicken Pandabären aus Stoff und lageweise T-Shirts mit dem Aufdruck I climbed the Great Wall. Als er sie sah, bückte er sich zu einer Kühltasche am Boden und förderte drei Dosen ans Licht. „Look-a!“, kläffte er, „Cool-a water!“
„Also irgendwie ist das schon …“, sagte Didi.
„Es ist einfach, wie es ist“, sagte Alicia, ohne zu lächeln.
Didi beschleunigte ihren Schritt, sie wollte mit all diesen Neppern, den jaulenden Krämerseelen hier nichts zu tun haben. „Ich finde es wirklich daneben. Es zerstört so viel von der Atmosphäre hier.“
„Cola!“, rief ihnen das Männlein hinterher. Und als keine Antwort kam: „I lemember you!“
„Klingt ja fast wie eine Drohung“, sagte sie und lachte kurz auf.
Sie fuhren weiter. Dann machte die Teerstraße einen Knick, der Bus hielt an. Eine Ziegelmauer, eine schmale Tür. Lai stieg als erster aus und schloss sie auf.
„Hier beginnt unsere Wanderung“, sagte Elias. „Wir füllen nur noch Wasser auf. Und Sie können sich noch einmal erfrischen, wenn Sie wollen.“
„Wo sind wir?“, fragte Didi.
Dann sah sie Lais Lächeln und verstand: Dies war sein Zuhause! Neugier und Aufregung verschlugen ihr den Atem. Wie lebte dieser Mann? Was sah er zuerst am Morgen, zuletzt am Abend? Sie betrat einen Innenhof aus Beton, dann einen großen, kahlen Raum mit zwei Schmuckstücken: ein riesiges, holzgerahmtes Barometer und ein Flachbildschirm. In der Ecke stand ein großer Kang aus Ziegelsteinen, bedeckt von einer dünnen Steppdecke. Ein Geruch schwebte in der Luft, den sie nicht kannte – Mottenkugeln? Sie hatte irgendetwas erwartet, das bunt war, eine aufregende Geschichte erzählte, sie spürte ein Ungenügen in diesem Raum und empfahl sich selbst, einfach abzuwarten, was weiter käme.
Sie betrat den Waschraum. Auch hier war alles kahl – an der Wand hing ein Schlauch, im Boden gab es einen Gully, sonst nichts. Kein Spiegel. Sie spritzte sich Wasser aus dem Schlauch ins Gesicht, spülte sich den Mund aus. Wie gern hätte sie ihr Haar überprüft! Flüchtig dachte sie an eine Freundin ihrer Mutter, die seit Jahren ihre Sommer mit einem deutlich jüngeren „Freund“ in Marokko verbrachte. Durch die dünne Betonwand hörte sie ein sanftes Grunzgeräusch, irgendwo musste hier auch noch ein Schwein leben. War sie auf einem Bauernhof gelandet?
„Herr Lai ist Farmer?“, hörte sie Alicia sagen, als sie ins Freie trat.
Im gleichen Moment fuhr in großem Schwung auf einem Moped eine Frau herein, eine Chinesin mit zinnoberroten Backen. Lai lächelte. Elias sagte: „Herr Lai stellt Ihnen seine Gattin vor.“
„Oh! Hallo!“, sagte Didi mit warmer Stimme. „Was heißt bitte Hallo auf Chinesisch, Elias?“
War sie enttäuscht jetzt? Aber wieso denn? Es passte doch alles zusammen: Ein chinesischer Bauer. Natürlich war er verheiratet.
Die Frau lächelte schüchtern. Das Rot auf ihren flachen Wangen war so intensiv, als wäre es ihr aus dem Tuschkasten in zwei Kreisen aufgemalt worden. Plötzlich ergab alles hier einen sehr banalen Sinn: die schmucklosen Räume, der Geruch nach Mottenkugeln, sogar das Schwein. Sie spürte, wie etwas Giftiges in ihr zu brennen begann.
Ein Telefon läutete. Lai sprach mit jemandem, nickte, „dui, dui, dui“, sagte er.
Die Frau brachte Reis, Suppe und Essigfrüchte.
Ihr Gepäck ließen sie in Lais Haus zurück. Zu fünft hatten sie Lais Haus betreten, zu sechst verließen sie es: die drei Reisenden, ihre beiden Wanderführer und die chinesische Bäuerin, Lais Frau. Jeder von ihnen trug einen Rucksack. Gleich hinter Lais Haus führte ein schmaler Trampelpfad vorbei an Obstgärten, an Feldern mit Auberginen und Mais. Sie passierten einzelne Gehöften, vor einem standen nebeneinander angebunden ein Esel und ein deutscher Schäferhund. Der Esel schaute ihnen gleichmütig hinterher, während der Hund sich in irren Zorn hinein kläffte, an seiner Leine im Kreis sprang, bis er sich fast überschlug. Dann erstreckten sich ineinander fließende Ebenen vor ihnen, Kiefern mit horizontal ausgebreiteten Armen, fette, wächserne Magnolienblüten und zwischen all dem wogenden Grün winzige weiße Blüten. Immer wieder neu tauchten sie auf, tüpfelten das Bild, ein ausgelassener, flirrender Pointillismus.
