Variante A:
Variante B:
Alle Farben des Regenbogens rund um mein Auge. Rot, blau, violett, dann gelb, grünlich, ein bisschen orange und rosa. Ein wenig geschwollen auch, die Kruste dunkelbraun und wulstig. Die Pupille rot, ja ROT, wie ich sie noch nie gesehen habe. Wunderschön, sag ich dir; WUNDERSCHÖN, so hast du sie noch nie gesehen. Ich habe sie auch noch nie gesehen und wundere mich, dass das überhaupt möglich ist. Wer ist sie? Was macht sie? Woher kenne ich sie nochmal? Kenne ich sie überhaupt? Ich sehe sie und frage mich das alles, zusätzlich zu meinem Regenbogenauge.
Sie wandert da draußen herum, mit schwingendem Zopf und schwingenden Armen, schwimmend in der heißen Luft, als würde sie kräftig durch das 20 Meter Becken kraulen. Wunderschön, sag ich dir: WUNDERSCHÖN!
Mit ihrem stromlinienförmigen Körper, Robbengleich, im grauen Tube Top und in flachen Schuhen gleitet sie dahin, die Menschenmenge ob ihrer Bewegung auseinander stiebend, eine unsichtbare Bugwelle erzeugend, als wäre sie ein Eisbrecher im kalten kalten Ozean. Die Menge an Metaphern die deine Erscheinung erzeugt ist unbegrenzt, oh du wunderbares, wunderbares Wesen.
Mein Regenbogenauge juckt, ins getrübte Blickfeld mischt sich ein Eitergelber Fleck. War das mein Auge? Hat es das selbst erzeugt? Schnell wischt mein kleiner Finger darüber, tupft das Kleckschen weg und wischt es unbesehen ins rechte Hosenbein. Zu schnell, Finger, zu schnell, eigentlich wollte ich es noch betrachten. Ich wollte sehen, was mein Körper produziert hat, schließlich geschieht das nicht jeden Tag. Stattdessen betrachte ich nochmal meine kleine Fingerspitze, die trocken und sauber wie zuvor, meine Hand am rechten Ende abschließt.
Zurück zu meinem Robbenwesen, mit dem Schlangenzopf und den Schlacker-Armen. Diese schlingt sie gerade um einen herum, der an der Ecke gewartet hat. Schlingt sie um den Hals, von vorne nach hinten, drückt die Füße in den Schuhen ins Hohlkreuz hinauf und presst ihr unbekanntes Robbengesicht an seines.
Mein Regenbogenauge trübt sich noch einmal, die Flüssigkeit nun eine andere. Salziges Tränenwasser spült den Schleier weg und rinnt ungehindert meine Wange entlang. Ich stelle mir den Tropfen vor, wie er Diamantengleich mein Gesicht erhellt, ein Highlight auf der ungebräunten Haut. Wie er sich knapp am Mundwinkel vorbei schlängelt, (man möchte direkt danach schlecken, ihn mit der Zunge auffangen und das köstliche Salz zurück zum Ursprung führen), aber nein, ich unterdrücke den Impuls, lasse den köstlichen Tropfen weiterwandern, direkt ans Kinn, bis zur Spitze, wo er dann, geräuschlos, sich löst und auf den Asphalt tropft. TROPF, nein eigentlich, , zerplatzt er dort und hinterlässt nichts, wirklich nichts.
Der Asphalt so heiß, dass der Tropfen sozusagen „instant“ verdampft ist.
Blick hinüber an den Ort, an dem mein Robbenwesen eben noch ihren Unbekannten umhalst hat. Jetzt ist niemand mehr dort, die Menschenmenge schiebt sich weiter durch die Straßen, als wäre nie was geschehen und ich mache das jetzt wohl auch.