Christian Knieps: Die Kunst, sich gemeint zu fühlen

Es ist eine meiner Eigenheiten, die man an sich selbst zunächst gar nicht als besonders empfindet, weil sie sich so nahtlos in den Alltag fügen wie ein falsch eingehängtes Kleidungsstück, das erst auffällt, wenn jemand es einem geradezurückt, nämlich meine ausgesprochene Fähigkeit, anderen Menschen mit präzise platzierten, aufrichtigen und niemals übertriebenen, sondern stets aus einer ehrlichen Beobachtung heraus formulierten Komplimenten eine Freude zu machen – sei es über die feine Art, wie jemand eine Jacke trägt, die von innen zu leuchten scheint, oder über den Klang einer Stimme, die sich wie warmer Honig durch den Tag zieht.

Doch gerade diese Fähigkeit, die mir viele als besondere Stärke nachsagen – ja, einige sprachen sogar von einem Talent oder einer Gabe, wobei mir solche Begriffe stets übertrieben erscheinen –, steht in merkwürdigem Kontrast zu dem anderen Teil meines Wesens, dem verborgenen, abwehrenden und vor allem zweifelnden Teil, der sich immer dann zu Wort meldet, wenn jemand versucht, mir selbst ein Kompliment zu machen, sei es über mein freundliches Lächeln, meine starke, sonore Stimme oder meine zugewandte Art, zuzuhören oder zu schreiben – ich wiegle ab, ich relativiere, ich tue es als Zufall, als nicht erwähnenswerte Selbstverständlichkeit ab, und das nicht aus Koketterie oder falscher Bescheidenheit, sondern weil sich in meinem Inneren eine Stimme erhebt, die ruft: „Das ist übertrieben! Das ist geschmeichelt! Das ist nicht wahr!“

Ich hatte diese Dynamik längst als ein Stück meiner Persönlichkeit akzeptiert – ja, vielleicht sogar mit jener Art von stiller Resignation bedacht, mit der man einen kleinen Mangel betrachtet, der sich wohl nie ganz ausbügeln lässt –, bis ich sie traf, jene Frau mit den wachen Augen, der leisen Stimme und dem entschlossenen Blick, die mir nach unserem dritten Spaziergang durch den windstillen Park am Wasser mit einer Mischung aus Zärtlichkeit und Ernst versprach, mir so lange ernstgemeinte Komplimente zu machen, bis ich nicht nur gelernt hätte, sie anzunehmen, sondern auch gelernt hätte, sie zu glauben, wenigstens ein bisschen.

Was darauf folgte, war ein merkwürdiger Zustand innerer Reibung, ein tägliches kleines Ringen zwischen dem Impuls, ihr zu widersprechen – etwa wenn sie sagte, mein Lachen habe sie durch einen schlechten Tag getragen, oder meine Gedanken seien hell wie der Morgen nach langem Regen –, und dem zarten Wunsch, sie möge recht haben, auch wenn ich es mir selbst nicht recht zu sagen wagte; sie hörte nicht auf, sie ließ nicht locker, und obwohl ich mich innerlich wand, begann ich irgendwann, nach innen zu horchen, nicht auf das alte Echo des Zweifels, sondern auf den leisen Klang eines möglichen Ja, das sich tastend aus dem Schatten wagte.

Ich erinnere mich noch gut an jenen Morgen, als ich verschlafen und verstrubbelt in der Küche stand, mit nichts als einem ausgebeulten T-Shirt am Leib und zerzaustem Haar, und sie plötzlich sagte, dass ich in diesem Zustand wirke wie jemand, der von innen leuchtet, ganz ohne Vorbereitung, ganz ohne Absicht – ich lachte erst und sagte, dass es wohl an der Morgensonne liegen müsse, die durch das Fenster fällt, doch das Lachen blieb mir fast im Hals stecken, weil ich spürte, wie sehr ich mir wünschte, dass es wahr sei.

Und einmal, als wir gemeinsam einen befreundeten Umzug organisierten, sagte sie beiläufig, aber mit Nachdruck, dass meine ruhige, unaufgeregte Art, Menschen in hektischen Momenten die Richtung zu geben, ein Geschenk sei, das sie sich selbst oft wünsche – ich versuchte sofort, es zu entkräften, indem ich sagte, ich sei nur pragmatisch, nicht besonders einfühlsam, aber sie sah mich einfach nur an, mit dieser stillen Geduld, die keinen Widerspruch mehr zuließ.

