- Die wichtigsten Komponenten von Fluxus
Fluxus war weniger eine Stilrichtung als ein radikales Konzept von Kunst, das in den frühen 1960er-Jahren die Trennung zwischen Kunst und Leben auflösen wollte: Alles konnte Kunst sein, jeder konnte Künstler sein – und entscheidend war nicht das Werk, sondern die Handlung, das Momenthafte, gar das Flüchtige. Statt Gemälden oder Skulpturen schuf man Aktionen, kurze Performances, sogenannte „Events“, oft mit banalen Objekten, oft mit ironischer Geste – antikommerziell, antielitär und zudem antiautoritär. Interdisziplinär und intermedial verband Fluxus Musik, Theater, Sprache, Objektkunst und Alltagshandlungen, wobei nicht das Ergebnis, sondern der Prozess – das Tun selbst – zum zentralen Ausdruck wurde. Bedeutend war nicht das Artefakt, sondern das Ereignis.
- Kunst in einer Zeit der Institutionen wie Museen, Theater, Film und Schulen
So sehr sich Fluxus gegen den etablierten Kunstbetrieb richtete, so sehr war es doch auf ihn angewiesen – zumindest als Resonanzraum. Denn die 1960er-Jahre waren geprägt von wachsender Institutionalisierung des Kulturellen: Theaterhäuser, Museen, Filmarchive und Kunsthochschulen entwickelten sich zu Hütern des Kanons, zum Speicher gesellschaftlicher Selbstbeschreibung. Fluxus versuchte, diese Räume zu unterwandern – durch absurde Aktionen in Konzerthallen, durch ironisierte Vorlesungen an Universitäten, durch das bewusste Spiel mit bürgerlichen Erwartungshaltungen. Dennoch: Auch der Protest braucht eine Bühne, um überhaupt gehört zu werden – und selbst Subversion braucht gelegentlich einen Türöffner in Form von Aufführung, Buch oder Film. Fluxus wirkte im Kontrast zur Institution – aber eben nicht außerhalb von ihr.
- Konnte Fluxus nur deswegen existieren, weil es sich der Dokumentation sicher war?
Der größte Widerspruch von Fluxus liegt in der Tatsache, dass es zwar das Flüchtige, das Unwiederholbare, das Momenthafte zum eigentlichen Gehalt erklärte – und sich dennoch von Beginn an selbst dokumentierte: in Partituren, Fotografien, Filmen, Kassetten, Boxen und Flyern. George Maciunas, der organisatorische Kopf der Bewegung, war nicht nur Anti-Institutionalist, sondern auch ein genialer Archivar. Man könnte sagen: Fluxus wusste um seine eigene Vergänglichkeit – und sicherte sie gleichzeitig ab, um überhaupt Wirkung entfalten zu können. Vielleicht konnte Fluxus nur so radikal ephemer sein, weil es die Möglichkeit der Erinnerung einkalkulierte. Denn was vergeht, ohne dokumentiert zu werden, vergeht auch ohne Spuren – und nichts widerspricht dem Kunstsystem mehr, als spurlos zu sein.