Musikstück
in 3 Sätzen
Avantgarde
4 Minuten
und 33 Sekunden
Kein einziger Ton
Nur Stille
Im schalldichten Raum,
die zufälligen Geräusche
Das Publikum,
das sich selbst hört
Stille,
die spricht.
Das Magazin für Eigenart
Musikstück
in 3 Sätzen
Avantgarde
4 Minuten
und 33 Sekunden
Kein einziger Ton
Nur Stille
Im schalldichten Raum,
die zufälligen Geräusche
Das Publikum,
das sich selbst hört
Stille,
die spricht.
(dt. Stierkampf von Navas del Madrano)
der rote Mond auf deinen leisen Lippen
ist eine Sonne bruchscharf schräg am Fell
du hast mich ausgeweidet, leergetrunken
im ersten Akt der Szene wunder Punkt
Beton gerührt und Kreide ausgegossen
mit Öl gemischt und schwarzem Brückenteer
der auseinanderbrach als wir Staub schluckten
im roten Regen alter Winterschwäche
jetzt taut man auf und schwitzt schweißbadend Lunge
im Happening Electric De‘-coll/age
der Adler fliegt die Sense | Katastrophe
Raum contra Müll und Schnee, der leider fehlt
um eine Abfahrt in das Licht zu wagen:
mors certa, Tod an einem Nachmittag…
Flu wie fluide Mauern, die durchbrechen
den Stadtpark in zwei Hälften: Raum und Zeit
das Wachstum in den Mittelpunkt zu rücken
ich denke an Natur und fühl mich frei
den Baum als erstes in mein Herz zu schließen
klopft tropfend Regen durch den Blätterwald
und Wundersamen: Worte, die mir fehlen!
wenn alles Naturell natürlich bleibt
es war einmal ein Flügel, der jetzt kracht
bis er die Flügel FLUXUS wiederfindet
Ton wird geschliffen, bis dort nichts mehr ist
als Staub, Flut und Gezeiten in der Kunst
sich selbst entfesselt weiter zu bewegen:
ein Satz führt dieses Haiku ins Gebet…
Ich bekräftige meinen anspruch
auf grönland
die berge
den schnee
die sprache
die schlecht gelaunten einwohner
den brennenden himmel
am morgen
die lage
auf dem weg
von beinahe überall
nach so gut wie nirgends
das trotzige verschwinden
björk
die heißen quellen
fünfzig poeten
auf hunderttausend einwohner
die fleischklößchen im möbelhaus
ich beanspruche es sehr
ich bin die seltenste aller erden
ich lege mich überall hin
ich entdecke auf langbooten amerika
ich exportiere töpferwaren
bis nach indien
ich habe die höchste depressionsrate der welt
ich habe einen eigenen tango
grönland grönland
über alles
über alles in der welt
blüh im glanze meines glückes
kleines grönland
ich verlange nicht viel
nur einen der unwichtigeren nobelpreise
vielleicht medizin
ich bin ein passabler herzchirurg
oder wirtschaft
come on
königliche akademie
von grönland
*atombombengeräusche*
Ein kleines Stück gewölbter Tunnel, kaum dreißig Meter lang, kaum vier Meter breit, kopfsteinern gepflastert, erstreckt sich im schummrigen, warmen Licht beklebter Leuchtstofflampen. Hie und da bahnt sich Gras durch die harten Flächen, so auch neben einem von vier Tischbeinen einer langen Tafel, bald sechs Meter lang, bald zwei Meter breit, mitten im Raum wie sorgfältig platziert, ein enormer Tisch aus massivem Holz, schlichte Stühle, einfach, bescheiden, zu wenige für die viele Fläche, zu viele für die wenigen Gäste, als Rahmen, nur zwei darunter besetzt, einander zugewandt.
Ein weiter Raum geknüpfter Gefühle, bald drei Dekaden lang, bald ein Leben breit, schaf- und baumwollern, ledern umfasst, umschlungen als eins, ein unklares Knäuel aus Armen, vergrabene Gesichter, im schummrigen, warmen Licht beklebter Leuchtstofflampen. Die Nähe knapp bemessen, kaum eine Zeitlang, kaum ein Fingerbreit, an der Tafelecke rechts hinten wie sorgfältig platziert, ein vereintes Rund aus vollem Atem, von den Kanten nicht zu trennen, bedacht, befühlt, viel für viel Raum, wenig für wenig Fläche, auf zwei Stühlen, an der Tafel, im Tunnel, die einzigen Gäste.
Schütze mein Gesicht
vor den Gedanken
der anderen
die mit Zeitgeist spucken
kleben dir Zeitenwende
ans Hemd das ein
Totenhemd wird
Ungefragt
nehmen sie deine Zeit
und stecken sie in
die Waschmaschine
der Meinungsmache
herauskommt
mainstream
sie sagen
du bist einverstanden
und schon schreiben
Historiker Bücher
Luxus pur
im Überfluss
die Verschwendung
Dekadenz
unbegrenzt
Nichts als Himmel
Armut
und Mangel
verarmt
Es wird
nicht warm
Dunkle Wolken
wohin man schaut.
Sie reden
von Luxus
Ein Rentner
sucht im Mülleimer
nach Flaschenpfand
Sie reden
von Wohlstand
Vor der Tafel
frieren Menschen
in Warteschlangen
Sie reden
von Luxus
Die Preise
und Mieten steigen
Die Gewinne
werden maximiert
Der Luxus
triumphiert.
er liest, sie klimpert lautlos Farben, sieht
die leisen Töne auf der Tastatur
es fühlt sich fast gelangweilt an und nur
ihr Herz schwingt nah am Flügel, denn es fliegt
soweit das Auge reichen kann. er liest
gebannt im Sonntagsblatt, schaut auf die Uhr
und sagt beiläufig, sicher, yes and sure
wenn er die Grafiken der Börse sieht
sie träumt sich seufz, er soll mich hier und jetzt
auf diesem Stuhl oder dem Tisch, zerfetzt
entweder schnell das Kleid, das Zeitungsblatt
ich bin es leid, ich habe ihn so satt
wenn er nicht gleich auf meinen Tasten spielt
zumindest aufblickt und mein Kleid ansieht…
und suchst du mich in jenen Geistern wieder
wirst du nichts finden außer Staub und Ton
in meinem eigentlichen Für-Befinden
zu sagen, was ich denke, ist nicht neu
den Zeitgeist Heute klar zu definieren
der dich von einem Trend zum andern schickt
damit wir Mode gleich uns modisch fühlen
und angekommen sind im Hier und Jetzt
das ist im Grund der Herren eigner Geist
sich Bild für Bild den Himmel schön zu reden
um ewig Avantgarde EN VOGUE zu sein
scheint Sucht nach mehr der Ware Kernproblem
und jeder Blätterfall im Winterregen
die Überhitzung, die zum Himmel steigt…