So kam der Moment, an dem ich – während sie mir erzählte, ich würde den Raum wärmer machen, bloß durch meine Anwesenheit – nicht mehr reflexartig abwehrte, sondern innehielt, das Kompliment in meiner Brust drehte wie einen kleinen Schlüssel im Schloss, und spürte, dass da etwas aufging, etwas, das mich weicher machte, empfänglicher, und das mir, obwohl das Annehmen mir immer noch schwerfiel, erlaubte, für einen Moment zu lächeln, nicht aus Höflichkeit, sondern aus einem Gefühl heraus, das sich wie Freude anfühlte.

So lerne ich, Tag für Tag, dass es nicht darum geht, jedes Kompliment zu glauben, wie ein Kind an Märchen glaubt, sondern darum, dem Gedanken Raum zu geben, dass da vielleicht jemand etwas sieht, das ich selbst übersehen habe – und dass es in solchen Momenten in Ordnung ist, sich gut zu fühlen.

Bastian Kienitz: Mystery Channel Realität II (The Call)

zwei Karten Eintritt plus
VOR/SPANN/UNG

dazu ein Filmpaket
mit unbekanntem Namen:

Wen interessieren
die dunklen Streifen und Silhouetten
auf der Filmleinwand, wenn dort nebenan
ein viel schönerer Film läuft?

pure Absicht
zwei offene Knöpfe und ein Lächeln,
das dir sagt

h i n s e h e n
um willenlos bis zum Grund einzutauchen

J. die Explosion flutet Schatten unter die Haut…

Bastian Kienitz – Love an Love

(Blankosonett)

zwei Schatten, Rahmenhandlung: Blumenwiese
auf die abrupt das Blau vom Himmel fällt
wie dieses Sprachlos deiner Lebenslinie
in die der Zufall eingezeichnet ist

um morgen einen neuen Tag zu grüßen
dem du dich räkelnd *gähn entgegenstreckst
als wäre in der Luft bereits Bewegung
und jedes Molekül Anziehungskraft

An Anna Blume, du ich deiner dir
du bist von hinten wie von vorne A)
plus Ton, aus dem es Regenfarben tropft

dass ich den Klang in jeder Pore spüre
wenn wir zusammen auseinander sind
du tropfes Tier A – N von Anfang an

Andreas Prucker – Vi8nu9


Anderen Leuten beim laufen zuschauen.
Äh. Beim Blutsaufen als moderner Vampir, dabei zu zu schauen.
Blutdoping – EPO.
Die bekanntesten Mittel aus dieser Gruppe sind Erythropoetin (EPO) und das Wachstumshormon
(HGH).
Unter Blutdoping versteht man die Verabreichung von Vollblut, oder von Zubereitungen, die rote Blutkörperchen enthalten.
Durch diese Maßnahme wird die Erythrozytenzahl im Blut erhöht, so dass eine Verbesserung der Sauerstofftransportkapazität erreicht werden kann.
Alles für kranke Gehirne, um einen Macht Inzest aufrecht erhalten zu können.
Doch die wahre Lösung liegt einzig im Nashornpulver. Auch nur dann, wenn man es durch die Nase zieht.
Als Film gibt es dann, die Suche nach neuen Blutopfern, für Reiche Milliardäre.
(Ja. Ich habe alles erledigt und kann anders weiter machen.)
Bin nun heute aufgewacht und stelle fest.
All unsere Gehirn aktive Konstrukte laufen in ein langweiliges enttäuschen hinein.
Ich will auch kein Handy, um mich mit Internetblasphemie zu dröhnen zu lassen.
Falls ja.
Bin ich dann durch dies rauschen im Kopf eine Drohnengefahr und darf abgeschossen werden?
Ja diese Not macht den Ton und vermittelt so den Klang der Autorität und diese gibt in ihrer Sprache geistiges desorientieren wieder, was wir applaudierend bestrafend, oder belohnend in Komplimente kommentieren.
Schon schauen wir und das darauffolgende hergelaufene der Leute an, die für uns danach tanzen, damit wir uns selbst darin passgenau eingliedern können, und wir keine sprachliche auffällige Drohnengefahr werden.
Ja mit den richtigen Komplimenten, umgeht man jedwede bestrafende Zensur.