Der Luxus
steigt
Die Werte
sinken
Die Ungerechtigkeit
schreit
Die Welt
ist am stinken.
Das Magazin für Eigenart
Der Luxus
steigt
Die Werte
sinken
Die Ungerechtigkeit
schreit
Die Welt
ist am stinken.
Wie raumgreifend kann Luxus sein?
Wenn man nur begrenzte Mittel zur Verfügung hat,
Seine Familie ernährt,
Vielleicht einmal im Jahr in Urlaub fährt,
Seine Rechnungen bezahlt, pünktlich,
Wenn man versucht,
Den gesellschaftlichen Regeln zu folgen,
Sauber zu bleiben,
Dann ist Luxus anders definiert als
Für diejenigen, Die Luxus täglich haben,
Die ein Luxusleben führen,
Die den Luxus nicht mehr als Luxus empfinden,
Sondern als Normalität.
Ist dann noch Luxus
Luxus?
Wie hoch ist die
Fallhöhe?
Ein kleines Stück gewölbter Tunnel, kaum dreißig Meter lang, kaum vier Meter breit, kopfsteinern gepflastert, erstreckt sich im schummrigen, warmen Licht beklebter Leuchtstofflampen. Hie und da bahnt sich Gras durch die harten Flächen, so auch neben einem von vier Tischbeinen einer langen Tafel, bald sechs Meter lang, bald zwei Meter breit, mitten im Raum wie sorgfältig platziert, ein enormer Tisch aus massivem Holz, schlichte Stühle, einfach, bescheiden, zu wenige für die viele Fläche, zu viele für die wenigen Gäste, als Rahmen, nur zwei darunter besetzt, einander zugewandt.
Ein weiter Raum geknüpfter Gefühle, bald drei Dekaden lang, bald ein Leben breit, schaf- und baumwollern, ledern umfasst, umschlungen als eins, ein unklares Knäuel aus Armen, vergrabene Gesichter, im schummrigen, warmen Licht beklebter Leuchtstofflampen. Die Nähe knapp bemessen, kaum eine Zeitlang, kaum ein Fingerbreit, an der Tafelecke rechts hinten wie sorgfältig platziert, ein vereintes Rund aus vollem Atem, von den Kanten nicht zu trennen, bedacht, befühlt, viel für viel Raum, wenig für wenig Fläche, auf zwei Stühlen, an der Tafel, im Tunnel, die einzigen Gäste.
Schütze mein Gesicht
vor den Gedanken
der anderen
die mit Zeitgeist spucken
kleben dir Zeitenwende
ans Hemd das ein
Totenhemd wird
Ungefragt
nehmen sie deine Zeit
und stecken sie in
die Waschmaschine
der Meinungsmache
herauskommt
mainstream
sie sagen
du bist einverstanden
und schon schreiben
Historiker Bücher
Luxus pur
im Überfluss
die Verschwendung
Dekadenz
unbegrenzt
Nichts als Himmel
Armut
und Mangel
verarmt
Es wird
nicht warm
Dunkle Wolken
wohin man schaut.
Sie reden
von Luxus
Ein Rentner
sucht im Mülleimer
nach Flaschenpfand
Sie reden
von Wohlstand
Vor der Tafel
frieren Menschen
in Warteschlangen
Sie reden
von Luxus
Die Preise
und Mieten steigen
Die Gewinne
werden maximiert
Der Luxus
triumphiert.
er liest, sie klimpert lautlos Farben, sieht
die leisen Töne auf der Tastatur
es fühlt sich fast gelangweilt an und nur
ihr Herz schwingt nah am Flügel, denn es fliegt
soweit das Auge reichen kann. er liest
gebannt im Sonntagsblatt, schaut auf die Uhr
und sagt beiläufig, sicher, yes and sure
wenn er die Grafiken der Börse sieht
sie träumt sich seufz, er soll mich hier und jetzt
auf diesem Stuhl oder dem Tisch, zerfetzt
entweder schnell das Kleid, das Zeitungsblatt
ich bin es leid, ich habe ihn so satt
wenn er nicht gleich auf meinen Tasten spielt
zumindest aufblickt und mein Kleid ansieht…
und suchst du mich in jenen Geistern wieder
wirst du nichts finden außer Staub und Ton
in meinem eigentlichen Für-Befinden
zu sagen, was ich denke, ist nicht neu
den Zeitgeist Heute klar zu definieren
der dich von einem Trend zum andern schickt
damit wir Mode gleich uns modisch fühlen
und angekommen sind im Hier und Jetzt
das ist im Grund der Herren eigner Geist
sich Bild für Bild den Himmel schön zu reden
um ewig Avantgarde EN VOGUE zu sein
scheint Sucht nach mehr der Ware Kernproblem
und jeder Blätterfall im Winterregen
die Überhitzung, die zum Himmel steigt…
Totale. Schaden
wo die Blechlawinen
sich durch den
Himmel stoßen
fällt der Lack
rückwärts zurück
auf die Straße
vom ganzen Glanz
recht mitgenommen
Bar oder Karte? Ich zahle mit meiner pinkfarbenen Kreditkarte. Eine neue Handtasche von Gucci. Mein neues Baby. Ich liebe sie jetzt schon mehr als alles andere auf der Welt. Ich nenne sie Gabrielle. Meine kleine Gabrielle. Ist sie nicht putzig? Ich streichle sanft über ihre Haut. Kann es kaum erwarten sie zu Hause zu füttern. Mit Kajal und Lippenstift, Taschentücher und einem Portmonee. Ist die kleine nicht hungrig? Wie niedlich Gabrielle dort liegt in ihrer Krippe. Wie das kleine Jesus Baby. Ich liebe Gucci Handtaschen, sie sind meine Babies. Neben Gabrielle, gibt es Josefine, Sandra, Michaela, Hannelore und Petra. Mit meiner pinkfarbenen Kreditkarte habe ich sie mir gegönnt. Ich füttere Gabrielle mit Kondomen. Man weiß ja nie was sich ergibt. Heute wieder Shoppen und vielleicht treffe ich einen neuen Daddy für meine kleinen. Ich schminke mich mit dem Kajal und dem Lippenstift aus Gabrielle und bin bereit in die Innenstadt zu fahren. Im Gucci Store werde ich dich treffen. Im Briefkasten Mahnungen. Die lasse ich dadrin. Luxus Lady sucht Luxus lover. So könnte meine Kontaktanzeige heißen. Wenn ich dich treffe, kannst du mir ein Baby machen. Ein echtes aus Fleisch und Blut. Bitte.