Mit jedem Schritt wuchs die Unruhe in ihr und der Groll. Sie verstand nicht, warum diese Frau mit ihnen ging. Auch sie trug einen Rucksack, sie stapfte dicht neben Lai. Das war ihr gutes Recht natürlich. Dennoch fühlte Didi sich betrogen. Was wollte die hier? Mit ihnen hinauf auf diesen Aussichtsturm?
Sie hielten vor der Ruine eines Turms.
Elias übersetzte: „Herr Lai sagt, von solchen Türmen wurden früher Warnsignale wegen der Mongolen gegeben. Mit schwarzem Rauch, den man …“ – er sprach kurz mit Lai, nickte – „mit Wolfsscheiße hergestellt hat. Man hat Wolfsscheiße verbrannt.“
Woher will er das eigentlich wissen, dachte sie. Er ist ein Bauer. Das Gefühl betrogen worden zu sein, brannte in ihr. You never can trust them!
„Wieviel verdient Herr Lai?“, fragte Theo.
„Für so eine Tour ungefähr zweihundertfünfzig Yuan“, sagte Elias nach kurzem chinesischem Hin und Her. „Vor dieser Arbeit hat er ein paar alte Wehrtürme restauriert. Er hatte die originalen Baupläne, er und seine Leute haben die Steine dafür auf die Mauer geschleppt.“
„Ah“, sagte Lai in die kleine Pause, die entstanden war. Er legte eine Hand auf den bröckeligen Stein und sprach leise auf Chinesisch.
Sie wollte Elias fragen, wie man als chinesischer Bauer an Originalpläne der Großen Mauer kommt, aber da übersetzte der Bulgare schon wieder: „Als sie fertig waren, hat der Staat den Mauerabschnitt an die Stadt Chengde verpachtet.“
Während Elias sprach, blickte Lai zu Boden, seine braunen Finger tasteten den Stein ab. Es sah aus, als würde ein Tier einen ruhenden Kameraden beschnüffeln.
Theo räusperte sich. „Elias, sag ihm, es bleiben trotzdem seine Türme.“
Elias übersetzte, Lai lauschte mit schief geneigtem Kopf, äugte von einem zum anderen. Dann löste sich seine vorsichtige Miene, er lächelte wieder. „Okay, okay, okay, okay.“
Und das quälte sie mehr als alles andere.
Elias schien einen Vortrag zu halten, während sie gingen. „Ming-Kaiser“, hörte sie, „… Mörtel aus Klebreis … gebrannter Kalk.“ Er trug wieder sein hellblaues Flatterhäubchen. Es umrahmte sein rundes Gesicht wie ein Schutenhut. „Viele hunderttausend Tote“, sagte er.
„Und die liegen hier alle unter den Mauersteinen?“, fragte Alicia.
Auf dem Hügel neben ihnen trabte als ferne Silhouette eine Reihe von Menschen bergauf. Sie schienen Lasten zu schleppen. Mit einem kurzen, verlegenen Winken löste sich Lais Frau plötzlich aus ihrer Gruppe und schlug einen anderen Weg ein.
Didi starrte ihr hinterher. Die Frau ging einen strammen Schritt, einmal griff sie hinter sich, um ihren Rucksack besser zu positionieren, ein Stück Stoff rutschte aus einer Seitentasche hervor und flatterte rot leuchtend neben ihrem Hintern. Die Frau bemerkte es, fasste mit der Hand danach, zog den ganzen, langen Schal heraus, zerknüllte ihn mit einer Hand und stopfte ihn sich, während sie weiter ging, in die Hosentasche. Didi sah das und begriff: Die Leute dort auf dem Hügel waren jene unsäglichen Verkäufer, die auf Touristen auf der Großen Mauer lauerten („Buy-a postcaad! Buy-a silk-a shawl-a“, T-Shirt-a!“) und Lais Frau war eine von ihnen.
Deshalb also hatte er sie in sein Haus zu seiner Frau geschleppt – nur damit sie sich später verpflichtet fühlten und ihr später etwas von ihrem Flitterkram versilberten! Ihre Empörung wuchs und wuchs.
