Bastian Kienitz: Der alte Mann und das Meer

Er fuhr hinaus, seit Wochen ohne Glück
und wie ein altes Lied bewegte sich das Meer
mal stumm, dann wieder stürmisch und zurück
auf Festland bleibt sein Boot bescheiden, leer.
Von nichts lebt es sich wahrlich nicht zu Mund
und dieses Unglück kommt auch nicht von ungefähr
so sagt man sich und gibt so allem einen Grund.
bis er den größten Fisch an seiner Angel hat
und dieser Fisch ist Wurzelwerk, die See und
bis zu seinem Ende – er und eines Endes statt…

Alexander Rachmann: Seines Unglückes Schmied

Das Wiedersehen, das aufwühlt.

Der erste Kuss, der enttäuscht.

Der Heiratsantrag nach einem Streit.

Die Versöhnung ohne Veränderung.

Das Ankommen, ins unaufgeräumte Wohnzimmer.

Der große Traum, den man hat.

Die stille Natur, in der niemand ist.

Die Karriere, die Freunde kostete.

Der Ausbruch aus allen Zwängen, der im anderen Zwang endet.

Andreas Dietz: Glück und Unglück im April

Der Goethe reimte einst im März
beim Weine abends diesen Scherz:

„Den ersten April musst überstehn,
Dann kann dir manches Guts geschehn.“

Das mag so sein, doch gilt es nicht,
falls Unglück tritt ans Tageslicht.

Und auch bei Gutem hüte dich!
Das Schicksal wütet fürchterlich.

Auf jedes Gute folgt das Bös‘
und umgekehrt. So generös

das Schicksal einen Ausgleich will.
Das gilt besonders im April.

Silke Gruber: Lei Da

(Today’s Question: Was ist Dialektliteratur?)

Die Angerer Theresa
und die Pfurtscheller Maria
und die Oberamtsbacher Roswitha,
de schreibn üba die schian Bliamalen vorn Haus
und üban hartn Winta in die Berg und
üban heilign Herrgott und
üba ia oanzige Liab und
Tirol isch lei oans, so schreibn sie
in oana kindlichn Freid, dass da sHerz grad so
augian kannt.

Die Angerer Maria
und die Pfurtscheller Theresa
und die Oberamtsbacher Roswitha,
de dadenkns ebn leida nit viel weiter außi
als wia beim Kuchlfenschta,
wenns übahaup oans ham.

Die Angerer Roswitha
in deim Kopf
die Pfurtscheller Maria
in deim Kopf
die Oberamtsbacher Theresa
in deim Kopf:

so schreibn sie
so sein sie
lei
da

Silke Gruber: Isch Eh Lei

Isch eh lei

Es meischte
isch eh lei a Schmee
isch eh lei a Lug,
sein jå eh ålls lei Schmeetantla
eh ålls lei Lugntschippl.

Es oane
isch a Gschroa
unds åndre a Gsums.
Unds meischte
sowieso a Glump,
unds åndre a Graffl,
isch eh lei a Graffl! Isch eh lei a Glump!
Isch eh lei a Graffl und a seltenes Glump.
Und isch eh −
ålls lei a Schmee …

Wås håschn då im Aug?
Ah isch eh lei a Greggn.
Wås håschn då am Schuach?
Ah isch eh lei a Klachl.
Wås schwimmpn då in da Suppn?
Ah isch eh lei a Hoa.
Wås håschn då im Kopf?
Ah isch eh lei Stroa.

isch eh lei a Graffl
isch eh lei a Gsums
isch eh lei a Greggn
isch eh lei a Glump
isch eh lei a Klachl
isch eh lei a Gschroa
ah, isch eh lei Stroa.
Gott sei Dank, sei froa!
Ålls
koa
Stress.

Also schwitz koan Wettex und mach bitte koan Wirbl.
Loan di amål zrugg und reg di bitte nit au.
Loan di zrugg und vergiss nit aufs Schnaufn.
Loan di oanfach zrugg, zefix!

Es meischte isch eh
ålls lei zum wissen
unds mehrigschte isch lei zum toan −
oder ebn zum låssn.
Also låss guat sein
und steiga di nit ålm aso eini, um Gottsgrischtiwilln!

Es isch eh lei a Graffl
isch eh lei a Gsums
isch eh lei a Greggn
isch eh lei a Glump
isch eh lei a Klachl
isch eh lei
a Hoa!
Sei decht froa, harschafzaitn!

Mia sein jå a lei a Hoa in irgndoana Suppn
mia sein jå a lei a Greggn in irgendam Aug
mia sein jå a lei a Blinddarm in irgendam Bauch
mia sein jå a lei a Strichpunkt in irgendam Buach
mia sein jå a lei a Klachl auf irgendam Schuach

I bin jå a lei
in irgendam Kopf es Stroa
in irgendam Kopf
es Gsums und Gschroa −
seima decht froa:
Ålls
nit da Rede wert.

FD: Dialeggd

Ein Unsinnsgedicht

Damid ham’mer ned gereschned
dass de Dialeggt sisch so halde wüdde

Da hör’n mer dem Kind zu
wie’s brabbelt und babbelt
den Ludscher im Mund
den Ball um de Disch rum dotzd
die babbische Hände
am Dischduch abwischd
mit große Auge zum Vadder guckt
den Mund aufsperrt und sprischd:

Dem Paul sei Babba had sisch au ned so uffgerescht
Des mit dem Schreibe is hald gar ned so leischd
Die Wödder klinge so und schreibe sisch ganz anners
Wie soll des denn einer verstehe?

Des mit dem Dialeggt, des rafft doch wigglisch keiner
Aba spädestens wenn des Kind ald genuch is
von de Schul zur Uni zu gehe
dann is de Dialeggt verschwunde

Zurück bleibt Hochdeutsch wie es im Buche steht.
Mit dem sozialen Aufstieg kommt die Hochsprache.

Un nur die Heimad kann manschemal
den Dialeggt wieda naufhole
fühld sisch dann heimisch an
des Gebrabbel un Gebabbel
e weng minderbemiddeld
un stolz drauf