Köchel, reduziere,
püriere, passiere,
köchel,
lass ruhen und dann
nimm das restliche
Wässerchen
obenauf
filtriere, kläre die pure
Essenz
und sprühe den Juice auf
die Zungen
der Gäste
Ahhhh!
Tomate
pur
Kategorie: Lyrik
Stefan Veiths Restaurant Gargantua: Neujahrsmenu für 2022
Gargantua serviert heute
Josefa Tabernagels Future Dish aus dem Jahre 1880,
welches sie damals bereits aus dem outer space hinterm Mond einigen dort lebenden Dinosauriern zu Neujahr servierte
Windradgeschnetzeltes oder Cyberfilet vom Ahornfisch
im selben Sud 3 Tage lang gebadet (Ahorndrosselschleim, oder Narzissenschnaps, Weinerliche Pferdetränen), von einem Öko-Narzisten angerührt und in unglücklicher Tönnieskuhbutter gesäuert.
Gersten/Emmausnudeln mit Semmelbrösel, dazu einen Dahammerden-Salat
Zum Nachtisch reichen wir einen zwetschgenverschnapsten Adamsapfel plus geeister Veganersahne (egal ob Hafer oder Koko-Lores)
Dazu trinken wir einen kalten Kaffee aus Grönland.
Wohl bekomms!
Benjamin Weissinger: Parlamentsmoët
Statt 1 Parlamentspoet
brauchts hier 1 Parlamentsmoët
Genommen von den Reichen,
eingeschenkt den Armen- als Zeichen.
Dann Wohnung für alle,
Grundeinkommen.
Grenzen auf und Bleiberecht.
Dazu Kaviar vom Hecht Stör.
Lutz Senneberg: Die Orgel
Ich bin der Nebel,
Du bist der Giebel,
Ich Spiele am Hebel,
Du liest in der Fibel.
Ich zupf an der Leier
Du drehst an der Orgel,
Machst Suppe aus Eier,
Ich dünste nen Geier.
Du machst täglich Sport,
Ich bewege mich kaum,
wechselst ständig den Ort,
ich bleibe im Raum.
Auf Orgel gibt es keinen Reim,
Das les ich jetzt als Zeichen:
Denn unsere Liebe soll nicht sein,
Muss deiner Orgel weichen.
Hanne Mausfeld: mit weitblick
wegbeamen
unnötig
in wärme lüfteln und
in wilden wolkenwelten
voller kumulus
wann immer wellen schlagen
liebend auf schaumkronen tanzen
auf himmelspferden gallopieren
im eigenen Kämmerchen
wohlwollend
auch zum selbst
das geistige lotterbett
nicht besudeln oder
maßstab
sein lassen
für blaue Stunden
wer weiß wo
Lea Schlenker: Aprikosenmänner
Ich lebe
Ich wohne in einem Kino
Lach nicht
Von Xanadu und Rosebud
Und wehende Blätter in lautloser Perfektion
Fülle ich meine Einkaufstaschen
Mit königsblauem Samt
Cinema
Für zwölf Franken
Und einer Videothek
In der ich alte Männer in verlorener Manier antraf
Hey ihr Aprikosenmänner
Jetzt kommt die Zeit
In der sich für euch alles ändert
Im Cinema
Meinem Zuhause
Nahm ich Platz auf staubigen Sitzen mit Butterflecken
Mein Vater war Ticketkontrolleur
Und meine Mutter das Stunt-Double von Grace Kelly
Immer nur Tee ist doch langweilig
Ich möchte ausnahmsweise mal Cherry Coke trinken
Und in Hollywood sein
Ich wurde geboren auf einer Filmrolle
Und werde auf meiner Schreibmaschine sterben
Mit Greenwood in den Ohren und dem Gedanken
Dass der Bundesrat hätte schneller reagieren können
Fuck 2021
Oder –
–
Oder wir heiraten
Tanzen auf dem Tisch
An den Schuhen matschige Bananen
Bis wir umfallen und uns das Genick brechen
Ich rufe an
Aus meinem Kino
Versprochen
Sobald ich einen Ort gefunden habe
An dem ich Empfang habe
David Telgin: Einraumwohnung
Wohnzimmer
Schlafzimmer
Miniküche
In einem Raum
Auf 16 qm
verteilt
Das Leben
Aber wo ist
noch Platz?
Harald Kappel: Gedächtniskirche
David Telgin: Zurück
Trauer
Tränen
und Abschied
Verlust
Schmerz
und Loslassen
Dein Weg
aus der Dunkelheit
Stufe
für Stufe
Findest du
Zurück
In dein Leben
David Telgin: Trauer
Der Atem
bleischwer
das Kleid
Trauer
die dich
in die Tiefe reisst
Im Dunkeln
suchst du
nach Licht