FD: Erlkönig

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist die Mutter mit ihrem Kind;
Sie hat den Knaben wohl in dem Arm,
sie fasst ihn sicher, sie hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?
Siehst, Mutter, du den Erlkönig nicht?
Mein Sohn, zeig an, wo lockt er dir?
Dort hinter’m Baum, gleich hier.

„Du liebes Kind, komm geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel‘ ich mit dir;
Manch bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“

Meine Mutter, meine Mutter, hörest du nicht?
Was Erlenkönig mir leise verspricht?
Ich hör’s, der hat wohl nicht mehr alle;
Schau, wie ich ihm eine knalle!

„Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön.“
Hör mal, Erlkönig, lass mein Kind in ruh,
und deine Töchter haben auch bess’res zu tun.

Meine Mutter, meine Mutter, siehst du dort,
Erlkönigs Töchter am düstren Ort?
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh‘ es genau:
Hey, Mädchen, kommt mit, der ist doch blau!

„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch‘ ich – Halt!

Nimm deine dreckigen Griffel weg!
Geh zurück in dein ödes Versteck!

Die Mutter ist gereizt; gibt ihm eine Schelle,
Reicht den Töchtern ihre Hand ganz schnelle.
Sie wollen gern mit ihr geh’n
Lassen den Erlkönig alleine steh’n.

Wohlbehalten verlassen sie den Wald,
Sowas versucht der König nicht mehr so bald.

Hihi… xxx