Didi beschleunigte ihren Schritt. Sie wollte neben Alicia gehen. Alicia hatte das zu lösen. Alicia kannte doch alle Härten des Lebens. „Hör mal!“, sagte sie keuchend, der Weg wurde schon steiler, „findest du nicht, dass das hier zu weit geht?“
„Was genau meinst du?“, fragte Alicia. „Die betrügen uns!“
„Wer betrügt hier wen?“
„Ich finde, du … ich meine, wir sollten uns beschweren. Hast du das denn nicht mitbekommen? Diese Frau …“
„Beschweren?“
„Wozu wohl hat man uns heute auf diesen Bauernhof gebracht? Unser Gepäck haben wir doch schon im Guesthouse geparkt. Da hätten wir das Wasser genauso gut auch dort tanken können. Aber nein …“ Sie begann zu keuchen, die hohen, steifen Gräser, durch die sie schritten, kitzelten und stachen sie in Unterschenkel und Kniekehlen, sie entdeckte einen großen, schwarzen Käfer auf ihrer Schulter und schlug hastig und wild danach. „Wir hatten einen Guide bestellt. Was bekommen wir? Zwei – wie tauchen die wohl auf der Abrechnung auf? Jetzt dieses Farmhaus – woher weißt du, dass sie uns nicht da noch eine Übernachtung dazu berechnen? Sie schneiden überall Geld! Hast du damit gerechnet, dass wir für jeden Schritt nach draußen hier noch mal extra Eintritt bezahlen müssen?“ Ihr Gesicht flammte. Mit jedem Wort, das sie sprach, loderte die Wut höher. Nein, sie wollte sich nichts mehr gefallen lassen. Viel zu lange schon hatte sie immer wieder genickt, begütigt, gelächelt, damit war es jetzt vorbei!
„Und was gedenkst du zu tun?“ Alicia blieb abrupt stehen und wandte ihr das Gesicht zu. Der Schweiß glitzerte darauf und färbte ihre Sommersprossen dunkel.
„Ich? Du! … Oder … wir! Wir beschweren uns.“
„Bei wem?“ Mit der flachen Hand wies Alicia in das Panorama um sie, das Berge umfasste, Bäume, Gräser.
„Wir schicken diesen Nepper nach Hause.“
„Lai??“
„Wir geben ihm seine – was hat Elias gesagt: zweihundertfünfzig Yuan? – Und schicken ihn nach Hause, bevor uns hier noch mehr Überraschungen serviert werden.“ Kaum hatte sie es ausgesprochen, als sich ihr Herzschlag beruhigte.
„Lai ist kein Nepper“, sagte Alicia.
Was sollte sie darauf antworten? Sie hatte alles gesagt, sie atmete ganz gleichmäßig.
Elias, Lai und Theo hatten aufgeholt. „… geglaubt, man kann die Mauer vom Mond aus sehen“, sagte Elias, „aber …“
„Na?“, fragte Theo. „Schon müde?“
„… aber das stimmt nicht“, vollendete Elias seine Erläuterung.
„Elias, können Sie bitte Ihrem Kollegen etwas übersetzen?“, begann sie. Sie freute sich. Gleich käme der Schlag, das Ende, die Erlösung.
„Didi, du bist verrückt!“, fuhr Alicia sie an.
Sie beachtete sie nicht. „Wir möchten gerne auf Herrn Lais weitere Dienste verzichten. Vielen Dank für alles. Hier …“ – sie kramte in ihrem Brustbeutel – „… hier ist sein Geld und damit kann er jetzt bitte gehen.“
„Aber was …?“, begann Elias.
Alicia fiel ihm ins Wort: „Didi, reiß dich zusammen! Wir sind hier irgendwo in der Wildnis, keiner von uns kennt …“
„Wir haben Elias!“ Sie wollten sie alle nicht verstehen. Didi schloss die Faust fest um die drei Geldscheine. Sie öffnete sie, machte einen Schritt auf Lai zu und drückte ihm die Scheine in die Hand. „So! Jetzt ist es aber klar, ja? Good bye! Au revoir! Zaijian!“
Lai sah sie aus staunenden Augen an.
Elias sagte etwas auf Chinesisch.
„Ah“, sagte Lai, er senkte den Kopf, hob ihn wieder, dann drehte er auf dem Absatz um und ging mit schnellen Schritten den Weg zurück.
„Er geht!“, rief Alicia. Auch sie griff nach ihrem Brustbeutel. Sie lief hinter Lai her, holte ihn ein. Keiner der beiden blieb stehen, sie gingen weiter, Alicia halb hinter dem Chinesen, sie sprach wohl mit ihm, gestikulierte. Dann kehrte sie zu ihnen zurück. Sah Theo an, Elias und schüttelte den Kopf.
„Gehen wir weiter?“, fragte Elias schließlich.
„Deshalb sind wir ja hier“, antwortete Didi. Dieses Gefühl war unbeschreiblich köstlich. Sie ging weiter den Pfad hinauf, schritt aus. Ein heller Schmetterling taumelte vor ihr her. Nach der nächsten Biegung zeigten sich in dem wolligen Grün der Hügellandschaft einzelne Stellen aus Geröll oder nacktem Stein. Darüber schwang sich graues Gebirgsmassiv.
Oben, auf dem gezackten Bergkamm kroch die Mauer dahin wie ein langes, rötliches Reptil.