Herr Z. ist ein beherrschter Mensch. Doch wie jeder beherrschte Mensch, gibt es irgendwo innen in Herrn Z. drinnen eine Grenze, wo dann der Spaß ein Loch bekommt.
Es gibt ja nicht nur bei Klima auf dem Planeten als ganzem, sondern auch in jedem partikelhaften Kleinstindividuum einen Kipppunkt – oder gerne auch mehrere -, auf dessen anderer Seite, am anderen Ende der Wippe, jenseits des Gebirgsgrates sich nichts wieder gut machen lässt. Nichts. Egal wie, selbst für den Menschen mit dem stärksten Willen der Welt keine Chance, das rückgängig zu machen. Das, was gekippt ist, ist gekippt, there is no way back.
Das ist so mit den Gefühlen, insbesondere mit den Gefühlen in dem Herrn Z. drin. In dem seinen Inneren ist eben – man muss es so wunderschön sagen: schlicht und ergreifend ein Gefühl gekippt. Seine Liebe zur Beteiligung an politischen Prozessen. Die ist gekippt. Und zwar als eine ausgewachsene Beteiligungsattrappe deutlich sichtbar implodierte.
Vor vier Wochen war das, da war er einmal wieder eingeladen bei der C-Partei. Hier in der Stadt, weil ja demnächst Wahlen, und Volkspartei natürlich. So dass unbedingt DER BÜRGER aufgefordert war, sich EINZUBRINGEN. Und Herr Z. war ausgewählt worden, als DER BÜRGER, er ging hin, sollte zusammen mit anderen DER BÜRGERn sagen, was er sich wünsche von der nächsten Stadtspitze, dem Bürgermeister, diesem dauergrinsenden Hampelmann, und seinen vierschrötigen Schergen, einer korrupter wie der andere – nein, den Namen der Stadt würden wir niemals verraten, das können wir uns überhaupt nicht leisten. Außerdem ist jede Ähnlichkeit mit einer lebenden oder toten Stadt kompletter Zufall, es könnte alles eine Täuschung sein oder auch NICHT.
Also BÜRGERBETEILIGUNG hieß es, ein kleiner Haufen, ja eher ein ärmliches Häuflein Vorschläge lag auf dem Tisch, dass wirklich alles super werden würde, dass die nächste STADTSPITZE alle Probleme und so weiter lösen würde, sogar eine Stadtführung für Hunde sollte es geben, wenn DER BÜRGER es will, er müsse halt nur die richtige Partei wählen, und das sei natürlich die mit dem großen Zeh im Namen.
Lange Story, kurz und klein geschnitten: Herr Z. war massiv enttäuscht. Man hatte ihn überhaupt nicht nach seiner Meinung gefragt, sondern ihm DEM BÜRGER vorgeredet, was er wollen soll, und von ihm erwartet, dass er nachplappert, was sich jemand anderes wünscht, zum Beispiel die STADTSPITZE oder auch gleich die Partei und sämtliche Spezls, die sich aus den Steuertöpfen prallsatt futtern wollen, so dass sich Herr Z. total verarscht vorkam.
Das war totaler Beschiss, eine Beteiligungs-Attrappe, ein potemkinscher Workshop, und das Unverschämteste daran war, dass die Stadt den DER BÜRGER für so blöde hielt, dass er, DER BÜRGER, diesen Schwachsinn schlucken und sich geschmeichelt und ernst genommen fühlen würde.
Da kippte in ihm ein Gefühl. In Richtung Nicht mehr wieder gut zu machen. Kein Weg zurück. Und schon kam eines zum anderen, ganz bald nach dem desaströsen BÜRGERBETEILIGUNGS-WORKSHOP tauchte ein Befrager an der Wohnungstür von Herrn Z. auf. Welcher Befragung auch immer er Herrn Z. unterziehen wollte, es lässt sich im Nachhinein nicht mehr feststellen, aber selbiger nahm das Ansinnen des Abgesandten eines großen Telekommunikationsunternehmens persönlich und extrem schlecht auf, massive Beleidigung, förmlich gewaltige Frechheit, nachgerade Attacke auf Geist und Körper.
Herr Z. handelte beherrscht, aber zugleich impulsiv. Er entnahm DEN Abgesandten DEM Bestand. Niemand hörte je wieder etwas von dem Problem-Befrager. Seitdem hilft Herr Z., die Befrager-Population in unserer Stadt zu kontrollieren. Auf kleiner Flamme. Haustür-Kontakt-Management nennt sich das wohl. Herr Z. begrüßt es außerordentlich, wenn sich Befrager zuvor ankündigen, beispielsweise mittels einer absolut Original-Gangster-Postkarte. Komme an dem und dem Tag, zu der und der Uhrzeit und befrage Sie zu dem und dem Thema. Geil, denkt dann Herr Z., da kann ich ja in aller Ruhe schon in der Früh das Badezimmer mit der dicken Plastikplane auslegen, die Knochensäge schärfen, die Keule prüfen und, na ja, mich mental bereit machen.
Er antwortet gerne diesen Angeboten, erklärt sich bereit und einverstanden mit dem Besuch der beratenden Person und fügt bedauernd hinzu, dass der letzte angekündigte Beratende leider nie eingetroffen sei, obwohl Herr Z. den ganzen Tag zu Hause geblieben sei und gewartet habe. Und so geht auch schon wieder viel Zeit vorbei, ohne dass etwas WIRKLICH WICHTIGES geschehen wäre. Meine Axt aber mal.