auf den schweren
Feldern der Stadtluft
sinkst du hart
wie ein Stein
in den Boden
um zwischen dem
Gehweg und Kanten
zu winkeln || Licht
Schlagwort: bastian kienitz
Bastian Kienitz: Der alte Mann und das Meer
Er fuhr hinaus, seit Wochen ohne Glück
und wie ein altes Lied bewegte sich das Meer
mal stumm, dann wieder stürmisch und zurück
auf Festland bleibt sein Boot bescheiden, leer.
Von nichts lebt es sich wahrlich nicht zu Mund
und dieses Unglück kommt auch nicht von ungefähr
so sagt man sich und gibt so allem einen Grund.
bis er den größten Fisch an seiner Angel hat
und dieser Fisch ist Wurzelwerk, die See und
bis zu seinem Ende – er und eines Endes statt…
Bastian Kienitz: SOL
im Augenblick zählt das Licht, die Sekunden
verlangsamen sich auf dem Flächenquadrat
in einem Raum zu dem Raum voller Größe
den deine Augen schlussendlich erfassen
hier rückt das Bild von dir selbst in das nächste
gekritzelte Stück deiner Schaffenskraft
wo deine Sonne kein Licht mehr benötigt
bist du bereits bei dir selbst und ganz nackt
für das gefrorene Meer, das von außen
setzt du den Fluss in Natté weiter ab
und mischst den Malstift zum Grau dieser Wüste
die uns umringt, jetzt wirkst du sentimental
und klopfst an die Tür, der Tür deines Herzens
mit dem du fliegst, wenn du losgelöst bist
Bastian Kienitz: TAUROMAQUIA DE NAVAS DEL MADRANO
(dt. Stierkampf von Navas del Madrano)
der rote Mond auf deinen leisen Lippen
ist eine Sonne bruchscharf schräg am Fell
du hast mich ausgeweidet, leergetrunken
im ersten Akt der Szene wunder Punkt
Beton gerührt und Kreide ausgegossen
mit Öl gemischt und schwarzem Brückenteer
der auseinanderbrach als wir Staub schluckten
im roten Regen alter Winterschwäche
jetzt taut man auf und schwitzt schweißbadend Lunge
im Happening Electric De‘-coll/age
der Adler fliegt die Sense | Katastrophe
Raum contra Müll und Schnee, der leider fehlt
um eine Abfahrt in das Licht zu wagen:
mors certa, Tod an einem Nachmittag…
Bastian Kienitz: 7000 Eichen
Flu wie fluide Mauern, die durchbrechen
den Stadtpark in zwei Hälften: Raum und Zeit
das Wachstum in den Mittelpunkt zu rücken
ich denke an Natur und fühl mich frei
den Baum als erstes in mein Herz zu schließen
klopft tropfend Regen durch den Blätterwald
und Wundersamen: Worte, die mir fehlen!
wenn alles Naturell natürlich bleibt
es war einmal ein Flügel, der jetzt kracht
bis er die Flügel FLUXUS wiederfindet
Ton wird geschliffen, bis dort nichts mehr ist
als Staub, Flut und Gezeiten in der Kunst
sich selbst entfesselt weiter zu bewegen:
ein Satz führt dieses Haiku ins Gebet…
Bastian Kienitz: Zimmer in New York
er liest, sie klimpert lautlos Farben, sieht
die leisen Töne auf der Tastatur
es fühlt sich fast gelangweilt an und nur
ihr Herz schwingt nah am Flügel, denn es fliegt
soweit das Auge reichen kann. er liest
gebannt im Sonntagsblatt, schaut auf die Uhr
und sagt beiläufig, sicher, yes and sure
wenn er die Grafiken der Börse sieht
sie träumt sich seufz, er soll mich hier und jetzt
auf diesem Stuhl oder dem Tisch, zerfetzt
entweder schnell das Kleid, das Zeitungsblatt
ich bin es leid, ich habe ihn so satt
wenn er nicht gleich auf meinen Tasten spielt
zumindest aufblickt und mein Kleid ansieht…
Bastian Kienitz: SPIRITS THROUGH TIME IX
und suchst du mich in jenen Geistern wieder
wirst du nichts finden außer Staub und Ton
in meinem eigentlichen Für-Befinden
zu sagen, was ich denke, ist nicht neu
den Zeitgeist Heute klar zu definieren
der dich von einem Trend zum andern schickt
damit wir Mode gleich uns modisch fühlen
und angekommen sind im Hier und Jetzt
das ist im Grund der Herren eigner Geist
sich Bild für Bild den Himmel schön zu reden
um ewig Avantgarde EN VOGUE zu sein
scheint Sucht nach mehr der Ware Kernproblem
und jeder Blätterfall im Winterregen
die Überhitzung, die zum Himmel steigt…
Bastian Kienitz: Totale
Totale. Schaden
wo die Blechlawinen
sich durch den
Himmel stoßen
fällt der Lack
rückwärts zurück
auf die Straße
vom ganzen Glanz
recht mitgenommen
Bastian Kienitz: Tagesschau 07.02.
(Ode, sapphisch)
brennen für die Reise. Lift testen. Flüge.
flügeln Drohnenhimmel. zig Bilder weiter
klärt das Wetter. wird schön äh. fightet über
mein Gott adieu.
sackte Mann. Maschinentropf. just die Gelder
in die Ärmel. nebst Rumgekurve shreddern.
oder Trader X und Null meinen. Klasse.
stehen mank Querschiff.
Bastian Kienitz: Dark City
Gehirnmodus: X-tra Large auf Welle EINS-NULL-EINS
da bleibt sich jeder fremd beim Übergang spektral
zum Individuum ein Zwischenbild in Intervallen: FRAME AUF FRAME
gleich Überblendung deines Bildausschnitts im Rah
men der Verschwiegenheit dein gezeichnetes ICH &
DU & das gespiegelte Selbst dazwischen mit der Ge-
dankenkraft große, kleine Dinge zu bewegen:
ICH GLAUBE DIES NENNT SICH WANDEL!