Carsten Stephan: Mit Bleyweis vermiſchet und allerley angelegt

Vermiſchet man den Zinnober
gebuͤhrender maſſen mit Bleyweis,
ſo giebt er eine Leib-Farbe, und

werden damit angelegt allerhand
nackende Bilder, alle Berge,
Waͤlder und Schloͤſſer, ſo in der

Ferne liegen, auch allerley
rothbleiche Luft.

Vermiſcht man den Indig mit etwas
Bleyweis, ſo kan man allerhand
blaulichte Tuͤcher, Harniſche,

blaue Wein-Beere, dunckel-blaue
Kleider, Wolcken und Blumen
damit anlegen und ausſchattiren.

Macht man ihn aber noch heller
und ſetzt noch mehr Bleyweis dazu,
ſo wird damit allerley hell-blaue

Luft, die Berge, ſo in der Ferne
liegen, allerley hell-blaue Blumen,
das Waſſer, hell-blaue Kleider,

Schiefer-Daͤcher und dergleichen
Dinge mehr angelegt.

Es werden mit dem Lac, wenn er
mit etwas Bleyweis vermenget,
allerley Kleidungen, die roͤthlichten

Wein-Beere, die rothen Striche in
der Luft, die rothen Wangen der
ſchoͤnen Jungfrauen und kleinen

Kinder, das Kinn, die Knieſcheibe
und die Zaͤhe, allerley rothe
Vorhaͤnge, Roſen, rothe Krauts-

oder Kohl-Haͤupter, das Fleisch,
ſo den erzuͤrnten Kalekutiſchen
Haͤhnen uͤber den Schnabel haͤngt,

und noch viel unzehliche andere
Sachen mehr angeleget.

Andreas Dietz: Die Farben

Das Grün, das tiefe dunkle und das helle,
das sanfte weiche, und auf alle Fälle
das Indigo und das Orange, so fruchtig
das Orange, und dann gewaltig wuchtig
auch das Blau, das kalte und das harte,
das schwere Blau sowie das leichte, warte,
auch das Rot, so innig warm und dann so heiß,
das Pink, das Rosa, fein, ganz süß, dann Weiß,
und dann das Gelb, so hell das Gelb, so sonnig,
so luftig und so ölig und so wonnig,
ach, und dann das Lila und das Violett,
das Cyan, das Türkis, die sind adrett,
am Ende Grau, so sachlich trüb, und Schwarz,
jawohl, sogar das Schwarz kommt in die Charts.

Julia Eckert: Rotglühen

Unverzagt eruptives Glühen aus heißbegehrter Mitte
In sich entziehender Hingabe mehr als ein Schatten des Feuers
Verweist es auf ihren fluiden Kern auf ihre lebendige Essenz
Geronnene Splitter und zerfließende Ganzheit
Das beruhigende Wissen des Funkens in sich tragend

Jenes Aufflammen mit eigenem Willen jederzeit noch einmal entfachen zu können
Und immer wieder nur in vollem Einklang mit sich selbst aus dem Zentrum heraus
Befreiende Wärme zu stiften ohne sich zu verzehren

Nur Anfänge Lichter aus reiner Fülle geboren
Die stolze Energie zukünftiger Fontänen mit geheimer Schnur nährend
Eine Kette in ihrer Entfaltung Ordnung selbst
Freiheit generierend ab dem Moment der Ausbreitung nicht mehr aufzuhalten
Zukünftiges Rot grüßt trotzig emporsteigende Lichtfiguren
Fragile Figurationen reinster Freude
Die raumgreifend noch in ihrem Negativbild
Einem leise staunenden Himmel die Kraft konzentrierter Selbstüberschreitung illustrieren

Carsten Stephan: Berliner Blau zu machen

Muͤhlos und ergetzlich

Nimm friſches Rinds-Blut, mach es in
einem groſſen Tiegel bey ſteten umruͤhren
wohl trocken, daß es glaͤntzend und im
reiben koͤrnig wird. Weinſtein, Salpeter,

von jedem 3. Pfund, ſtoſſe jedes a part
groͤblich. und miſche von einem jeglichen
die Helffte in einer groſſen Schuͤſſel
zuſammen, fuͤlle damit einen Topff und

detoniere es darinne, wenn es nicht ſtarck
mehr rauchet, ſo nimm es mit einem
eiſernen Loͤffel heraus, und verwahre es
bis zum Gebrauch an einem warmen Ort.

Des getrockneten Bluts und dieſes alcaliſchen
Saltzes anderthalb Pfund, miſche es wohl
unter einander, fuͤlle damit einen Schmeltz-
Tiegel wohl eingedruckt, was nicht hinein

gehet, wird nachgetragen, wenn es ſich ein
wenig geſetzet, ſetze den Tiegel auf ein
ſtuͤckgen Ziegel in einen von Backſteinen
aufgeſetzten Ofen, und lege rings herum

kleine Kohlen, den Tiegel aber decke mit
einer groſſen zu, blaſe das Feuer an, und
wenn die Kohlen uͤber und uͤber gluͤen, ſo
halte es eine gute Stunde in dieſem grad,

hernach fahre mit einem eiſernen Stilo
hinein, und ſtich in die Mitte etliche Loͤcher
hinein, doch zerſtoſſe den Tiegel nicht, und
wenn ſich keine Flamme mehr auf den

Loͤchern zeiget, ſo hebe den Tiegel aus,
und gieſſe das Saltz in ein warm gemachtes
eiſern oder irden Gefaͤß, trage es nach
und nach in einen Topf darinnne 7. Pfund

laulichtes Waſſer iſt, ſetze ihn ans Feuer,
ruͤhre es wohl um, und wenn es wohl ſiedet,
ſo hebe es weg, und filtrirs durch ein Tuch,
darinn ein Bogen Maculatur Papier liegt.

Engliſchen Vitriol ein halb Pfund calcinire
ihn roͤthlich, wiege davon anderthalb Loth,
dieſe koche in zwey Pfund Waſſer, und
wenn es geſotten, wird es filtrirt. 3. Pfund

reine Alaun, 13. Pfund Waſſer, ſetze es ans
Feuer, wenn es bald ſieden will, und die
Alaune meiſtens ſolviret iſt, ſo trage ein
Quentgen klein geſtoſſene Concinellen

darein, ruͤhre es wohl unter einander, und
laß noch einmal aufſieden, hernach durch
ein Tuch lauffen in den Topf, darinne die
Solutio Vitriols aufbehalten iſt, davon

ſchoͤpffe mit einem Noͤſſels-Toͤpffgen zwey
mal, und von der Saltz-Lauge einmal in
einen geraumen Topf, ruͤhre es wohl unter
einander, gieſſe es auf ein ausgeſpantes Tuch,

trockne es etc.